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Die Kunst des Erzählens (James Wood)

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Das ist das Problem, wenn man eine Definition zu weit ausweitet. Dann trifft sie irgendwann auf alles zu und verliert damit ihre Schärfe.

Aber das, was Wood meint, ist doch relativ scharf. Sein Vergleich, den er mit dem Wort "lächerlich" anstellt, leuchtet mir ein. Wenn man das Ganze aus diesem Blickwinkel sieht, kann man tatsächlich unterscheiden, ob das Wort der Figur oder dem Autor gehört.

Wenn man also tiefer geht, könnte man sich mehr Gedanken darüber machen, wer wann und warum erzählt: die Figur oder der Autor, und wie sich dadurch die Wahrnehmung des Romans verändert.

 

Was ich mich allerdings frage, ist, wie vielen Lesern diese Unterschiede bewusst oder unbewusst auffallen.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Hallo!

 

Ich habe gerade erst angefangen, das Buch zu lesen, darum kann ich zu eurer Kritik am zweiten Teil noch gar nichts sagen. Das hier finde ich aber auch etwas schwierig:

 

Meiner Meinung nach ist das Hauptproblem an Wood's Buch tatsächlich der Umgang mit Begrifflichkeiten und Definitionen. Das ist zum Teil alles ein bisschen larifari' date=' was er hier anstellt[/quote']

Ehrenhalber sollte man aber ergänzen, dass er zumindest bei der "erlebten Rede" am Anfang recht genau erklärt, was er damit meint. Nämlich alle Passagen, in denen die Stimme des Erzählers Elemente aus dem Denken, dem Wortschatz oder der Weltsicht der handelnden Figur aufgreift. Wood sagt selbst, dass Schriftsteller das oft als "nahes" Erzählen bezeichnen ("close 3. person" im Englischen).

 

Im Original nennt Woods dieses Stilmittel "free indirect style". Ob es im Englischen üblich ist, diesen Begriff so weit auszulegen, wie Wood es tut, kann ich nicht beurteilen. Für meine Ohren klingt der Begriff auf jeden Fall deutlich freier als das Deutsche "erlebte Rede", das sich ja ganz explizit auf die Wiedergabe von "Rede" bezieht, also von Gedachtem oder Gesprochenem. In vielen vielen Beispielen, die Wood anführt, wird aber gar nicht gedacht. Sondern da greift der Erzähler Wörter auf, die die Figur verwendet würde, wenn sie reden oder denken würde.

 

Von diesem Punkt mal abgesehen, finde ich das Buch bisher aber sehr interessant und auch unterhaltsam zu lesen. Auf den zweiten teil bin ich natürlich gespannt!

 

Herzliche Grüße

 

Barbara

 

PS: Dass Wood inneren Monolog auch unter "free indirekt style" rechnet, ist mir noch nicht begegnet - nur dass "free indirect style" dicht an "Bewusstseinsstrom" herankommen kann und sich auch oft in diese Richtung bewegt. Aber vielleicht kommt das noch. Wundern würde es mich nicht, so locker, wie er mit dem Begriff umgeht.

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Im Original nennt Woods dieses Stilmittel "free indirect style". Ob es im Englischen üblich ist, diesen Begriff so weit auszulegen, wie Wood es tut, kann ich nicht beurteilen. Für meine Ohren klingt der Begriff auf jeden Fall deutlich freier als das Deutsche "erlebte Rede", das sich ja ganz explizit auf die Wiedergabe von "Rede" bezieht, also von Gedachtem oder Gesprochenem. In vielen vielen Beispielen, die Wood anführt, wird aber gar nicht gedacht.
Ja, das was Wood mit "free indirect style" meint, hat mit dem, was man mit erlebter Rede assoziert nur teilweise zu tun, sondern ich habe es anhand seiner Beispiele so empfunden, dass er personales Erzählen, sehr dicht aus dem Kopf der Figur meint. Also genau das, was du sagst:

 

Sondern da greift der Erzähler Wörter auf, die die Figur verwendet würde, wenn sie reden oder denken würde.

 

herzliche Grüße

 

Hans Peter

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Ich sehe gerade, dass ich zum zweiten Teil nichts gesagt habe. Also: Im Gegensatz zu Hans Peter fand ich auch den zweiten Teil sehr gelungen (oder anders ausgedrückt: nicht schlechter als den Anfang). Meiner Meinung nach ging er mit der Unterhaltungsliteratur respektvoll um. Das, was er in seiner Kritik sagt, ist auch mein großer Wunsch: Dass es mehr Bücher in diesem Bereich gibt, die eben etwas "mehr" bieten.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Mir geht es wie dir, Olga. Ich fand das Buch bis zum Ende gut. Sicher werden manche Themen nur gestreift - aber es ist ja auch kein Fachbuch über Erzähltheorie, sondern eher ein Essay. Dass Wood sich vor allem für E-Literatur interessiert, sehe ich auch nicht als Schwäche, schließlich geht es ihm vor allem um Fragen der Form. Und da hat er schon einen sehr scharfen Blick, finde ich.

