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Judith Wilms

Was bedeutet Kill your darlings bzw. Kill your babies?

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Kill your darlings, hm, wenn es soviel heißt wie "Man muß dazu bereit sein, auch die liebgewonnesten Aspekte eines Romans zu kippen, wenn es dem Roman hilft", dann ist es ok und einleuchtend. Glaube nicht, daß damit gemeint ist: streich das raus, was dir am besten gefällt.

Aber an sich ein ziemlich mysteriöser Rat.

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(Peter_Dobrovka)
Kill your darlings, hm, wenn es soviel heißt wie "Man muß dazu bereit sein, auch die liebgewonnesten Aspekte eines Romans zu kippen, wenn es dem Roman hilft", dann ist es ok und einleuchtend.

Ja, so ist es zu verstehen.

 

Glaube nicht, daß damit gemeint ist: streich das raus, was dir am besten gefällt.

Das wäre ja auch kompletter Schwachsinn.

 

Aber die Erfahrung zeigt nun mal, daß Autoren enorme Schwierigkeiten haben, sich von Texten bzw. Textteilen bzw. Charakteren bzw. Ideen zu trennen. Selbst dann, wenn sie es einsehen, daß damit ein Problem vorliegt, wird erst versucht, zu retten was zu retten ist.

 

Peter

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(thalia_grazie)

hallo zusammen,

ich habe diesen satz bei der zeitung gelernt, und zwar fast wie ein gebet:

"töte deine lieblinge" hat unser feuilletonchef immer gepredigt.

es bezog sich natürlich auf journalistische texte und meinte nichts anderes als:

"jedes überflüssige wort muss weg."

in dieser redaktion sprach man hemingway diese formel zu - der ja mit extrem wenig worten extrem viel zu sagen vermochte.

das sitzt bei mir so tief wie "innenspiegel, aussenspiegel, umdrehen" - und ist für literarisches schreiben oft gar nicht so gut. für meines jedenfalls.

 

gruß, peggy

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"jedes überflüssige wort muss weg."

... und ist für literarisches schreiben oft gar nicht so gut.

Kleiner Einwurf: das ist auch nicht für jedes journalistische Schreiben gut!

Ich bin allerdings auch anders ausgebildet. Wie sagte mein Tutor immer: "Mädle, schreib'sch e scheens Fietscherle? Dasses so richtig schee packt?"

 

Grüßle vom Mädle, das Instantregeln grundsätzlich misstraut

:s21

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Jan/Charlie/PeterN

 

Ja, genau darum ging es mir auch. Ich mag es gar nicht wenn solche Floskeln zur Maxime erhoben werden, denn für mich persönlich steht "Freiheit" ohnehin im Vordergrund.

 

Ich befürchte nämlich auch, dass gerade dieser Spruch (der ja völlig sinnentleert und zusammenhanglos zitiert wird) so verstanden wird, als täte es jedem Manuskript gut, wenn der Autor das herausstreicht, was er für besonders gelungen hält. Es mag ja sein, dass ein Youngster mal über das Ziel hinausschiesst und sich später mit dem Lektor über jedes Komma zankt (falls er soweit kommt) aber die Erfahrung mit den eigenen Texten kommt nach und nach sowieso. In dem Moment, wo ich entscheide, dass etwas aus meinem Buch fliegt, habe ich ja selbst entschieden, dass es sich um einen "no-longer Darling" handelt.

 

Auch mit "Show, don't tell" geht es mir ähnlich, ich mag auch Bücher mit starkem erzählerischen Element und stehe gar nicht so sehr auf die Bücher die mir mit Knalleffekten Popcornkino vorgaukeln wollen. Ich nehme mal an der literarische Begriff "Erzählung" kommt nicht von ungefähr.

 

Liebe Grüße

 

Anja

 

PS: Peter, hier schauen schlicht leider nicht alle regelmäßig hinein. :(

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Jso verstanden wird' date=' als täte es jedem Manuskript gut, wenn der Autor das herausstreicht, was er für besonders gelungen hält. [/quote']

Es gehört zur Professionalität eines Autors, ein Gefühl für Schwächen und Stärken zu entwickeln und zu WISSEN, was gelungen ist.

Schöne Grüße,

Petra

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Ach, Petra.... wie lange dauert'n das, bis ich das gelernt hab? Gibt's da Richtwerte?

