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(Huutini)

Dialoge - sind sie gut oder schlecht und welche Bedeutung haben sie?

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Hallo,

 

in Ordnung, offenbar habe ich da etwas mißverstanden. Außer Rocker ist doch niemand gegen Dialoge :), wo hatte ich denn das bloß her?

 

Tin, natürlich, diese Art von Dialog, wie aus Deinem ersten Beispiel, ist zum Abgewöhnen, aber man findet sie auch eher selten :), dasselbe gilt für den Dialog von Elisabeth.

Quiddy, was meinst Du mit Charme?

 

Sicher, ein Buchdialog darf nicht an ein Drehbuch erinnern.

Wie auch immer, ich habe mich allem Anschein nach geirrt, es gibt diese Anti-Dialog Fraktion nur in der Person eines einzelnen Rockers :).

 

Liebe Grüße

Anna

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Hab grade ein Deja Vu! ;)

 

Aber Quidam versteht mich ja.

 

Dialoge sollten in einer Geschichte wie die Schokostückchen im Müsli sein: Ein süßer Bonus!

 

Und um den Vergleich mal zum Thema "Wieviel Dialog sollte eine Geschichte haben" weiterzuspinnen:

Es gibt auch Schokolade, in der man Müslistücke findet, aber das ist gleich viel weniger gesund als andersherum.

 

Ich mag Dialoge auch nicht, wenn sie zur Informationsübertragung an den Leser missbraucht werden.

 

charmante Grüße,

Marco! :s17

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Sicher' date=' ein Buchdialog darf nicht an ein Drehbuch erinnern.[/quote']

 

Ganz im Gegenteil! Ein Buchdialog SOLLTE an ein (gutes) Drehbuch erinnern, wo, wie von mir auch immer mal gerne erwähnt, die Dialoge nicht Handlungstragend sein sollten. Das sollten sie für meinen Geschmack auch im Buch nicht sein.

 

Gruß,

Marco! :s17

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Hallo Marco,

 

das habe ich mißverständlich ausgedrückt: Ein Dialog soll kein gedrucktes Drehbuch sein. Im Film agieren die Figuren zu ihrem Dialog, und das muß sich im Buch expressis verbis finden, diese Handlung muß (gleich noch ein mißverständlicher Ausdruck) erzählt werden.

 

Liebe Grüße

Anna

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Ich könnte mir vorstellen, dass Quid folgende Form von "grausligen" Dialogen meint:

 

VATER:

Unser Sohn, der Frauenarzt am Kurfürstendamm, hat angerufen. Er will uns am Wochenende besuchen.

 

MUTTER:

Oh, wie schön. Dann könnten wir unser Enkelkind, das im Juli geboren wurde und beinahe bei der Geburt gestorben wäre, endlich einmal sehen.

 

usw.usw. ;D ;D

 

LG - Elisabeth

 

 

Hallo, Elisabeth,

 

großartiges Beispiel für schwachsinnigen Dialog!

 

Ich bin nur immer noch auf der Suche nach dem Charme.

 

Quiddy, zeig mir ein Beispiel für einen wirklich lesenswerten "charmanten" Dialog, in dem weder die Figuren charakterisiert, noch die Handlung vorangetrieben oder eine Hintergrund-Information transportiert wird.

 

Gruß,

 

Tin

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Es gibt auch Schokolade, in der man Müslistücke findet, aber das ist gleich viel weniger gesund als andersherum.

 

Stimmt, Marco, "andersherum" schmeckt aber viiiiiiiiiiiiel besser!  :s22

 

 

Süße Grüße,

 

Eva

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Liebe Anna,

 

ich habe bei keinem Buch, das ich je gelesen habe, gedacht: "Mensch, die quatschen aber viel. Haben die den ganzen Tag nix zu tun?" Sowohl bei den guten als auch bei den schlechten Büchern. Aber was schon vorkam, war, dass ich Dialoge missraten oder "unecht" fand. Vor einer Weile habe ich versucht, Die Glut von Sandor Marai zu lesen. Da sitzen zwei alte Männer zusammen und sprechen ganz viel über vergangene Zeiten und Lebensphilosophien, und es werden keine Rückblenden gemacht, sondern es wird alles in den Dialog gepackt, der irgendwie dann keiner mehr ist. Das hat mir persönlich nicht gefallen.

