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AlexandraB

Pseudonym - wer steckt dahinter? Ist Geheimhaltung möglich/sinnvoll?

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Hallo!

 

Bei manchen Genres (Fantasy, Liebesromane etc.) verwenden die meisten AutorInnen - no na net - Pseudonyme. Im Internet findet man auf den Homepages etc. aber dann häufig den Verweis auf den Realname, d.h., die Schreibenden gehen sehr offen mit ihrem Alter Ego um.

 

Ist es überhaupt möglich, sein Pseudonym strikt geheim zu halten? Z.B. muss ja im Literaturagentenvertrag bzw. Verlagsvertrag der richtige Name (mit) aufscheinen bzw. die Steuernummer.

 

Welche Möglichkeiten gäbe es, die reale Person geheim zu halten? Oder sich abzusichern, dass vom Verlag/der Literaturagentur keiner was verrät?

Propaganda. Reclam 100 Seiten.

 

www.alexandrableyer.at

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Hallo Alexandra,

 

meist steht in den Verträgen drin, dass der Verlag sich zur absoluten Diskretion verpflichtet und auf die Herausgabe des bürgerlichen Namens an Dritte verzichtet.

 

Es kommt immer darauf an, ob ein geschlossenes oder offenes Pseudonym gewählt wurde.

 

So ganz garantieren, dass nie etwas herauskommt, hm, das sollte möglich sein. Kann aber immer mal schiefgehen, denke ich.

 

Brunhilde

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Liebe Alexandra,

 

sein geschlossenes Pseudonym geheim zu halten, ist genauso schwer oder leicht, wie sein tatsächliches Gehalt unter Verschluss zu halten. Es ist vertraglich geregelt, theoretisch, aber in der Praxis passieren dann doch manchmal kleine oder größere "Missgeschicke". Allerdings würde ich Verlage und Literaturagenturen da außen vorlassen, da es ja in deren ureigenstem Interesse läge, ein geschlossenes Pseudonym auch genauso und sehr professionell zu nutzen. Die würden sich ja ins eigene Knie schießen.

 

Bei offenen Pseudonymen ist die Lage völlig anders. Da geht es nicht um Geheimhaltung, sondern nur um "Sortierung". ;D

 

VG, Dorit

 

PS: Alter Ego und Pseudonym gleichzusetzen, finde ich übrigens etwas gewagt.

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Es gibt Gründe, weshalb man ein Pseudonym wählt. Ein geschlossenes nimmt man, wenn eine Person etwas aufdeckt (z.B. Interna aus einer Firma o.ä.) und die Geheimhaltung des Namens quasi lebenswichtig ist. Wenn man eine zwar fiktive, aber realen Vorbildern entlehnte Story schreibt, kann das auch schützen.

 

Ansonsten wählt man ein Pseudonym, wenn der Autor / die Autorin bereits genrebestimmt schreibt und der Verlag sich scheut, eine Thrillerautorin und deren Namen für eine Liebesromanze zu nutzen.

 

Ich selbst habe zwei Bücher unter den Pseudonymen meiner Töchter veröffentlicht, da wir hier dem Alter der Zielgruppe gerecht werden wollten. Was wir vorher nicht so recht ahnten ... auf einmal schreiben diverse Fans Mails an die beiden, die eigentlich außer der von ihnen erlebten Story nichts damit zu tun haben! Auf Facebook findet man sie auch recht leicht, und so wird es langsam (erfreulich!) lästig. Selbst eine eigene Website, die ich eingerichtet habe, hilft nicht viel, weil die Jugendlichen eben über Facebook gehen und natürlich auch persönlichen Kontakt aufbauen möchten. Tja.

 

Und noch einen Nachteil bei Verwendung von Pseudonymen gibt es: Du kannst nicht lesen!! Gar nicht so einfach, wenn man unter Pseudonym Egon Müller veröffentlicht hat, und dann erscheint Fritz Meier!