 

Seufzend, aber herzlich gruesst Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Hallo Petra,

das gilt aber ebenso für Passagen, die zwar an sich gut gelungen sind, die aber nicht (mehr) in den Text passen.

 

@Anja. Insofern hat die Regel durchaus ihre Berechtigung.

Ich habe sie immer dahingehend verstanden, dass man nicht an Textstellen kleben darf, nur weil man sie so besonders liebt.

Allerdings denke ich, dass davon hauptsächlich Schreiber betroffen sind, die (so wie ich, Geständnis) nicht gründlich plotten. Da landet man schnell bei Szenen, die vielleicht auch objektiv betrachtet gelungen sind, und trotzdem fügen sie sich nicht mehr homogen in die Geschichte.

 

Liebe Grüße

Anna

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Hallo,

 

ach ja, in seinen eigenen Text ist man immer so schön selbstverliebt; trotzdem, beim Kürzen ruhig etwas gröber vorgehen. Vor dem Kürzen einen Testleser das Manuskript geben, dann ein paar Wochen warten, kürzen, deselben Testleser das Manuskript nochmal geben.

Meiner kritisierte den Verlust eines Kapitels, dass für ihn entscheidend für die Charakterisierung einer Person war. Inhaltlich hatte ich es auf einen Abschnitt im folgenden Kapitel reduziert.

Fällt einem Testleser nach nochmaligem Lesen der gekürzten Version der Verlust auf, war's des Kürzens zuviel; alles andere war zurecht rausgeworfen.

 

Viele Grüße Dietmar

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Ich finde diese Diskussionen immer müßig. Warum?

 

Hier spricht jeder über irgendwelche Ausdrücke wie "Show, dont tell", oder "kill your Babys/Darlings", und jeder definiert die Dinge anders.

 

Anjas Definition von Show don't tell kann ich nicht mit dem in Einklang bringen, was hier mal besprochen wurde, und schon dort wurde man sich nicht einig.

 

Mit "Kill your..." ist es doch genau so. Die einen denken, es heisst so, die anderen denken, es heisst so.

 

Grundsätzlich gilt: Beides sind Ratschläge, Möglichkeiten, einen Text zu verbessern. Keine Regeln, und wer sie so auffast, ist selbst schuld - der hat sie nicht verstanden.

 

Aber irgendwie reden die Leute hier regelmässig aneinander vorbei, sobald definitorische Unklarheiten anstehen.

 

Und versucht man mal, eine Definition für etwas zu finden, wirds einem als 'Privatfehde' ausgelegt!  ;D

 

Ergo: Bevor ihr diskutiert, welche "Regeln" sinnvoll sind und welche nicht: einigt euch doch erst einmal, worüber ihr sprecht,und vor allem, wo die Ausdrücke herkommen... sonst dreht man sich im Kreis und die Diskussion wird zur Nichtigkeit.

 

Lieben Gruß,

Marco!  :s17

 

*Der lieber Showt als tellt, selbst in einer actionlosen Erzählung, und seine lieben Darlings gerne killt, wenn sie der Geschichte nicht helfen...*

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Ach' date=' Petra.... wie lange dauert'n das, bis ich das gelernt hab? Gibt's da Richtwerte?[/quote']

Liebe Charlie,

darf ich mal ganz frech sein?...

Du kannst das längst. Ich fürchte, du traust dich nur oft nicht.

Das meine ich von Herzen, weil ich selten jemand erlebt habe, der so sorgfältig mit Worten, nicht nur in Buchtexten, umgeht (was man von mir nicht behaupten kann).

 

Sommersonnengrüße,

Petra

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Stefan Mühlfried
Fällt einem Testleser nach nochmaligem Lesen der gekürzten Version der Verlust auf' date=' war's des Kürzens zuviel; alles andere war zurecht rausgeworfen.[/quote']

Hehe... Da hatte ich gerade heute morgen meinen Aha-Effekt: Ich habe den Anfang meines MS um knappe 20 Seiten gekürzt und bekam gerade das Feedback (danke, Joy!), daß es gar nicht auffällt... Bemerkenswert!

