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(Olga)

Seide von Alessandro Baricco

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„Ich wollte eine Geschichte schreiben wie weiße Musik, eine Geschichte, die klingt wie die Stille“, sagt Alessandro Baricco über seinen Roman „Seide“. Und ich muss sagen, dass es ihm wunderbar gelungen ist. Dieser Roman ist tatsächlich wie Musik mit einem ganz eigenen Rhythmus. Nur wer in diesen Rhythmus findet und ihn auch mag, kann dieses Buch genießen.

Auf den ersten Blick ist es eine Geschichte über die Liebe. Ein Mann bricht in den fernen Osten auf, um Seidenraupen zu kaufen und die Branche vor dem Niedergang zu retten:

 

Hervé Joncour legte eine Zigarette auf die Tischkante und sagte: „Und wo genau soll dieses Japan liegen?“

Baldabiou hob die Spitze seines Spazierstocks und wies damit über die Dächer von Saint-August.

„Immer geradeaus.“

Sagte er.

„Am Ende der Welt.“

(S. 19, „Seide“, Alessandro Baricco, die HC-Ausgabe des Piper-Verlags)

 

 

Dort, am Ende der Welt, begegnet Hervé Joncour einer Frau, die jedoch einem anderen gehört. Ein Blick, ein paar vorsichtige Gesten – das ist alles, was er sich aus der Beziehung erhoffen kann. Nicht einmal ihre Stimme zu hören, wird ihm vergönnt. Doch fortan lebt er nur noch für seine Japan-Reisen. Dies ist eine Geschichte von einer ganz besonderen Liebe und Leidenschaft, wunderbar zart und klug erzählt.

Doch wer „Seide“ liest, wird schnell merken, dass es um sehr viel mehr geht, als nur um Liebe. Die kurzen Kapitel – viele gerade einmal eine Seite lang – und die schöne Sprache verleiten den Leser dazu, das 130-Seiten-lange Buch sehr schnell zu lesen. Es beinahe zu verschlingen. Doch die Musik in den Sätzen lehrt einen, sich für die Geschichte Zeit zu nehmen, sie auf sich wirken zu lassen, sie mit allen Sinnen in sich aufzunehmen. Ist es nicht eine schöne Gegenüberstellung der europäischen und asiatischen Kultur: Wir, mit unserer Eile auf der einen Seite und dieses japanische Flair, das Geduld lehrt, auf der anderen?

Der Roman überzeugt auch durch seinen intelligenten Humor und Ironie. Fast jeder letzter Satz im Kapitel ist wie ein Augenzwinkern.

 

Fazit: „Seide“ ist ein Roman, der begeistert, den man nicht zwischen Tür und Angel lesen kann, mit dem man sich am liebsten in einen Steingarten, in die Natur begeben möchte. Es ist ein Roman, der die Seele in Einklang bringt, der in einem noch sehr lange nachhallt. Ein Meisterwerk zum Immer-Wieder-Lesen.

 

 

P.S. Ein interessantes Phänomen: Liest man ein Buch, das einen enttäuscht, sagt man sich vielleicht: "Nie wieder von diesem Autor." Doch wenn ich einen Roman lese, der mich restlos begeistert, so habe ich manchmal Angst, weitere Bücher des Autors anzufassen: Was, wenn er mich enttäuscht und mir damit dieses schöne Gefühl verdirbt? So geht es mir mit Alessandro Baricco. Ich traue mich nicht, seine anderen Romane zu lesen.

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Freut mich, wenn meine Rezi dich neugierig machen konnte.

Ich bin ziemlich lange um das Buch geschlichen und es dann zufällig im Bücherschank einer guten Bekannten entdeckt, die mir Roman ausgeliehen hat. Ein paar Seiten habe ich gebraucht, um das mit dem Rhytmus zu kapieren. Aber dann wusste ich sofort - ich muss diesen Roman in meinem Regal haben. Nach dem Urlaub also schnell zu Amazon und das Buch bestellen.

Dann kam es an, ich habe es in die Hände genommen und wieder dieses warme Musik-Gefühl bekommen, das ich beim Lesen hatte. Hach.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Hört sich tatsächlich interessant an: vorgemerkt!

Ich habe kurz nach dem Posting "Novecento" gekauft. Bin gespannt.

 

Ach ja, eine Warnung: Lies auf keinen Fall den ausführlichen Klappentext von "Seide"! (In meiner HC-Ausgabe steht er auf der Innenklappe). Denn das ist kein Klappentext, das ist ein Exposé - da werden dir alle, absolut alle Wendungen der Geschichte vornweg genommen.

Ich hatte Glück gehabt, die ausführlichen Inhaltsangaben erst nach dem Lesen gesehen zu haben.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Ich habe das Buch vor Jahren gelesen, der lyrische Ton hat mir gefallen, weiß ich noch. Und dann hat mich das Gezerre um die Übersetzerin, die man um ihren Anteil an dem Erfolg prellen wollte, ziemlich abgestoßen. So ein Buch zu übersetzen ist etwas Besonderes, das ist wirklich wie bei der Lyrik, das kann nicht jeder. Ich glaube, die Frau hat sich dann rechtlich durchsetzen können, aber ein übler Geschmack ist geblieben, ich glaube, nicht nur bei mir. Schade, das Buch kann ja nichts dafür.

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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