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(Olga)

Handwerk Humor von John Vorhaus

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„Die östliche Philosophie beschreibt Kreativität als „Eimer zum Fluss tragen“. Der Fluss ist immer da, aber manchmal klappt es mit den Eimern nicht so richtig. Neben allem anderen ist dies ein Buch darüber, wie man bessere Eimer herstellt.“ (s. 12, „Handwerk Humor“, John Vorhaus)

 

Kann man bewusst witzig sein? Kann man Humor lernen? Noch vor einiger Zeit hätte ich auf diese Fragen mit einem Nein geantwortet. Es kommt wie es kommt, manchmal fällt einem ein witziger Satz ein, manchmal bleibt er aus. Als ich jedoch in einem Gespräch mit einer Kollegin zum ersten Mal vom Handwerk in Sachen Humor gehört habe, war ich sehr überrascht. Meine Neugier wurde geweckt. Wenn es dieses Handwerk tatsächlich gibt, dann möchte ich es lernen. Im gleichen Zug wurde ich auf den Ratgeber „Handwerk Humor“ von John Vorhaus aufmerksam gemacht. Bereits auf den ersten Seiten schlägt der Autor einen lockeren Ton ein und räumt alle Zwänge aus: „Die erste Regel lautet, es gibt keine Regeln. Betrachten Sie nichts von dem, was ich hier schreibe, als der Wahrheit letzten Schluss.“ Passt der eigene Plot zum Rahmen „Fish out of Water“ und gleichzeitig zu einer anderen Konstellation, dann ist es kein Grund, auf Biegen und Brechen die Geschichte in ein vorgefertigtes Korsett zu zwängen. Man nimmt einfach das Beste aus beiden Lagern.

 

Bereits am Anfang merkt man, dass der Autor gern mit Prämissen arbeitet. Wer – wie ich zum Beispiel - dieses Mittel bis jetzt eher stiefmütterlich behandelt hat, wird lernen, die Prämissen zu schätzen und sie umfangreich und abwechslungsreich zu verwenden. Denn schon bald merkt man, dass der Autor Recht hat. Wer seine Figur oder seinen Plot nicht in einem Satz beschreiben kann, der kennt die Substanz noch nicht gut genug. Im ersten Moment erscheint diese These etwas gewagt: Schließlich sind vielschichtige Figuren mehr, als nur ein Satz. Dabei geht es jedoch um das Zusammenspiel von mehreren Aspekten, die eine Figur charakterisieren können: Bei der Ausarbeitung stellt man die komische Perspektive auf, erarbeitet die innere Perspektive, macht sich Gedanken über die Realität. Ähnliches passiert auch bei den Konflikten der Figur: Wie lauten die Prämissen für einen globalen, lokalen und inneren Konflikt? Was sind die inneren und äußeren Bedürfnisse einer Figur?

 

Wie man merkt, beschäftigt sich John Vorhaus nicht nur mit den Regeln, die einem helfen können, Witze zu reißen, sondern setzt sich sehr ausführlich mit dem Plot und den Charakteren auseinander. Denn eins ist klar: Ein Roman ist mehr, als nur eine Ansammlung von Schenkelklopfern.

 

Daher kann dieses Buch vorbehaltlos auch Autoren empfohlen werden, die ernste Geschichten schreiben wollen. Streicht man das Wort „komisch“, kann man viele Tipps und Anregungen auf  fast jedes Genre anwenden.

 

Im Buch finden viele amerikanische Filme und Serien eine Erwähnung und dienen dabei als Beispiel für die vorgestellten Konstrukte. „Al Bundy“, „Ausgerechnet Alaska!“ und „Tootsie“ mag man vielleicht auch in Deutschland kennen, viele Titel waren mir aber unbekannt, was natürlich etwas schade ist.

 

John Vorhaus zeigt auch einige Regeln, nach denen Witze funktionieren: die Dreierregel, die Vorbereitung der Pointe – leider widmet er diesem Bereich etwas weniger Aufmerksamkeit, als ich mir wünschen würde. Und obwohl die meisten Thesen des Autors den Kern wie die Faust aufs Auge treffen und für viele Aha-Erlebnisse sorgen, wäre ich zumindest bei einer Behauptung als Romanautor etwas vorsichtig. Vorhaus stellt „Spannung vor Logik“ – was für Stand-up-Comedy etc. eventuell funktionieren mag, bei einem Roman jedoch zu Schwierigkeiten führen könnte.