 

Nun gut, es waren keine "Babies", die ich heiß und innig geliebt habe, sondern nur Stellen, die ich irgendwie ganz gelungen fand. Von der Schreibe her - für die Geschichte waren sie offensichtlich ohne Belang. Mir ist es leicht gefallen, sie zu streichen. Ich entwickle sogar einen gewissen Ehrgeiz darin, das MS zu kürzen.

 

Schöne Grüße,

Stefan

"Schriftsteller sollten gar keine Adjektive haben. Sie sind keine französischen oder australischen Schriftsteller, sondern einfach Schriftsteller. Am Ende sind sie ohnehin nicht mal ein Substantiv, sondern ein Verb: Sie schreiben." - Richard Flanagan

Blaulichtmilieu   -   Zur Hölle mit der Kohle   -   Der steinerne Zeuge

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Da schließe ich mich der Meinung von Petra an. Charlie, du kommst mir vor wie eine perfekt gekleidete Frau, die aber da an der Hose einen Knitter ausmacht (und sonst niemand) und dort einen Fusel am Hemd entdeckt.

 

Wenn deine Texte so erfrischend und originell sind, wie deine Beiträge, dann machst du dir grundlos Gedanken. Genieß lieber dein Können, anstatt es dir selber immer zu *zerzweifeln*. ;)

 

Grüße

Quidam

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weil ich selten jemand erlebt habe, der so sorgfältig mit Worten, nicht nur in Buchtexten, umgeht (was man von mir nicht behaupten kann).

 

 

OFF-TOPIC: Das lasse ich mir jetzt SOFORT auf'n T-Shirt drucken und zeig's allen Leuten, die hier ununterbrochen das Gegenteil behaupten... YOU MADE MY DAY.

 

TOPIC-BACK-ON:

Dass ich mich oft nicht "traue", stimmt. Aber da bin ich zweifellos nicht der einzige, oder? Ich behaupte ebenso dreist, auch Du bist ein Fall, der bei Sachen, die - sagen wir mal - 'n bisschen ueber die Schmiergrenze haengen, Probleme hat, zu sich und anderen zu sagen: Na und? Ich mag das hier jetzt aber.

Das ist - finde ich - ein interessantes Nebenthema dieses Threads. Ich glaube, es gibt da fuer viele Autoren eine eher breite Grauzone: Eigene Texte, die uns ueberraschen, die wir eher gewohnt sind, nicht zu moegen, die gewisse selbst gezogene Grenzen (z.B. zum Melodramatischen, zum Pathetischen, das Wort mit K verkneif' ich mir) ueberschreiten. Zu erkennen: Was geht fuer mich noch, was geht fuer die, von denen ich gelesen werden moechte, noch, was ist zu viel, finde ich ungeheuer schwierig.

Denn natuerlich werden solche Grenzfaelle haeufig zu "Darlings". Exotische Schoenheiten, womoeglich um eine Spur zu dick aufgetragen, aber... (Das sind doch die, die - wenn sie gerade noch nicht kippen - den "Is'-das-von-mir?"-Effekt ausloesen.)

 

Herzliche Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Da schließe ich mich der Meinung von Petra an. Charlie, du kommst mir vor wie eine perfekt gekleidete Frau, die aber da an der Hose einen Knitter ausmacht (und sonst niemand) und dort einen Fusel am Hemd entdeckt.

 

 

Sach mal, habta Euch alle verschworen, heute zu mir besonders nett zu sein? (Oder hat sich rumgesprochen, dass mir gerade einer ne Kiste Barolo geschenkt hat? Koennt alle kommen!)

 

Quidam, mal ganz abgesehen von meinen knitterfreien Hosen (meine Tochter hat einen Buegeltick) - wenn das so waere (und bei vielen ist es so!): Ich bin der festen Ueberzeugung, dass Koennen und Zerzweifeln bei der Durchschnittsbegabung (bitte mich nicht mit dem Mozart-Holzhammer erschlagen) ganz nah beieinander wohnen.

Ich geh mit meiner Zweiflerei nicht nur Euch auf den Senkel. Aber ohne koennt' ich nicht.

Und mal ganz ehrlich: Wem hier ist noch nie ein "Zweifelsfreier" auf den Senkel gegangen?

 

Freu mich trotzdem.

Viele Maifreitags-Gruesse von Charlie.

"Der soll was anderes kaufen. Kann der nicht Paris kaufen? Ach nein, in Paris regnet's ja jetzt auch."