 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Marco zustimme. Vielleicht kommt es aufs Genre an, in einem historischen Roman erwarte ich selbstverständlich viel mehr "Drumherum", in einer Charakterstudie genügt viel Gesprochenes. Wir sind uns sicher einig, dass Dialoge sehr viel aussagen (welches sind die typischen Lieblingssätze? sprechen die überhaupt miteinander oder aneinander vorbei? und natürlich Wortwahl etc.), aber nicht als Infoträger missbraucht werden sollten.

 

Manche Szenen beginnen bei mir im Kopf mit dem Dialog. Ich sehe dann wie eine Filmszene vor mir, aber der Kern ist das Gesagte. Das schreibe ich dann auf, die Welt drumherum, Gerüche, Geräusche, Mobiliar :) muss ich erst später anfügen. Die Dialoge sind also manchmal mein Skelett, und das ganze Fleisch kommt erst später. Für das Zwischenmenschliche finde ich die Dialoge also nicht die Schokostückchen im Müsli, sondern das Getreide. Allein ist es fad, mit dem ganzen drumherum wird's ein Müsli. ;D (öhm, hat diesen seltsamen Vergleich jetzt irgendjemand kapiert?)

 

Naja, und du weißt ja, dass ich mich unter anderem aufgrund der Eigenschaft deines Protas, immer mal wieder lateinische Ausdrücke einfließen zu lassen, ein bisschen in ihn verknallt habe... Also wehe, du streichst diese Dialoge! :s05

 

Liebe Grüße

Judith

"Felix", Frankfurter Verlagsanstalt 2015 // jetzt als Kindle eBook

"Liebe braucht nur zwei Herzen", Penguin Verlag 2021

www.judithwilms.com

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(Peter_Dobrovka)

Ich würde gerne mit weniger Dialogen auskommen, aber es geht nicht.

 

Reden gehört zum Leben. Kommunikation. Und natürlich auch Lügen. Gerade letzteres kann man nur durch Dialoge ausdrücken.

 

Peter

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Schwuppdiwupp, so schnell ist man der Buhmann: "Na, guckt euch mal den bösen Rocker an, der hat was gegen unsere schönen Dialoge! So ein Sack!"

 

Erstens mal habe ich nichts gegen Dialoge per se. Die Dinger gehören in einen Roman, wir schreiben ja keine Stummfilme. Im Idealfall vermitteln sie Informationen auf charmante, kurzweilige Weise und verdeutlichen die Charaktere der beteiligten Figuren. Das ist nicht leicht, deshalb versuche ich mich davor zu drücken wo es nur geht.

 

Tin: Du hast natürlich Recht, dieses Forum ist Kommunikation, und zwar in Form eines geschriebenen Dialoges. Ich möchte allerdings nicht das Buch zum Forum lesen müssen. :o

 

Quiddl: Ich finde, es gibt nichts dagegen einzuwenden, dass Dialoge auch Informationen transportieren. Sie dürfen das bloß nicht direkt zum Leser tun, sondern von einer Figur zur anderen.

 

Und bevor wir uns hier über die Nützlichkeit von Dialogen gegenseitig zerfleischen, muss man das mal Genreabhängig betrachten, und von der Herangehensweise an eine Geschichte:

Judith ist im Hauptberuf Werbetexterin, das macht sie wahrscheinlich auch, weil sie eine Vorliebe für Worte hat. Bei ihr entsteht als erstes ein Dialog im Kopf, den sie dann zur Geschichte ausbaut. Das Wort und die Kommunikation stehen bei ihr im Vordergrund.

Ich war Fotograf, weil ich ein optisch denkender Mensch bin, meine Geschichten in Bilder fassen konnte und nichts zu schreiben brauchte. Ich habe am Anfang immer zuerst ein Bild im Kopf, eine Szene. Und das ohne Worte. Anhand dieser Szene entwickel ich die Figuren und die Handlung.

 

Klar, dass wir unseren Dialogen verschiedene Wertigkeit zumessen.

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Liebe Tin,

 

mit Infos meinte ich keine Charakterisierungen, sondern eben solche Infos wie sie Elisabeth überspitzt dargestellt hat!

