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ChristianeL

Beate Maly: Die Zeichenkünstlerin von Wien

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Der Roman „Die Zeichenkünstlerin von Wien“ erzählt die Geschichte der Jüdin Sarah Isserlein, die ein großes Zeichentalent besitzt (daher der für mich auf den ersten Blick irritierende Titel). Diesem Talent verdankt sie eine Begegnung mit dem christlichen Steinmetz Mathes Rockh (der auf dem Klappentext Matthias Rock heißt), der Sarahs Talent anerkennt und mit ihr zusammen an dem Taufbecken des Wiener Doms arbeiten möchte. Zwischen den beiden beginnt eine zarte Liebesgeschichte, die allerdings für beide Lebensgefahr mit sich bringt, plant doch der Wiener Herzog Albrecht, die Juden auszurauben, um seine Kriege und Kirchen zu finanzieren.

 

Kein leichtes Thema, das Beate Maly in ihrem Roman anschneidet – die Verfolgung und Ermordung der Wiener jüdischen Gemeinde im Jahr 1421. Geschickt bettet die Autorin das historische Geschehen ein in eine Familien- und Liebesgeschichte, die so spannend ist, dass es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen.

 

Besonders gefallen hat mir Beate Malys Talent, nicht nur ihren Hauptfiguren, sondern auch den Nebenfiguren Leben einzuhauchen, ihnen starke Motive und eine Geschichte zu geben. Niemand ist böse um des Selbstzwecks willen, sondern alle Handelnden werden durch etwas angetrieben, was aus ihrer Sicht verständlich ist.

 

Ebenso geschickt vermeidet Beate Malye es, einseitig Opfer und Täter zu zeichnen. Auf beiden Seiten gibt es Fanatiker; auf beiden Seiten gibt es Menschen, die auch in schlimmen Seiten Menschlichkeit bewahren.

Nicht zu vergessen die Stärke, mit der Beate Maly das Wien des 15. Jahrhunderts zeichnet – eine Stadt, die stinkt und lärmt und lebendig ist.

 

Kein leichtes Buch, aber ein Roman, der nachhallt und bei mir auch dazu geführt hat, dass ich mir das Taufbecken im Stephansdom unbedingt ansehen möchte, weil es der Autorin gelungen ist, mir dieses Kunstwerk bildhaft vor Augen zu führen.

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