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(Gunnar)

Warnung vor neuen Verträgen

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Hallo in die Runde,

 

einer meiner Verlage verschickt seit einiger Zeit neue Verträge. Begründet wird dies damit, dass Juristen aufgefallen sei, dass die bislang üblichen Normverträge hinsichtlich der Unterteilung in Haupt- und Nebenrechte nicht korrekt gewesen wären, so hab ich’s zumindest verstanden. Von VS-Seite hörte ich dazu übrigens, dass Juristen, die sich mit der Materie auskennen, anderer Ansicht sind.

 

Wie auch immer: Meiner Meinung nach enthält die neue Vertragsfassung einen schweren Fehler. Die Rechteeinräumung unterscheidet in 1.) Print- und Verlagrechte, 2.) elektronische Rechte, 3.) Vortrag, Sendung, Dramatisierung, Verfilmung und 4.) sonstige Rechte. Unter 1.) werden jetzt fatalerweise sowohl das Buch, das der Verlag druckt, als auch etwaige Lizenzen z.B. für Übersetzungen in andere Sprachen (also die früher umgangssprachlich als „buchnah“ bezeichneten Nebenrechte) zusammengefasst. Das hat zur Folge, dass sich die im Paragraphen über die Honorare genannte Entlohnung, also das, was mit dem Verlag ausgehandelt wurde und in der Regel Prozente vom Nettoladenverkaufspreis sind, auch auf die Lizenzen beziehen. Was natürlich kompletter Unsinn ist. Wenn mein Buch, sagen wir, in Frankreich gedruckt wird, bekomme ich doch nicht 5 oder 8 oder 10 Prozent vom dortigen Nettoladenverkaufspreis, sondern 50 oder 60 Prozent von dem, was mein Originalverlag als Erlös vom französischen Verlag erhält.

 

Mein Verlag hat einem zusätzlichen Passus zugestimmt, der explizit die Entlohnung der in 1.) genannten Lizenzen klärt. Mit anderen Worten: Auch der Verlag blickt nicht durch. Es empfiehlt sich daher, neue Verträge gründlich durchzulesen, so öde die Lektüre auch ist.

 

Viele Grüße,

 

Gunnar

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