 

Ich hab mal einen Text gelesen, wo sich zwei Männer unterhalten und der eine dem anderen von seinem Problem mit dem Chef erzählt. Furchtbar! Gerade dadurch wurde mir klar, dass ich es lieber selbst miterlebt hätte, und eben nicht gesagt bekommt hätte. Das hätte mich vielleicht sogar gepackt.

 

Diese Metadiskussionen sind immer so Mißverständnisstreuend. Reden wir lieber über Beispiele und machen dort unsere Vorlieben fest.

 

Grüße

Quidam

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(Peter_Dobrovka)

Ich habe die beiden Threads mal miteinander verklebt, da es ja doch nicht nur im Wesentlichen sondern haargenau um das gleiche Thema geht: Welche Bedeutung haben Dialoge, wieviel davon ist zuviel/zuweig/gerade richtig, usw.

 

Peter

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:s05

 

@Rocker

Judith ist im Hauptberuf Werbetexterin, das macht sie wahrscheinlich auch, weil sie eine Vorliebe für Worte hat. Bei ihr entsteht als erstes ein Dialog im Kopf, den sie dann zur Geschichte ausbaut. Das Wort und die Kommunikation stehen bei ihr im Vordergrund.

Ich war Fotograf, weil ich ein optisch denkender Mensch bin, meine Geschichten in Bilder fassen konnte und nichts zu schreiben brauchte. Ich habe am Anfang immer zuerst ein Bild im Kopf, eine Szene. Und das ohne Worte. Anhand dieser Szene entwickel ich die Figuren und die Handlung.

 

Klar, dass wir unseren Dialogen verschiedene Wertigkeit zumessen.

 

Ertappt... dem kann ich für meinen Teil zumindest zustimmen.

"Felix", Frankfurter Verlagsanstalt 2015 // jetzt als Kindle eBook

"Liebe braucht nur zwei Herzen", Penguin Verlag 2021

www.judithwilms.com

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Hallo,

 

ich denke, es kommt darauf an, was für eine Art von Roman man schreibt. Normalerweise halte ich eine gute Ausgewogenheit für das Beste, es gibt aber auch Ausnahmen. Es ist jetzt schon etwas länger her, dass ich es gelesen habe, aber lebt Sándor Márais "Glut" nicht von den Dialogen der beiden alten Männer beim Abendessen?

 

Viele Grüße,

Laila

Pseudonyme: Anna Jonas, Nora Elias

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Elisabeths Beispiele sind super. Daraus würde ich nun ein Fazit ziehen, dem sicher jeder hier zustimmen kann: ÜBERFLÜSSIGE Dialoge sind Schwachsinn.

Und dabei braucht man sich nun nicht das Gehirn zu verbiegen und seinen Text dahingehend zu untersuchen, ob man irgend eine Szene auch ohne Dialog darstellen KÖNNTE, denn darum geht es ja nicht.

 

Ich lese viel, jeden Tag, und nicht nur meine eigenen Texte*g*. Überflüssige Dialoge sind wie Kaugummi, dehnen das Buch aus bis zum Gähnpunkt, sind wie Geschwüre im Text. Lektoren sei Dank, ich finde sie selten.

 

LG

Joy

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Ich schreibe auch dialoglastig, und ich habe mich ganz stark in Verdacht, das zu tun, weil ich das, was Rocker beschreibt, nicht besonders gut kann: Bilder erkennen und uebertragen.

Ich bin in jeder Hinsicht ein mieser Photograph.

 

Vor der Annahme, Dialoge eigneten sich am besten zur Charakterisierung von Personen, warne ich. Ich halte das (zumindest bei mir selbst) fuer eine Ausrede. Dialoge koennen als ein einzelner von vielen Mosaiksteinen zur Charakterisierung beitragen, mehr nicht. Und sie blaehen Seitenzahlen ganz gehoerig auf.

 

Ich schriebe gern sinnlicher, bildhafter, weniger hingelabert. Voll Gebilder, Gepolter, Geruechen und Geschmaeckern, die sich ins Gedaechtnis graben.