 

Ich hab das Problem derart gelöst, dass ich Lübbe gebeten habe, im redaktionellen Teil des Buches vorne den Vermerk einzubauen, dass ich die literarische Umsetzung gemacht hab. Aber wer liest schon das Kleingedruckte ...

 

Also, du siehst, Pseudonyme entwickeln manchmal ein Eigenleben. Und wenn sie dann noch bekannter werden als das Original ... ;-) und spätestens dann wird es schwer, das geheim zu halten!

 

Liebe Grüße

 

Micha

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Hallo Micha,

 

was sagen denn deine Töchter? Ich meine, einerseits ist es ja erfreulich, dass deine Bücher eine immer größer werdende Fangemeinde haben, aber andererseits stelle ich mir das für die beiden auch schwierig vor.

 

Nur was du zum Thema "Lesungen" sagst, verstehe ich nicht so ganz. Ich habe unter Pseudonym veröffentlicht und mache Lesungen, wo ich selbstverständlich unter diesem Pseudonym auftrete. Was soll da nicht gehen? Ich bin ja keine stadtbekannte Promi, dass alle mein Gesicht kennen. Und selbst wenn Leute im Publikum sind, die mich kennen, es ist doch schnell erklärt, was es mit dem Pseudonym auf sich hat. Und bisher gab es da keine Schwierigkeiten. Nicht mal Fragen. Vermutlich, weil die Leser das Buch mehr interessiert?

Also, alle Autoren mit Pseudonym, keine falsche Zurückhaltung. Alles geht. :s17

 

VG, Dorit

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Hi Dorit,

 

na, stell dir mal vor, ich alter Sack komme als Sandy oder Gina an! Da passt das mit dem Pseudonym wirklich nicht. Meist wird das schon gehen, Lesungen unter Pseudonym abzuhalten, aber bisweilen treten da sicher auch Probleme auf.

 

Tja, meine Töchter haben ein echtes Problem bekommen, denn viele Menschen stellen nicht nur nette Fragen, sondern sind recht aufdringlich, wollen sie unbedingt in Australien besuchen oder erwarten, dass die beiden ihnen Jobs besorgen, usw.

 

Ich weiß auch nicht recht, was man tun soll außer gar nicht zu antworten. Das wiederum wollen wir auch nicht, denn die Begeisterung der jungen Leute ist echt.

 

Eines allerdings würde die Sache enorm verschlimmern: Wenn das Buch verfilmt wird - und Gespräche laufen gerade - dann ... oh je! Und es geht ja jetzt noch weiter mit dem USA-Band. Das hatten wir uns nicht so vorgestellt, aber ;-) wenn ich ehrlich bin, freu ich mich natürlich auch riesig!

 

Liebe Grüße

 

Micha

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Hi Dorit,

 

na, stell dir mal vor, ich alter Sack komme als Sandy oder Gina an! Da passt das mit dem Pseudonym wirklich nicht. Meist wird das schon gehen, Lesungen unter Pseudonym abzuhalten, aber bisweilen treten da sicher auch Probleme auf.

 

 

Micha

 

Ich bin auch mal gespannt, ob ich jemals Lesungen als Laurent Bach halten werde und als Frau die schwule Zielleserschaft mit entsprechenden Geschichten beglücke.

Wahrscheinlich eher nicht. Oder erst, wenn es so gut läuft, dass ich Band 2 und 3 verkaufen kann.

 

Brunhilde

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Na, dann würde ich sagen, genieße erstmal den Erfolg und für alles andere wird sich eine Lösung finden.

Natürlich ist es einfacher, wenn hinter dem Pseudonym nicht sogar ein anderes Geschlecht steckt. Das war in meinem Falle nicht nötig und wie gesagt, da ich es von Anfang an offen gehändelt habe, gab es da bisher noch keine Sorgen.

 

Wenn es echte Fanmails sind, die Begeisterung ausdrücken, die kann man ja beantworten. Aber andere Dinge, wie Betteln usw., die würde ich konsequent ignorieren. Das hat dann m.E. nichts mit Begeisterung zu tun.

 

Kannst du dich bezüglich der Verfilmung und der Lizenzen nicht mit Verlag und Agentur beraten?

