Zum Inhalt springen
(MartinaC)

Flache oder tiefe Story/Figur?

Empfohlene Beiträge

BTW' date=' wer hat das entscheiden, das das kein Schwein interessiert? Also ich finde einen Penner, der mal Anwalt war, sehr interessant.[/quote']

 

Genau hier liegt der Knackpunkt, weshalb du nicht verstehst, was ich und Quidam mit Relevanz meinen!

 

Warum ist es, für DIESE Geschichte interessant?

 

Für eine andere Geschichte mit demselben Penner mag es interessant sein, aber so eine andere Geschichte erzählt Quidam nicht. Er erzählt DIESE Geschichte. Und was hätte der Leser in DIESER Geschichte davon, zu wissen, dass der Penner mal Anwalt war? Welchen Mehrwert hätte diese Information für den Leser?

 

Gruß,

Marco! :s17

Link zum Beitrag

Hallo allesamt,

 

(bin ich mal zwei Tage weg und dann ist das soo´n langer Thread ... :s06)

 

Was mir aufgefallen ist:

 

Für mich ist es nicht egal, welche Eigenschaften meine Figuren haben. Das fängt ja damit an, welche Art von Geschichte ich erzählen will.

 

Ich brauche nämlich einen Helden, eine Heldin, die am schlechtesten mit dem Problem, um das es in der Geschichte geht, fertig werden kann - sonst gibt es keinen Konflikt - und das ist das A + O.

 

Zwei beziehungsfähige Menschen sehen sich an, sagen der/dies isch´s und Punkt. Prima, kann ich aber nicht gebrauchen - und dann basteln sich die meisten AutorInnen halt beziehungsgestörte Figuren, Joy ;D - aber Du hast Recht - das sollte ja mal ein bisschen mehr sein als nur "mein Freund hat mich verlassen und nun trau´ich keinem mehr".

 

Ein Held, der alles kann, ist ja ein bisschen langweilig - deswegen trägt Frodo den Ring und nicht Aragorn. Und selbst Superman wird bei Cryptonit (oder so) schwach.

Und Indiana JOnes bekommt Besuch von Papa (der mal James Bond war).

 

Ich finde nicht unbedingt, dass Lücke gleich Tiefe ist. Ich würde sagen : show don ´t tell. Ich würde niemanden über eine schlechte Kindheit labern lassen. Aber wenn George Clooney, der frauenverschlingende Kinderarzt in ER Besuch von seinem Vater bekommt und die beiden sich einen Abend lang in unterdrückter Zuneigung, Verletzheit usw. üben, dann weiß ich, warum die Figur so geworden ist. Der Vater ist das, was man eine "back story wound" nennt - die Wunde in seiner Vergangenheit. Und die beiden reden nicht in dem Stil "Papa, du warst nie da" - man merkt s einfach.

 

Harry Potter hat die Wunde und nicht nur auf der Stirn, sie ist es, die ihn antreibt, die Figuren bei Dan Brown sind Pappkameraden, weil sie sie nicht haben.

 

Zu Tarantino - Bekannte Klischees nehmen und die Scheiße reden lassen - kann hinkommen.

Ich denke, Tarantino hat meist Gewalt und Humor gekoppelt.

- ein Liebespaar flüstert sich "Hunybunny" etc. zu - und raubt ein Restaurant aus.

-Zwei Killer fachsimpeln über Hamburger

- Vier gestandene Männer, darunter drei Gangster versuchen, die "Bonny Situation" zu vermeiden - das ist keine gewalttätige Gang, Bonny ist das Mädchen von Nr. 4 - aber die Jungs haben einen Heidenrespekt.

 

Ich für mein Teil find´das sehr komisch, aber ich versthe auch, wie das viele befremden kann...

 

Viele Grüße

 

Kathrin

Link zum Beitrag
(Peter_Dobrovka)

Ich finde nicht unbedingt, dass Lücke gleich Tiefe ist. Ich würde sagen : show don ´t tell.

Im Prinzip kann ich dagegen nichts sagen. Wenn wir es nämlich streng betrachten, ist konsequentes SDT auch nicht viel anderes als eine Lücke. Der Leser muß sich die hinter den Aktionen stehende "Wahrheit" selbst zusammenreimen.

 

Peter

Link zum Beitrag
Im Prinzip kann ich dagegen nichts sagen. Wenn wir es nämlich streng betrachten' date=' ist konsequentes SDT auch nicht viel anderes als eine Lücke. Der Leser muß sich die hinter den Aktionen stehende "Wahrheit" selbst zusammenreimen.[/quote']

 

Könnte man, ich frage das mal so, dann vielleicht sagen: Je mehr Möglichkeiten, also je mehr mögliche Wahrheiten die Lücken dem Leser bieten, desto mehr 'Tiefe' hat der Text?

Also: Nur eine Möglichkeit = Gutes SDT.

Ganz viele, vom Leser abhängige, Möglichkeiten = SDT + Tiefe?

 

Gruß,

Marco! :s17

Link zum Beitrag
(Peter_Dobrovka)

Könnte man, ich frage das mal so, dann vielleicht sagen: Je mehr Möglichkeiten, also je mehr mögliche Wahrheiten die Lücken dem Leser bieten, desto mehr 'Tiefe' hat der Text?

Also: Nur eine Möglichkeit = Gutes SDT.

Ganz viele, vom Leser abhängige, Möglichkeiten = SDT + Tiefe?

Hm, weiß nicht. Behagt mir nicht.

Ich sehe die Tiefe in der Interpretierbarkeit qualitativ, nicht quantitativ. Was die Quantität angeht, würde ich sogar sagen, daß zu breite Lücken mit zu breit angelegten Interpretationsmöglichkeiten eine nur vorgetäuschte Tiefe sind, also quasi Betrug.

Ich würde es vergleichen mit einem Flüssigkeitsbehälter, der unten ein Loch hat und dadurch eine größere Kapazität vortäuscht als in Wirklichkeit vorhanden ist.

 

Peter

Link zum Beitrag
(Peter_Dobrovka)

He, mir ist jetzt was ganz Beklopptes passiert:

Ich habe gerade in einem Text von mir gelesen und bin auf einen Satz gestoßen:

 

Nein, es gab noch einen anderen Grund

 

Welcher das ist, wird nicht gesagt, und so sehr ich mich auch anstrenge, er fällt mir nicht mehr ein. Obwohl ich weiß, daß es diesen Grund noch gibt, er also nicht durch eine Überarbeitung entfernt wurde, und er ist aus dem Kontext ableitbar.

Auch ne Möglichkeit, an Tiefe zu kommen.

Sieht aus, als hätte ich für heute meine Beschäftigungstherapie gefunden, das läßt mir jetzt keine Ruhe mehr.

 

Peter

Link zum Beitrag

Bitte melde Dich an, um einen Kommentar abzugeben

Du kannst nach der Anmeldung einen Kommentar hinterlassen



Jetzt anmelden

×
×
  • Neu erstellen...