 

Dass das kein Plaedoyer fuer den dialogfreien Text ist, versteht sich hoffentlich von selbst. Ebenso wie ich kein Plaedoyer fuer den adjektivfreien Text schreiben wuerde.

ABER.

Mein Aber ist in beiden Faellen laut.

 

Viele Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Hallo Rocker,

ich habe Dich nicht zum Buhmann gemacht, zumindest nicht machen wollen :).

Ich bin genau wie Judith und Charlie ein Wortmensch, sonst wäre ich wohl auch nicht Journalistin geworden. Aber, so wie Charlie, könnte ich Dein bildhaftes Denken als Ergänzung sehr gut gebrauchen. Das, fürchte ich, fehlt mir nämlich manchmal. Schilderungen von visuell Wahrnehmbarem sind für mich echte Arbeit, weil ich meine Umwelt vor allem über Töne, über Stimmen und ihre Klänge (vor allem auch über die Klänge zwischen den Zeilen) wahrnehme. In Summe gehe ich mehr über das Gefühlte, als über das Sichtbare. Mehr später per PN.

 

Liebe Grüße

Anna

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Hallo Laila,

 

siehe meine Antwort Nr. 82 zu Sandor Marai und der Glut... genau das ist es ja. Ich finde, es sind eigentlich keine Dialoge mehr, da sprechen zwar zwei Männer miteinander, aber die ganze Erzählung steckt in dem Gesagten, das über viele Seiten geht und formuliert ist, wie niemand sprechen würde – voller Philosophie, ohne abzusetzen, ohne Erwiderung, Rückschauen, gewissermaßen ein Monolog am anderen. Eher ein Stück Erzählung am anderen. Ich finde diese "Dialoge" jedenfalls nicht vergleichbar mit dem, was man sonst als Dialog kennt.

 

Liebe Grüße

Judith

"Felix", Frankfurter Verlagsanstalt 2015 // jetzt als Kindle eBook

"Liebe braucht nur zwei Herzen", Penguin Verlag 2021

www.judithwilms.com

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Hallo Judith,

 

siehe meine Antwort Nr. 82 zu Sandor Marai und der Glut... genau das ist es ja.

 

Hatte ich doch glatt überlesen. ;D Du hast Recht, vergleichbar ist das nicht. Ich meinte auch nur, dass es durchaus Bücher gibt, in denen der Dialog die Handlung bestimmt. Mir gefiel das Buch übrigens sehr gut.

 

Liebe Grüße,

Laila

Pseudonyme: Anna Jonas, Nora Elias

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Liebe Anna,

 

ich empfinde mich eigentlich nicht als "Wortmensch", denn sonst haette ich an dialoglastigen Texten vermutlich meine Freude und empfaende diese Art des Schreibens bei mir selbst nicht als so falsch.

 

Auch wuensche ich mir die von Rocker beschriebene Faehigkeit nicht als Ergaenzung. Sondern als Ersatz.

Im Uebrigen fiele mir kein einziger Autor ein, der die Vermittlung von Sinneseindruecken und die lebendige Gestaltung handlungsreicher Szenen beherrscht und schlechte Dialoge schreibt. Umgekehrt wuesste ich dagegen Massen zu nennen. Die Gestaltung von Dialogen ist - meiner Meinung nach - bei weitem der leichtere Teil. (Das ist ja Teil meines Problems... die bloeden Dinger schreiben sich von selbst, und prompt sind wieder acht Seiten voll mit NUESCHT.)

 

Mit dem Ende des Romans "die Glut" hatte ich grosse Probleme. Dialoglastig und unsinnlich fand ich ihn aber trotz des Aufbaus nicht.

 

Viele Gruesse von

Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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(Das ist ja Teil meines Problems... die bloeden Dinger schreiben sich von selbst' date=' und prompt sind wieder acht Seiten voll mit NUESCHT.)[/quote']

 

Ist das so? Hm... bei mir ist das anders. Es wiederstrebt mir Dialoge voller Nüscht zu schreiben. Dialoge kommen bei mir nur vor, wenn die Protas was zu sagen haben. Was sinnvolles. Was spannendes. Was lustiges. Aber nie was sinnloses.

Sinnlose Sachen findet man bei mir zwischen den Dialogen. ;)

 

LG

Joy

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Es wiederstrebt mir Dialoge voller Nüscht zu schreiben. Dialoge kommen bei mir nur vor, wenn die Protas was zu sagen haben.