 

Besonders spannend fand ich seine Überlegung zur Figurengestaltung - ob "runde" Charaktere wirklich notwendig "besser" sind als "flache" und woran es sonst liegt, dass manche Figuren so großen Eindruck machen. Und die Fragen, die er unter dem Stichwort "Realismus" aufwirft, finde ich ebenfalls richtig richtig klug. Da gäbe es viel zu diskutieren.

 

Kurz und gut: Ich fand das Buch sehr lesenswert, und dass Wood den Begriff "erlebte Rede" bzw. "free indirect style" etwas weiter fasst ist, als mir sinnvoll vorkommt, fällt für mich letztlich nicht sehr ins Gewicht.

 

Schöne Grüße

 

Barbara

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Sicher werden manche Themen nur gestreift - aber es ist ja auch kein Fachbuch über Erzähltheorie' date=' sondern eher ein Essay. [/quote']

Ja, das ist auch mein Eindruck. Wer das Buch wie einen Schreibratgeber liest, wird sicherlich sehr enttäuscht, denn für einen Schreibartgeber sind seine Aussagen nicht griffig genug. Viel eher sind das interessante Gedanken eines - mMn klugen - Mannes zum Thema Literatur. Einige seiner Thesen fand ich wirklich sehr innovativ für einen Literaturkritiker, er hat mich durchaus überrascht.

 

@Barbara

Würdest du sagen, dass das Buch dich in deiner Entwicklung als Autor weitergebracht hat? Und wenn ja, an welchen Punkten?

 

Liebe Grüße,

Olga

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Wer das Buch wie einen Schreibratgeber liest' date=' wird sicherlich sehr enttäuscht, denn für einen Schreibartgeber sind seine Aussagen nicht griffig genug.[/quote']

Da stimme ich dir ganz und gar zu, Olga. Wood interessiert sich ja auch gar nicht für die Probleme von Schreibanfängern. Überhaupt finde ich sein Buch erfrischend unbelehrend. Es liefert reichlich Stoff zum Nachdenken (und einige Lese-Anregungen), aber keine Rezepte.

 

@Barbara

Würdest du sagen, dass das Buch dich in deiner Entwicklung als Autor weitergebracht hat? Und wenn ja, an welchen Punkten?

Also, ich würde nicht behaupten, dass ich besser schreibe, seit ich Woods Buch gelesen habe ;), aber gedanklich hat es mich schon weiter gebracht. Vor allem in den zwei Punkten, die ich oben schon erwähnt habe, der Ausgestaltung von Figuren und den Fragen rund um Realismus und Schreibkonventionen. Vor allem der zweite Punkt beschäftigt mich immer wieder, eigentlich seit ich angefangen habe zu schreiben. Ich finde, dass Wood da vieles gut auf den Punkt bringt - und es auch schafft, Widersprüche einfach mal stehen zu lassen, statt auf jede Frage die eine endgültige Antwort zu liefern.

 

Herzliche Grüße

 

Barbara

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Wer das Buch wie einen Schreibratgeber liest, wird sicherlich sehr enttäuscht, denn für einen Schreibartgeber sind seine Aussagen nicht griffig genug.
Ich glaube, das dürfte allen klar sein. Das ist ein Essay aus der Sicht eines Lesers. Was nicht heißt, dass auch Autoren daraus lernen könnten. Vor allem was die "runden Charaktere" angeht, die immer wieder durch manche Schreibratgeber geistern. Da denke ich dann doch, dass man es auch ein bißchen als Schreibratgeber lesen kann, auch wenn das sicher nicht beabsichtigt war.

 

Was die Definitionen angeht, die ja hier lange Diskussionen ausgelöst haben, finde ich seine Definition (die er allerdings nie explizit ausführt) sogar praktikabler als manch andere, die zwar theoretisch exakter ist, aber in der Praxis weniger bringt.

 

Ich habe mir das Buch nochmal durchgeblättert. Während mir der erste Teil immer noch im Gedächtnis ist, konnte ich nicht mehr sagen, was im zweiten Teil steht.

 

Insofern denke ich, dass der für mich eher nicht eindrücklich war. Aber abgesehen von den unterschiedlichen Meinungen hat er es ja geschafft hier eine Menge Diskussionen loszutreten. Und das spricht eindeutig für sein Buch.

 

herzliche Grüße

 

Hans Peter

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