 

VG, Dorit

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Gerade mit den Lesungen denke ich mir auch: So, wie es idealerweise laufen sollte, läuft es halt meistens nicht und schon gar nicht, wenn man noch recht neu im Geschäft ist. Es stellen sich ja viele vor, dass der Verlag organisiert, man geht halt hin, die Zuhörerreihen sind von Zauberhand gefüllt (wodurch auch immer, Verlags- oder Veranstalterengagement). Man kann da durchaus davon "abhängig" sein, selbst einen Teil des Publikums anzuschleppen. Und das klappt auch normalerweise nicht über Forenposts u.ä. (bei mir kommen nur sehr selten Leute aus Foren und fast immer sind das dann Leute, mit denen man über Jahre zu tun hatte und die man schon auf einer anderen Veranstaltung getroffen hat, aber ein Forenbeitrag = soundsoviel Gäste, spielt es einfach nicht), sondern man fragt aber erst einmal im Bekanntenkreis rum. Ich selbst habe nie den Rundumschlag in der Verwandtschaft gemacht, aber so eine Lesung wird sehr leicht von den Zuhörerzahlen so was von erbärmlich. Und schon 2-5 Gäste aus dem Bekanntenkreis können einen rausreißen, damit es z.B. bei Nachberichten mit Fotos halbwegs wirkt. Außerdem sind gerade regionale Lesungen in dörflicher Umgebung oft ein Erfolg - mitunter ein größerer als in der nächsten Großstadt - einerseits wegen weniger Konkurrenz, andererseits auch, weil die Leute neugierig sind, was die Nachbarn machen und wenn sie einen schon nicht kennen, dann meistens zumindest die Eltern.

 

Aber: Wer seinen Namen geheimhalten will, muss darauf verzichten. Ansonsten geht es natürlich mit dem "offenen Pseudonym" auch.

 

Wenn jemand ein anderes Geschlecht im Pseudonym suggeriert, stelle ich mir das auch schwierig vor. Ich hatte da allein schon Irritationen, wenn ich eine Geschichte mal aus Sicht eines Mannes erzählt habe - überhaupt bei Lesungen. Was ich nicht verstehe, denn dass ich kein Raumfahrer bin und auch nicht gegen außerirdische Rieseninsekten kämpfe (und jemand, der so meine Art hat, das selbst in einer Welt, wo es so was gibt, nicht tun würde), versteht sich von selbst. Also müsste eigentlich auch klar sein, dass der Protagonist nichts mit mir zu tun hat. Aber trotzdem: Wenn man als Frau eine Geschichte in der Ich-Form schreibt, dann entzieht es sich offenbar der Vorstellungskraft, dass der Erzähler möglicherweise ein anderes Geschlecht haben könnte. Was ist dann erst los, wenn ein Autor ein weibliches, eine Autorin ein männliches Pseudonym gewählt hat? - Dann kommen die Leute ja gar nicht mehr aus der Verwirrung raus.

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Hat das schon mal jemand gemacht?

Ich würde mich über Tipps freuen.

 

In meinem Fall ist es dem Verlag ganz recht, dass ich als weiblicher Autor auf dem platten Land für schwule Literatur eintrete. Das könnte nur Neugier und damit Aufklärung bringen, was selbst in unseren Zeiten noch ein Verdienst wäre, so der Tenor.

Ich lass das auf mich zukommen. Wird wahrscheinlich halb so wild.

 

Viele Grüße

Brunhilde

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Hat das schon mal jemand gemacht?

Ich würde mich über Tipps freuen.

 

 

Ich habe ein geschlechtsneutrales Pseudonym gewählt (Vorname Initialen) - das finde ich eine schöne, alte Tradition im Fantasy-Genre ;-) Außerdem gibt es bei den männlichen Lesern des Genres eine diffuse Erwartungshaltung gegenüber weiblichen Autoren: Da wird gern viel Magie und Romantik vermutet und das alles aufgehangen an einer weiblichen Protagonistin. All das findet in meinem Buch nicht statt, im Gegenteil. Neutraler Autor ist also im Grunde fair, denn das Buch hat keine auch nur annähernd auf (spezielle, vermutete) weibliche oder männliche Leserinteressen gerichtete Thematik.

