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HeikeF

Genreeinordnung Psychothriller - Lesererwartung gegen klassische Genredefinigion

Empfohlene Beiträge

Hallo!

 

Immer öfter stoße ich letzter Zeit auf die unterschiedlichen Erwartungen, die mit dem Begriff "Psychothriller" verbunden werden. Deutlich wird es zum Beispiel an den Kontrasten in den Bewertungen von Presse und Lesern HIER bei "Girl on the train". Ein Psychothriller der sich aktuell sehr gut verkauft.

 

Der „Stern“ schreibt:
        "Unprätentiöse, klare Sprache, präzise Beobachtungen, sorgfältig entwickelte Charaktere. Ein fein austarierter Thriller." (stern)
Dann:

"Was wie das Psychogramm einer Trinkerin beginnt, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem brillanten Psycho-Thriller. […] Eines der bislang besten Bücher des Jahres." (Hamburger Morgenpost)

Bei den Kunden sind die Stimmen gehäuft: Ist kein Thriller … langweilig …

Es ist wirklich interessant, weil man merkt:
- Das Genre Psychothriller ist vielen (Amazon-) Lesern nicht bekannt. Sie denken bei Psychothriller an „Psycho“, Axtmörder, Folterer. Ein "Psycho" läuft Amok = Psychothriller.
- Die Leute erwarten Mord, Action, Brutalität statt Figurenzeichnung.

Hier geht faktische Definition an der Lesererwartung vorbei, was zu schlechten Bewertungen führt. Ich frage mich deswegen konkret, ob es vernünftiger wäre, klassische Psychothriller gar nicht mehr unter Psychothriller zu listen. Bei Verlagsbüchern stellt sich die Frage nicht, weil die Bücher klar über die Buchhandelskategorien gelistet sind, aber in den Unterkategorien nicht auftauchen.

 

Aber für Selfpublisher ist die Frage, ob es günstiger wäre, wegen der fehlerhaften Lesererwartung bei Amazon Psychothriller umzulisten.

- bei "Dramatik"?

- "Gegenwartsliteratur"?

- "Krimis & Thriller - Deutschland"?

Sonstwo?

 

Was denkt ihr dazu?

LG
Heike

 

Sorry, Vertipper: GENREDEFINITION meine ich natürlich in der Überschrift, kann es leider nicht mehr ändern

Bearbeitet von HeikeF
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Liebe Heike,

 

eine andere Genre-Einordnung für einen Psycho-Trhiller stelle ich mir schwierig vor. Nichts will mMn so richtig passen, und ich befürchte, dass da noch eher falsche Lesererwartungen geweckt werden.

Vielleicht setze ich zuviel voraus, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass tatsächlich dem Gros der Leser (auch bei Amazon) nicht klar sein soll, was man unter einem Psycho-Thriller versteht. Und spätestens der Klappentext macht deutlich, dass hier (in den meisten Fällen jedenfalls) mit subtileren Werkzeugen gearbeitet wird, als mit Kettensägen.

Und - auch wenn es böse klingt - vielleicht fehlt diesem von dir erwähnten Thriller, den ich auch nicht kenne, tatsächlich die Spannung (zumindest für das breite Publikum), ganz egal was Spiegel, MOPO und Co sagen?

 

LG Yvonne.

Neu: "Rosenwein und Apfeltarte" Roman, Juni 2018

http://www.yvonnes-romanwelten.de

Mit wem das Pferd nie durchgeht, der reitet einen hölzernen Gaul (Friedrich Hebbel)

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Liebe Heike,

 

ich habe mir gerade mal das Cover, die Vorschau von Blanvalet und die Homepage von Random House

angeguckt. Das Buch wird doch gar nicht als "Psychothriller" beworben, oder? Auf dem Cover und bei Random House steht "Roman"

und in der Vorschau steht "Thriller".

 

Aber mal davon abgesehen:

 

Habe mir mal die negativen Bewertungen bei Amazon durchgelesen und kann nicht erkennen, dass das an falschen Genre-Definitionen der Leser liegen könnte. Da werden nicht zu wenig Brutalität oder Action bemängelt.

 

Sondern ein Hauptkritikpunkt ist da, dass die Geschichte zu vorhersehbar sei.

 

Habe das Buch nicht gelesen und weiß also nicht, ob das stimmt!

 

Aber allgemein gesagt: Vorhersehbarkeit ist in jedem Kriminalroman (ob Krimi, Thriller oder Psychothriller)

ein K.O.-Kriterium für mich. Da können die Figuren noch so toll gezeichnet und die Beschreibungen noch so präzise sein.

 

Wenn also ein Leser einen Thriller negativ bewertet, weil er nach der Hälfte schon die Auflösung wusste, finde ich das

völlig in Ordnung.

 

LG,

Michael

Bearbeitet von MichaelT
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Wenn mich nicht alles täuscht wird der Roman mehr oder weniger als Krimi/Thriller/Spannungslektüre beworben, auch wenn "Roman" auf dem Buchcover steht ...

Habe jetzt gerade mal gegooglet und dabei folgende Aussage vom Verlag entdeckt: 

Nicht nur Millionen von Lesern, darunter prominente Fans wie Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und Gwyneth Paltrow, auch die Autorenkollegen Stephen King und Tess Gerritsen sind von Paula Hawkins‘ Roman GIRL ON THE TRAIN begeistert.

 

Daraufhin sah ich mir nun die Leseprobe an, denn mit Stephen King und Tess Gerritsen assoziert ein Thriller-Fan ja schon ein gewisses Versprechen. Möglicherweise hat das etliche Leser enttäuscht und ein Vergleich mit Hitchcock wäre vielleicht besser gewesen.

Liebe Grüße
Ramona

Inspiration exists, but it has to find us working! (Pablo Picasso)

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Gerade entdeckt und zum Thema passend:

Amazon baut derzeit sein Kategoriesystem um und hat mir jetzt ohne mein Zutun eine dritte Kategorie zugedacht:

 

"Die Affäre C" und "Talmi" sind nun zusätzlich in der Bestsellerliste "Historische Thriller" zu finden,

"Blut.Rote.Rosen" steht unter "Polit-Thriller".

 

Das ist okay für mich.

 

Bei meinen Historischen Romanen hat sich noch nichts getan, sie stehen weiter unter "Politik und Geschichte Frankreich". Das passt auch.

 

Bin gespannt, ob die dritte Kategorie Auswirkungen auf die Verkäufe hat. Wäre schön. ;)

 

LG

Helene

Helene Luise Köppel LESEN hält wach - garantiert! Aktuelle Romane: "Töchter des Teufels" (6 Katharerromane), Neu: "Knotenstricker" (Thriller)

                                         

                                 

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Danke für eure Eindrücke, die mich ein ganzes Stück beruhigen, dass es mehr ein konkreter Eindruck war, der aber eher nicht allgemeingültig ist!

 

Konkret spielt das wohl eine Hauptrolle, was Ramona auch sagt: "Daraufhin sah ich mir nun die Leseprobe an, denn mit Stephen King und Tess Gerritsen assoziert ein Thriller-Fan ja schon ein gewisses Versprechen. Möglicherweise hat das etliche Leser enttäuscht und ein Vergleich mit Hitchcock wäre vielleicht besser gewesen."

 

LG
Heike

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