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Elli

Die 20-Sekunden-Manuskriptprüfung

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Moin,

Genauso sehe ich das auch, Ulf. Was er an Kriterien aufzählt, ist irrelevant. Seit wann entscheidet das Anschreiben, ob ein Autor Chancen hat oder nicht? Deshalb würde ich als Lektor das Anschreiben ja auch als allerletztes lesen, wichtig ist nur, ob einer schreiben kann (und das zum Verlag passende Thema hat.)

na, ja, der Mann hat sich Kriterien gemacht, um seine Arbeit zu organisieren - das ist sein gutes Recht. Nichts, was wir hier diskutieren können, wird daran etwas ändern. Andere stellen sich andere Regeln auf, auch das ist legitim. Der Artikel stellt eine Arbeitsweise vor, und ich glaube, dass viele Lektoren in Verlagen ganz ähnlich davor sind, und muss sie nicht rechtfertigen. Möglicherweise gehen ihm dabei zukünftige Bestseller durch die Lappen, aber das ein Risiko, mit der er leben muss nicht wir. Ich habe den Artikel so verstanden, dass er auch damit lebt.

 

Besten Gruß von BirgitJ

"Das Geheimnis der Baumeisterin" Aufbau 2021; "Die Maitresse", Aufbau 2020; "Das Erbe der Porzellanmalerin", Aufbau 2019; "Das Geheimnis der Zuckerbäckerin", Aufbau 2018; "Das Geheimnis der Porzellanmalerin" Aufbau 2017; "Der Duft des Teufels" Aufbau 2017; "Luther und der Pesttote" Aufbau 2016; "Die Tochter von Rungholt" Aufbau 2014
http://www.bjasmund.de

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Wobei ich mir aber zwei Fragen stelle: Was spricht gegen ein gelayoutetes Manuskript?? Als Autor soll ich ja inzwischen Verkäufer sein und jeder professionelle Verkäufer achtet auf die Optik der zu verkaufenden Sache. Wobei er vielleicht etwas anderes darunter versteht, als ich, vielleicht professionell gesetzte Texte.

 

 

Das hat meines Wissens nach zwei Gründe: 

 

Erstens ist es aufwändig, layoutete Texte in eine für die Arbeit notwendige Rohform zurückzubringen. Das kostet Zeit und damit Geld. Je nach verwendetem Programm oder Betriebssystem entstehen möglicherweise sogar Schwierigkeiten.

 

Zweitens, und das ist bei einem Exposé wohl das Entscheidende, muss ein Text durch seinen Inhalt überzeugen, nicht durch seine Form. Jedenfalls nicht an dieser Stelle. Ein roher Text wirkt viel Mutiger und Selbstbewusster als ein gesetzter. Überdies sind laienhaft gesetzte Texte nicht schön anzusehen und der Effekt, der erreicht werden sollte, wird in sein Gegenteil verkehrt.

Sagt Abraham zu Bebraham: Kann ich mal dein Cebraham?

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Nun beim einem Verlag, dessen Lektoren nur nach Äußerlichkeiten beurteilt, möchte ich nicht veröffentlichen.

 

Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, Herby. Du kannst einen Nobelpreistext einschicken, der aufwändig gelayoutet ist. Der Lektor bzw. derjenige, der das Manuskript aufmacht, wirft einen ersten Blick auf das Äußere und schiebt den Rest in den Papierkorb (ohne überhaupt den Text anzulesen) nach dem Motto: Wenn der Autor nicht die Basics kennt, hat er eh keine Ahnung.

Das heißt, es kommt überhaupt nicht dazu, dass sich der Lektor mit den inneren Werten deines Manuskripts beschäftigt, was bei einem Nobelpreistext extrem bedauerlich wäre ;)

Wir vergessen viel zu oft, wie überarbeitet die Verlage sind. Je einfacher wir es ihnen machen, umso größer sind unsere Chancen.

 

Zur Erinnerung. AndreasE hat einen schöne Zusammenfassung zum Aussehen eines "richtigen" Manuskripts auf seiner Webseite.

 

Ich gestehe, dass ich selbst auch meine Normseiten in Times New Roman schreibe - mit einigen Anpassungen. Ich hasse dieses Courier. Daran ist noch kein Buchvertrag gescheitert. Aber als Anfänger würde ich das nicht riskieren.

 

Gruß

Elli

Bearbeitet von Elli
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Ich gestehe, dass ich selbst auch meine Normseiten in Times New Roman schreibe - mit einigen Anpassungen. Ich hasse dieses Courier. Daran ist noch kein Buchvertrag gescheitert. Aber als Anfänger würde ich das nicht riskieren.

 

Meine sämtlichen Manuskripte habe ich immer nur in Times New Roman eingeschickt und sonst so aufbereitet, wie es auf der jeweiligen Verlagshomepage (oder der Homepage der Agentur) angeführt war. Das war nie ein Hinderungskriterium. Diejenigen, die abgelehnt wurden, haben entweder tatsächlich nicht ins Verlagsprogramm gepasst oder vom Thema her nicht überzeugt. Wieviel Zeit darauf verwendet wurde und wer es gelesen hat, konnte ich natürlich nur selten eruieren.