Ararat - "Und sie sollen nicht vergessen sein" Knaur, 1. März 2016. www.charlotte-lyne.com

 

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Liebe Charlie,

genieß es und bleib unbedingt so wie du bist. (Mozart? Hat der nicht auch gelitten?) Aber zieh dir das T-Shirt ruhig öfter an.

Ich behaupte ebenso dreist, auch Du bist ein Fall, der bei Sachen, die - sagen wir mal - 'n bisschen ueber die Schmiergrenze haengen, Probleme hat, zu sich und anderen zu sagen: Na und? Ich mag das hier jetzt aber.

Hast mich ertappt. Ich brauch ja auch immer einen ... beinah hätt ich gesagt "Pferdeflüsterer", der mir die Betriebsblindheit nimmt.

(Barolo? Ich muss leider Wiese mähen...)

 

Schöne Grüße,

Petra

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Hallo zusammen,

 

ein schönes Beispiel für "Kill your darlings" kann man immer wieder in meinen Texten finden- wenn ich sie zu diesem Punkt rausgeben würde.

 

Ich habe eine befremdliche Leidenschaft ausführliche Sexszenen zu schreiben, als wenn Sex bei mir vorkommt, das breit auszuwälzen und aufzuschreiben, durchaus auch pornographisch- ich bin sozusagen Literaturpornograph. Weil ich da immer einen guten Einblick in die Beziehung der Figuren bekomme, Umgang mit dem eigenen Körper,...

Aber das gehört nicht in die Texte, weil die Anatomie des Menschen den meisten Leuten sowieso klar ist. Und Pornographie schrecklich langweilig ist.

Eine weitere Leidenschaft, die ich mit gnadenlosem Streichen aus den Texten vertreibe, ist mein Hang bestimmte Gedanken auszuschreiben und dann mit einem Satz zusammenzufassen. Wunderbare Sätze- aber ich habe die Leidenschaft es viel zu oft zu machen. Da muss ich dann immer noch mal ran.

Oder die andere Leidenschaft immer zwei Handlungsstränge mehr als nötig zu verwenden, die dann auch immer wieder zu Streichungen führt. Oder das eine Nebenhandlung die Haupthandlung kapert.... grmh.

 

Oder noch etwas, wo meine Babies ins Schreibnirvana müssen. Der Hang zum Pathos. Meine Figuren müssen ja immer Leiden. Aber ich habe den Hang dann das Leid immer größer werden zu lassen, den Humor zu vergessen und es gnadenlos zu übertreiben, mit dem Leid. Und auch hier streiche ich ein wenig Leid, manchmal sogar etwas mehr Leid. füge Humor und Glück dazu und töte einige der Darlings.

Und es gibt noch viel mehr....

 

Oder um es anders zu sagen: Meine zu tötenden Babies sind fast immer Dinge, wo ich Sachen, die ich kann, übertreibe, zu viel mache, oder einfach seltsame Neigungen ausschreibe, die nicht in den Text reingehören- vielleicht aber zu meiner Arbeit mit dem Text gehören.

 

Gruss

 

Thomas

"Als meine Augen alles // gesehen hatten // kehrten sie zurück // zur weißen Chrysantheme". Matsuo Basho

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Lieber Thomas,

 

nur eine kurze Zwischenfrage von mir:

 

ist das, was Du da aus Deiner "Werkstatt" berichtest, nicht eher die ganz normale "alltägliche" Arbeit an einem Text, die für jeden, der mit wachen Augen schreibt, ganz selbstverständlich dazu gehört?

 

Ob ich da irgendwelche Babys oder Darlings kille - was soll's?

Und wozu brauche ich da einen so komischen "fachlichen" Ausdruck?

 

Die Geschichte muß stimmen, die Personen müssen "echt" sein - und selbst wenn sie ständig von einem Bett ins andere hüpfen, heißt das noch lange nicht, daß solche Szenen "darlings" sind, die man dringend streichen muß.

 

Leute, vertraut doch Euren Geschichten, Euren Menschen - und nicht irgendwelchen griffigen Parolen.

 

Gruß

Jan

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(Peter_Dobrovka)

ist das, was Du da aus Deiner "Werkstatt" berichtest, nicht eher die ganz normale "alltägliche" Arbeit an einem Text, die für jeden, der mit wachen Augen schreibt, ganz selbstverständlich dazu gehört?