 

Da das Buch noch nicht erschienen ist, ich also noch keine Lesungen oder ähnliches gemacht habe, kann ich aber keine Tipps geben oder Erfahrungen teilen.

 

Mir als Leser ist die Person des Autors immer relativ unwichtig gewesen, könnten alles kleine Pynchons sein. Der Name ist für mich nur Orientierungshilfe um ggf. weiteren Lesestoff vom selben Autor zu finden.

Inzwischen habe ich aber gelernt, dass "die Leute" doch ganz gern wissen, wer dahintersteckt - und wenn sie's nicht wissen, dann basteln sie sich was zusammen aus den wenigen Schnipseln, die man zur Verfügung stellt. Der Hörbuchverlag beispielsweise hat aus mir einen "Er" in der Vorschau gemacht. Und das obwohl ich telefonisch Kontakt hatte (und zwar nicht mit verstellter Stimme!) und die Infos meines Verlags eben geschlechtsneutral waren. Woanders bin ich aber tatsächlich eine "Sie".

 

Wir werden sehen was gescheiht, wenn ich mein Gesicht irgendwann doch herzeige. Bisschen Verwirrung finde ich erst einmal amüsant - denn gelogen habe nirgendwo. Bisher finden sämtliche Geschlechtsumwandlungen nur in den Köpfen anderer statt.

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Auch wenn der Thread schon etas älter ist, habe ich noch einen wichtigen Tipp.

 

Es gibt die Möglichkeit, ein Pseudonym als Künstlernamen in den Personalausweis eintragen zu lassen. Das berechtigt einen, rechtsverbindliche Vereinbarungen (Verträge etc.) NUR mit dem Pseudonym zu tätigen. D. h. ich kann mich bei einem Verlag ausschließlich mit dem Pseudonym einführen und auch alle Verträge etc. ausschließlich mit diesem Namen unterzeichen. Die einzigen, die von der Doppelidentität erfahren (sofern sie es nicht schon vorher wissen oder ich mich verplappere) sind das Einwohnermeldeamt und - das Finanzamt, an das diese Info weitergegebe wird (sonst wäre Steuerhinterziehung per Pseudonym ja ein Kinderspiel).

 

Bei Lesungen kann ich dann unter meinem Realnamen auftreten und sagen, dass ich (vom Verlag oder dem "Autor") gebeten wurde, aus dem Pseudonymwerk zu lesen. Kommt auf die Situation an. Wenn auch der Verlag nicht den Realnamen kennen soll, geht das nur, wenn kein Verlagsmensch mich je gesehen hat und entdeckt, dass mein Gesicht so aussieht wie das auf meiner Realnamen-Homepage. ;) Oder man teilt dem Verlag mit, dass "Pseudonym" grundsätzlich keine Lesungen hält, womit dann alle Lesungen ausfallen.

 

Ist und bleibt immer mit einem Risiko der unfreiwilligen Entdeckung verbunden. Aber wenn man nicht partout aus dem Pseudonym-Text lesen will/muss, ist das eingetragene Pseudonym der sicherste, weil legale Weg.

 

Zum Thema männliches Pseudonym für real weibliche Autorin:

Es gibt genug Vornamen, die für beide Geschlechter identisch sind (wenn auch nicht unbedingt im Deutschen), besonders bei Kurz- und Koseformen: Robin, Rowan, Adriel, Akira, Tomoko, Sharon, Mischa, Sascha, Mick(e)y, Chris, Sam, Kim, Kai, Regan ...

Und notfalls tut es ein Einzelname ohne Vor- oder Nachnamen, bei dem man nicht weiß, ob es Mann oder Frau ist.

 

Nebenbei gibt es das auch umgekehrt. Ich kenne einige männliche Liebes(heft)romanautoren, die unter einem weiblichen Pseudonym schreiben.

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