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UlrikeS

Im Frühling sterben (Ralf Rothmann)

Empfohlene Beiträge

Eine Geschichte, die  mich umgehauen hat. Sehr dicht erzählt, unwahrscheinlich detailreich und packend im Stoff.

 

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Zwei junge Melker, Walter und Fiete, 17 Jahre alt, werden in den letzten Kriegsmonaten genötigt, der Waffen-SS beizutreten. Sie kommen in eine Versorgungseinheit nach Ungarn. Fiete versucht zu desertieren, wird erwischt und soll nun von Walter und dessen Stubenkameraden standesrechtlich erschossen werden. Wer sich weigert, wird neben den Deserteur gestellt.

 

Kein Wort zu viel, keine Szene langatmig, nichts Effekthaschendes. So, wie die Menschen im Krieg ihre Gefühle verloren, egal, ob Soldat oder Zivilist, so distanziert werden die Beobachtungen und Taten  beschrieben. Kontrastrierend dazu die Briefe, die Walter an seine Schwester und seine Freundin schreibt. Sehr beeindruckend auch die Frage, die gerade vielen von uns Autoren im Kopf herumgeht, und die Fiete sich stellte, Sohn eines Veterans des ersten Weltkriegs. Fiete träumte immer davon, erschossen zu werden, auch schon, als er noch Melker war. Werden Traumata vererbt? Und wie?

 

Walter ist Rothmanns Vater, aber die Geschichte des Mannes, der seinen Freund erschießen musste, stammte von einer Zufallsbekanntschaft, die er in einer Kneipe traf. Dieser Mann erzählte jedem und jedem, was er erlebt hatte, hoffte auf Absolution und konnte sie nie erhalten.

 

Für mich der erste, aber ganz bestimmt nicht der letzte Ralf Rothmann, den ich lesen werde.

Bearbeitet von UlrikeS
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Erst vergangene Woche las ich "Shakespeares Hühner" von Rothmann und bin ähnlich begeistert, wie Du, Ulrike. Allerdings war ich nach der Lektüre dieser Erzählungen derart erschüttert, dass ich bis zum nächsten Rothmann wohl einige Zeit ins Land gehen lassen werde.

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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He, noch andere Rothmann-Fans in the house!!!

Ich hab das Buch noch vor mir und freu mich sehr darauf. Ja, Dirk, Shakespeares Hühner fand ich auch erschütternd. Vor den Kurzgeschichtenbänden gab es einige Bücher, die ich weniger mochte (Pathos, Frauenbild ... uuuhhh!)

Aber die beiden Kurzgeschichtenbände sind großartig und, Ulrike, lies mal die Bücher aus den neunzigern von ihm: Flieh mein Freund, oder Wäldernacht oder Milch und Kohle, kann ich dir sehr ans Herz legen. Danke für die Kritik!

Liebe Grüße

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Man kann es dem Artikel entnehmen: Die Jury hat extra noch mal bei ihm angeklopft. Das machen die ja nur, wenn sie der Meinung sind, dass sein Roman mindestens auf die Shortlist gehört. Er musste sich also nicht mal einer großen Konkurrenz stellen. Umso bemerkenswerter, dass er abgelehnt hat.

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