 

Eigentlich sagt dieser Lektor überhaupt nichts Neues. Dass Fehler im Anschreiben schon mal einen schlechten Eindruck machen, Smilies - mit dem vorangestellten Zitat ist das so eine Sache. Ich hatte es bei meinem letzten Verlagsanschreiben erst mal weggelassen. Das sind formale Kriterien, die Lektoren auf den ersten 20-Sekunden-Blick abschrecken können. Ansonsten hat mir mal eine Lektorin gesagt, sie seien über alles froh, das ihnen die Arbeit etwas leichter mache wie genügend Zeilenabstand (Schriftart nicht so wichtig), dafür ein Rand, der breit genug ist für Anmerkungen.

 

Grüße

Christa

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Naja.

Die klassische Normseite ist ja nicht unformatiert. Sie sieht nur so aus. Statt einer akzeptablen Schrift hat sie halt Courier, statt Blocksatz Flattersatz. Sie ist nur anders formatiert. Nämlich hässlich.

Warum sollten Autoren ihr Angebot so unattraktiv wie nur möglich präsentieren? Ich sehe da keinen Sinn drin. Man kann ja noch nicht einmal sagen, dass in dieser Phase Courier deshalb hilfreich ist, weil sie (wie früher bei der Schreibmaschine) alle Buchstaben gleich breit macht und deshalb bei der Brechnung der Seitenzahl hilft. Weder werden die Buchautoren nach der Normseitenzahl bezahlt, noch kann der Verlag schon irgendwas für den Druck ausrechnen - um ein Projekt vorzustellen, schickt man ja nur 20 bis 50 Seiten, den kompletten Text als Berechnungsgrundlage hat der Verlag also eh nicht.

Natürlich sollte man seine Manuskriptseiten nicht mit Blümchenrahmen versehen. Aber man kann Blocksatz wählen, eine lesefreundliche Schriftart wie Times nehmen, für sie die Seite auf die üblichen 30x60 Anschläge bringen und im Begleitschreiben erwähnen, dass das vollständige Manuskript xy Normseiten hat.

Sollte der Verlag den Text nehmen, kann er, wenn er will, beim vollständigen Manuskript immer noch alles in Courier usw. bekommen. Und falls er auf Papier lektoriert, mit dem entsprechenden Zeilenabstand.

Aber fürs Procedere macht es keinen Unterschied, ob der Verlag den Text später nun aus der Courier oder z. B. der Times New Roman in die Garamond oder was immer ändert. Ins DTP-Programm fließt er am Ende eh "gesäubert" ein.

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Ich schreibe in Calibri - immer, Schriftgröße 13. Hab'n Sehfehler und kann Calibri einfach am bequemsten lesen. Zeileneinzüge mach ich auch :o

Mit der Normseite haben meine Seiten bloß gemein, dass am Ende ungefähr 1800 Zeichen draufpassen. Und ich mache sogar mal einen Smiley ins Mailanschreiben (zumindest bei Leuten, die ich kenne).

 

Wenn das einen Lektor so massiv stört, dass er deshalb den Text nicht lesen möchte, dann ist das auch okay. Jemand, dem Formvorlage derart wichtig sind, tut sich mit mir keinen Gefallen. Man muss ja irgendwie aussortieren, mit wem man arbeiten möchte. :p

Bearbeitet von JenniferB
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Um die Hürde Agentur/Verlag beim ersten Mal zu nehmen, würde und habe ich mich immer an alle Spielregeln gehalten, sprich: perfekte Normseiten. Mir doch egal, wie es aussieht, hauptsache, es wird gelesen.

Beim Fußball kann man auch das schönste Tor machen, aber wenn es Abseits ist, hat man Pech gehabt.

 

Später werden diese Regeln offensichtlich unwichtiger, das ist anders als beim Fußball. Stephen King kann  seinen Text bestimmt in Sütterlin auf Toilettenpapier abliefern. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und man braucht einfach Fingerspitzengefühl. Ich möchte es dem Lektor leicht machen, einfach, weil die eh schon so viel Stress haben.

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Es ist mir unverständlich, warum man sich, wenn es schon einmal klare, leicht einzuhaltende, allgemein übliche Regeln für einen Aspekt des Romanschreibens gibt (ich meine: wie oft ist das denn der Fall?), nämlich eben die klassische Normseite, nicht einfach daran hält, zumal als Anfänger. Wenn man zu seiner ersten Geschäftsbesprechung mit Kunden geht, zieht man schließlich auch Hemd, Krawatte und Anzug an wie alle anderen auch und nicht knallrote Ballonhosen, Bomberjacke und grüne Baseballmütze in der Hoffnung, dadurch positiv aufzufallen.

 

Wenn man mal eine Beziehung mit einem Verlag oder einem Lektor etabliert hat, kann man sich ja absprechen, wer was in welchem Format haben möchte. Aber zum Einstieg ist man mit dem klassischen Outfit seines Textes einfach auf der sicheren Seite.

 

Ich finde den Artikel durchaus bedenkenswert. Nur bei dem vorangestellten Zitat wäre ich gnädiger.

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Ich bin da voll bei Andreas.

 

Für mich hat die Einhaltung solcher formalen Kriterien einerseits auch etwas mit Respekt zu tun, aber andererseits auch mit Professionalität.

Einen Text in eine Normseite kopieren ist im Zeitalter von Word wirklich kein Akt und auch Professionalität ist auch in unserem Business wichtig bspw. bei der Einhaltung von Abgabeterminen oder generell bei der Einhaltung von Zusagen.

Man kann es mit Formalien auch übertreiben, aber die völlige Ignoranz dieser zeigt eine gewisse Haltung, die ich mir als Verlagsmitarbeiter/Lektor nicht antun würde

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