 

Fazit: In einem lockeren Stil erzählt John Vorhaus, wie man Plots entwickelt, komische Figuren zeichnet und diese in lustige Situationen versetzt. Ein empfehlenswerter Ratgeber, nicht nur für Autoren witziger Bücher, und besonders für Einsteiger eine kleine Offenbarung.

 

Und gibt es einen praktischen Nutzen? Ja. Zumindes mir hat das Buch bei einem konkreten Problem sehr geholfen. Darüber HIER (Link ungültig) (Link ungültig) mehr.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Die Regel „Behandeln Sie den Witz als Problem, das gelöst werden muss.“ (im Beispiellink) erinnert mich an einen sehr schönen Monthy-Python-Scetch, in welchem die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg verzweifelt bierernst einen Witz als Wunderwaffe entwickeln will, bei dessen Erzählen über die Frontlinie hinaus der (englische) Feind, sich möglichst totlachend, umfällt.

Wohl nicht nur Parodie auf deutsche Gründlichkeit, sondern wohl auch auf die Idee, man könne Humor konstruieren.

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Wohl nicht nur Parodie auf deutsche Gründlichkeit, sondern wohl auch auf die Idee, man könne Humor konstruieren.

wobei gerade Monthy Python sehr viel und sehr gründlich an ihren Witzen und Sketchen gefeilt haben ...Danke für die schöne Rezension zu einem Buch, das immer noch wichtiges Standardwerk ist

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Hallo Olga,

 

oh, wie schön, das wäre doch was für mich, habe ich am Anfang deiner Kritik gelesen. Komisch zu schreiben, fällt mir unsagbar schwer und ich würde es gern besser beherrschen.

 

Der eine Absatz hat mich dann aber eingebremst:

 

Im Buch finden viele amerikanische Filme und Serien eine Erwähnung und dienen dabei als Beispiel für die vorgestellten Konstrukte. „Al Bundy“' date=' „Ausgerechnet Alaska!“ und „Tootsie“ mag man vielleicht auch in Deutschland kennen, viele Titel waren mir aber unbekannt, was natürlich etwas schade ist.[/quote']

 

Mich erinnert das an die Bücher "Wie man einen verdammt guten ...". Ich habe mittlerweile 4 von denen gelesen und mich hat der Bezug auf die ewigen amerikanischen Filme/Serien am Ende ziemlich genervt. Und wenn ich jetzt auch noch befürchten muss, mit den Humor-Serien gequält zu werden, ist meine Begeisterung ziemlich verflogen. Immerhin reden wir über 16,90 EUR.

 

Hans-Jürgen

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Hallo, Hans-Jürgen,

 

Wie gesagt, ich fand das Buch sehr gut, wobei Vorhaus eher auf den Aufbau eines Romans/Films/Sitcom eingeht, also darüber erzählt, wie man komische Figuren und Situationen entwirft und welche komische Plot-Muster existieren.

Mich hat das einen weiten Schritt nach Vorne gebracht.

 

Selbstverständlich braucht er auch Beispiele, und diese nimmt er aus Serien/Filmen (Es ist kein Buch, das sich ausschließlich an Romanautoren richtet). Am Beispiel von "Ausgerechnet Alaska!" zeigt er zB., dass dieser Plot auf das Muster "Fish out of Water" passt, betont aber, man sollte sich nicht sklavisch daran halten, denn unter einem anderen Blickwinkel kann man das auch anders auslegen. So leuchteten mir seine Thesen noch mehr ein.

 

Es gibt auf jeden Fall viele Erwähnungen von Filmen/Serien, mich hat das nicht gestört. Wenn du darauf eher allergisch reagierst, dann ist dieses Buch vermutlich nichts für dich.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Hallo Olga,

 

vielen Dank für deine Konkretisierung. Ich werde das Buch mal im Hinterkopf behalten. Vielleicht kann ich irgendwo mal reinschnuppern und dann selbst entscheiden, ob es was für mich ist.

 

Hans-Jürgen

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