 

Ob ich da irgendwelche Babys oder Darlings kille - was soll's?

Und wozu brauche ich da einen so komischen "fachlichen" Ausdruck?

Damit man eine Überschrift fürs Thema hat ;D

 

Die Geschichte muß stimmen, die Personen müssen "echt" sein - und selbst wenn sie ständig von einem Bett ins andere hüpfen, heißt das noch lange nicht, daß solche Szenen "darlings" sind, die man dringend streichen muß.

Nein, aber das wurde inzwischen, denke ich, ausreichend erklärt, was gemeint ist.

 

Leute, vertraut doch Euren Geschichten, Euren Menschen - und nicht irgendwelchen griffigen Parolen.

Bei nicht allen Autoren, Jan, kommt bei Beachtung deiner Maxime Gutes heraus.

 

Ich halte es schon für sehr wichtig, dem noch nicht so erfahrenen Autoren klarzumachen, daß er seine Chance auf dem Buchmarkt beträchtlich erhöht und bessere Romane schreibt, wenn er die Fähigkeit besitzt, Dinge, die ihm persönlich lieb und teuer sind, aus dem Roman zu streichen, sobald er erkannt hat, daß es notwendig ist. Es hapert hier gleich in 2 Etagen:

a) dem Erkennen, daß es notwendig ist. Das ist oft nur ein unbewußtes Unwohlsein, daß irgendwas nicht stimmig ist. Die Möglichkeit, daß gerade ein liebgewonnener Charakter oder eine liebgewonnene Szene der Störfaktor ist, wird ausgeblendet, weil da diese Dinge für den Autor den Kern seines Buches bilden. Die Seele. Und von dieser Einstellung sich zu lösen, ist sehr schwer.

b) selbst wenn man erkannt hat, daß etwas, das man nur sehr ungern streicht, der Störfaktor im Roman ist, wehrt man sich noch oft mit Händen und Füßen dagegen, es rauszuwerfen bzw. zu ändern. Man versucht dann oft, lieber den ganzen Rest des Buches anzupassen und umzuschreiben, fügt Dialoge und Monologe ein, um den Störfaktor zu plausibilisieren. Hier kann es helfen, wenn man von anderen Autoren erfährt, daß diese auch solche Gewissenkonflikte hatten und sich zum Schluß gegen den eigenen Wunsch aber für die Leserschaft entchieden haben.

 

Peter

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Die Möglichkeit' date=' daß gerade ein liebgewonnener Charakter oder eine liebgewonnene Szene der Störfaktor ist, wird ausgeblendet, weil da diese Dinge für den Autor den Kern seines Buches bilden. Die Seele. Und von dieser Einstellung sich zu lösen, ist sehr schwer.[/quote']

Hallo Peter!

Hier muss ich nachhaken. Das verstehe ich wirklich nicht. Wie kann etwas, was für mich als Autor den Kern meines Buches bildet, ein Störfaktor sein? Was bleibt von meinem Roman übrig, wenn ich seinen Kern streiche?

Ratlose Grüße

Maaja

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(Peter_Dobrovka)

Hallo Peter!

Hier muss ich nachhaken. Das verstehe ich wirklich nicht. Wie kann etwas, was für mich als Autor den Kern meines Buches bildet, ein Störfaktor sein? Was bleibt von meinem Roman übrig, wenn ich seinen Kern streiche?

Ratlose Grüße

Maaja

Das hat Marco in Antwort #7 bereits wunderbar erläutert.

 

Peter

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Die Möglichkeit, daß gerade ein liebgewonnener Charakter oder eine liebgewonnene Szene der Störfaktor ist, wird ausgeblendet, weil da diese Dinge für den Autor den Kern seines Buches bilden. Die Seele. Und von dieser Einstellung sich zu lösen, ist sehr schwer.

b) selbst wenn man erkannt hat, daß etwas, das man nur sehr ungern streicht, der Störfaktor im Roman ist, wehrt man sich noch oft mit Händen und Füßen dagegen, es rauszuwerfen bzw. zu ändern. Man versucht dann oft, lieber den ganzen Rest des Buches anzupassen und umzuschreiben, fügt Dialoge und Monologe ein, um den Störfaktor zu plausibilisieren. Hier kann es helfen, wenn man von anderen Autoren erfährt, daß diese auch solche Gewissenkonflikte hatten und sich zum Schluß gegen den eigenen Wunsch aber für die Leserschaft entchieden haben.