 

 

JOY!

 

Mir widerstrebt es auch!

 

Es widert mich geradezu an und ich lese es auch nur mit Widerwillen.

 

Aber die bloeden Dialoge machen sich immer wieder breit. In Windeseile. Eine halbe Seite spannende Seeschlachtschilderung hingegen kostet mich eine Woche, waehrend derer ich mir mantaartig eindoedele: "Nein, dabei quatscht jetzt keiner, nein, dabei quatscht jetzt keiner, nein, dabei..."

 

Durchaus neidisch gruesst

Quatschtante Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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(Peter_Dobrovka)

Elisabeths Beispiel ist ein Beispiel für einen irrealen Dialog, der Informationen transportiert, die für den Leser und nicht für die Personen gedacht sind. Und das ist ganz essentiell und war auch Gegenstand der langen Diskussion zwischen mir und Marco, der leider niemand folgen wollte (konnte?).

Wie Tin treffend sagte: Dieser Dialog ist Schwachsinn. Nur hat sie nicht gesagt, WARUM.

Er ist Schwachsinn, weil so Leute nicht miteinander reden. Er transportiert Informationen, die diese Leute einander nicht zu sagen haben, weil sie sie längst wissen. Diese Informationen sind einzig und allein für den Leser gedacht, und dieser "Trick" ist einfach nur schwach. Auf solche Dialoge kann jedes Buch (und jeder Film) gerne verzichten.

 

Das soll natürlich auch kein Plädoyer für reale Dialoge sein. Wie in diesem Forum (und diesem Thread) öfter erwähnt: Real abgebildete Dialoge sind ein Horror. Sie sind nämlich endlos, nichtssagend und langweilig.

 

Sinnvolle Dialoge, die dann auch unentbehrlich sind, vermitteln Information von Charakter zu Charakter. Sie verändern den Informationsstand der Charaktere in handlungsrelevanter Weise. Sie sind somit Teil der Handlung, das ist ganz wichtig. Worte können Berge versetzen, wenn sie in die richtigen Ohren gelangen; Worte können verletzen, versöhnen, ängstigen, erfreuen, und last but not least: Worte können auch gelogen sein. Eine Figur kann die andere Figur anlügen. Wie soll man sowas durch Taten ausdrücken?

Zumal, bitteschön: Die Sprache ein integraler Bestandteil des menschlichen Lebens ist, wieso soll das in einem Buch denn irgendwie anders sein?

 

Wenn ein Dialog handlungstreibend ist, kann man gerne auch mal Informationen darin verstecken, die für den Leser gedacht sind. Die Worte sind dann zwar primär an Figur B gerichtet, der in dem Moment noch so wenig weiß wie der Leser, und der Leser belauscht dieses Gespräch. Und wenn das gelogen ist, dann ist auch der Leser wunderbar aufs Glatteis geführt worden. Ich habe in meinen Romanen solche Dialoge haufenweise, wo ich meine Figuren Dinge sagen lasse, die den Leser in die Irre führen. Das kann ich mit dem Erzähltext einfach nicht bringen. Ich will ja den Leser nicht als Autor anlügen, damit verliere ich den Leser.

 

Darüberhinaus finde ich Dialoge auch sehr schön, um Figuren zu charakterisieren. Denn wie gesagt, auch Worte sind bis zu einem gewissen Grade Taten.

 

Ach ja, bei der Gelegenheit: Für mich ist es auch schon ein Dialog, wenn in einem Erzähltext vorkommt, was irgendjemand sagte, selbst wenn keine Anführungszeichen verwendet werden:

 

Er setzte den Zaren über den Verlauf des Aufstandes in den östlichen Provinzen in Kenntnis. Der Zar befahl daraufhin, eine Strafexpedition, bestehend aus 1000 Männern, auszusenden, um der Sache ein Ende zu bereiten.

 

Hier haben sich zwei Menschen unterhalten und Informationen ausgetauscht. Die äußere Form, wie das der Autor verfaßt hat, ist keine wörtliche Rede, dennoch ist das für mich ein Dialog.

 

Die Frage, die sich mir manchmal stellt, ist, was besser ist. Ich schreibe Dialoge immer lieber in Form wörtlicher Rede, und lese sie auch lieber in Form wörtlicher Rede. Ich empfinde das als unmittelbarer, lebendiger.

Kehlmanns Weltvermessung ist für mich übrigens voller wörtlicher Rede, auch wenn er die Anführungszeichen durch Konjunktive ersetzt hat.

 

Woran ich die ganze Zeit denken muß: Wenn wir in einem Buch sind und nicht in einem Film, dann ist der Unterschied zu Dialog und Erzähltext marginal. Beides sind Worte, die in meinem eigenen Kopf die Bilder erste erzeugen müssen.

Ich erinnere mich noch gut an Lovecrafts "Schatten über Innsmouth", wo der alte Säufer die Geschichte der Stadt erzählt. Und während er das erzählt, wird das, was er sagt, für mich selbst zum Erzähltext, nur eben auf einer anderen Ebene. Als Film wäre es äußerst schwach, den Alten drei Minuten lang faseln zu lassen, aber das hat man gottlob nicht so gemacht: Sie haben nach den ersten Sätzen des Alten eine Rückblende begonnen, in der alles, was er sagte, gezeigt wurde, ohne Ton (dafür mit musikalischer Untermalung), und gelegentlich kann die Stimme des Alten aus dem Off, um das eine oder andere, was nicht in Bilder zu fassen war; ähnlich wie das Textbeispiel mit dem Zaren.

Nun mag einer einwenden, das Beispiel sei nicht gut, weil es sich hier um einen langen Monolog handele, den man tatsächlich auch als Erzähltext betrachten könne. Nun, ich persönlich habe denselben Effekt auch bei "Einzeilern":

 

"Wo ist Hank?"

"Er wurde angeschossen, als er einer alten Dame über die Straße helfen wollte."

 

Quidam mag nun einwenden, er wolle diese Szene lieber selbst erleben, als sie erzählt zu bekommen, aber das ist dann wieder eher eine Frage von Show, don't tell (Typ 2). In mir erzeugt auch dieser kleine Dialog ein Bild, wenn auch nur ein kleines, unscharfes.

 

Peter

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Das kann vielleicht ein einziger Satz sein ("Ich bin dein Vater") - aber du kriegst diesen einen Satz nicht konsequenzlos weggestrichen' date=' und du kannst auch keine Szene drehen und keine Requisite einführen, die ihn substituiert. Du kannst den Ton nicht abdrehen und trotzdem noch verstehen, es GEHT einfach nicht.[/quote']

 

Ich muss dieses alte Thema noch mal ausbuddeln, weil ich gestern etwas spaßiges gesehen habe, dass mich an diese Diskussion mit Peter erinnert hat: Ist es möglich, die Textzeile "Ich bin dein Vater!" als Bild zu zeigen, also ohne diesen 'Dialog' auszukommen oder nicht.

Peter meinte damals nein. Ich meinte ja.

 

Vor demselben Problem haben offenbar die Programmierer des Computerspiels LEGO Star Wars II gestanden, bei dem man die Abenteuer der Filme 4 bis 6 von Star Wars mit LEGO-Figuren in LEGO Welten nachspielt. Alles ziemlich drollig und lustig. Und mit einer Menge kleiner Zwischensequenzen versehen, die große Szenen der Filme nachspielen.

 

Habe gestern ein Promovideo gesehen, und eben diese berühmte Szene, in der Darth Vader Luke Skywalker erklärt, er wäre sein Vater, wurde dargestellt. Leider können die LEGO Figuren nicht sprechen, so dass eine andere Möglichkeit gefunden werden musste.

 

Drollige Lösung: Der Böse LEGO Darth Vader zieht ein Polaroid aus seinem Anzug, auf dem man ihn mit seiner Frau und einem Baby auf dem Arm sieht, und zeigt zwischen dem Bild und LEGO Luke Skywalker hin und her.  ;D

 

Zugegebenermaßen keine ernsthafte Lösung, und funktioniert vermutlich auch nur, weil man ja weiß, was er mit dem Foto ausdrücken will, aber ich musste halt an die Diskussion denken!  ;D

 

Erheitert,

Marco! :s17

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