 

Ich glaube, daß ist wirklich ganz wichtig und entscheidend. Dieses diffuse Unwohlsein, das man nicht richtig wahrhaben will, wo man sich den eigenen Text dann "schöndenkt". Frey hat da einen wunderschönen Satz in seinem Büchlein (den ich nicht mehr zusammenkriege, aber sinngemäß): Wenn etwa nicht richtig aussieht und sich nicht richtig anfühlt, dann ist es auch nicht richtig, ändern sie es.

Man spart sich da wirklich viel Zeit, solche Sachen gleich anzugehen und sich die Hände schmutzig zu machen, anstatt beide Augen zuzudrücken und noch durch drei Überarbeitungsvorgänge mitzuschleppen. Gilt jetzt nicht nur für Kill your Darlings, sondern für fast jeden Aspekt eines Textes, dieses "Naja, so richtig stimmt es irgendwie nicht, aber passt schon"-Gefühl.

"Das Unterbewußtsein ist dein Freund beim schreiben," sollte man sich auf T-Shirts drucken lassen.

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Hier muss ich nachhaken. Das verstehe ich wirklich nicht. Wie kann etwas' date=' was für mich als Autor den Kern meines Buches bildet, ein Störfaktor sein? Was bleibt von meinem Roman übrig, wenn ich seinen Kern streiche?[/quote']

Dem kann ich mich nur von ganzem Herzen anschließen. Wenn mir jemand raten würde, den Charakter oder die Szenen zu streiche, die für mich den Kern der Geschichte ausmachen, wäre der einzig mögliche Schluss, dass der Roman missraten ist. Oder der Lektor nicht zu meiner Zielgruppe gehört. Auf jeden Fall ist dann etwas, das für mich wesentlich ist, auf der Gegenseite als "Beiwerk" angekommen, und das wäre ein fettes Problem, nichts, das sich mit ein bisschen Streichen lösen lässt.

 

Was Marco beschrieben hat, ist etwas anderes, finde ich. Da war die fragliche Szene der Ausgangspunkt, der "Zündfunke", aber nicht der Kern.

 

Schöne Grüße

 

Barbara

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Damit man eine Überschrift fürs Thema hat  

 

Ähm ja, und auf die hat Jan ja auch autenthisch geantwortet.

 

Dass sich so eine "Formula rasa" mal wieder nicht auf alle anwenden läßt, ist doch klar.

 

Und übrigens, Thomas, gute Sexszenen sind nicht langweilig, sondern können (achtung ein Zitat meines Lit-profs) "... durchaus als Gesamtmetapher für die Nähe von Menschen verstanden werden"

 

Maaja, ich glaube, um den Kern geht es nicht. Es ist wohl gemeint, das was Dir so arg, arg, arg am Herzen liegt zu streichen und ich nehme mal an, das soll "ursprünglich" dazu  dienen, Schwulst und Pathos und anderes Gedöns aus dem Buch zu kriegen. Wenn Du Deine Helden sehr liebst, beschreibst du vielleicht einmal zu oft das wallende Haar oder die jungen "Lenden" ;-)

 

Charlie, ich persönlich zweifle lieber im stillen Kämmerlein, denn mir ist beigebracht worden, andere möglichst nicht zu belasten. Es sei denn ich brauche zwingend  Hilfe und es geht gar nicht mehr aus eigener Kraft. Meistens tut es das aber durchaus. Bei Zweifeln wache ich meistens auf, habe eine Idee und weiß dann wie es weitergeht.

 

Mir gehen Stehaufmännchen eigentlich nicht auf den Wecker, wenn jemand sich selbst runterzieht, tut es mir entweder sehr leid, weil er sich nur selber fertigmacht. Kommt ganz darauf an, wie ich den Menschen sonst kennengelernt habe. Hat aber auch eine humoristische Komponente, vor allem wenn derjenige weiß, dass ich trotzdem was motivatorisches sage :)

 

Sorry, ist jetzt ein bischen durcheinander, ich fliege hier immer nur kurz ein.

 

Deshalb bye

 

Anja

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