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Andrea S.

Der eigene Stil

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Daher mal meine Frage an alle: Wie sehr lasst ihr euch bei der Stilfindung von vermeindlichen Genrevorgaben beeinflussen? Mit Stil meine ich jetzt euren persönlichen Schreibstil' date=' euren Ausdruck! Nicht ob ihr Cliffhanger schreibt oder mindestens 3 Sexszenen, oder sonst irgendwelche Vorgaben.[/quote']

Liebe Martina,

 

ich lasse mich davon überhaupt nicht beeinflussen. Ich hatte schon zuvor gesagt, ich schreibe wie ich schreibe, Punkt. Das heißt beileibe nicht, dass ich mich nicht um gute Sprache bemühe, aber ich schreibe intuitiv, so wie es mir in der jeweiligen Szene richtig erscheint. Und das kann natürlich Stilvariationen beinhalten. Beim wiederholten Überarbeiten achte ich sehr darauf, "wie es klingt" oder ob es die Bilder erzeugt, die ich will, oder ob es schnell und atemlos in einer Actionszene ist. Ja, ich streiche of Füllwörter weg, weil es dann für mich im Ohr einfach wirkungsvoller klingt. Und manchmal kann man auch 5 Adjektive haben, wenn da eine besondere Betonung oder Effekt nötig ist.

Aber ich lasse mich da nicht von Genreerwartungen, Regeln oder Beispielen leiten, sondern nur meinem eigenen Sprachgefühl. Ich will da gar nicht borniert klingen, aber der Text muss mir selbst gefallen, sonst bringt das alles nichts. Vor allen Dingen versuche ich nicht, gewollt irgendwelche Stileffekte einzubringen, denn die kommen mir künstlich vor. Das mag ich auch nicht als Leser. Wie zum Beispiel weit hergeholte Metaphern, die irgendwie nicht richtig passen. Das riecht mir zu sehr nach "Autorenschweiß" und lenkt vome Lesefluss ab. :)

 

Aber, um Olga in Schutz zu nehmen. Ich finde es gut, wenn sie experimentiert. Die Diskussion entflammt sich hier nur, weil sie vermeintlicherweise einen Graben zwischen E und U zieht. Ich glaube, das will sie nicht wirklich, und eigentlich sind wir uns alle einig, dass qualitativ gutes Schreiben nichts mit Genre zu tun hat. Natürlich gibt es Autoren, die mehr experimentieren, und vielleicht tun sie dies mehr in der E-Literatur, das weiß ich nicht. Umgekehrt gibt es aber auch dort ebenso Schlechtes wie Gutes. Und nicht alles, was ungewöhnlich ist, ist automatisch gut.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Der persönliche Schreibstil ist schon von Genre geprägt. Auch die Art, wie mit der Sprache umgegangen wird. Wenn ich einen historischen Roman schreibe, achte akribisch auf vernünftige Synonyme für "moderne" Worte und vermeide sie, so weit ich es kann. Allerdings bemühe ich mich dennoch um eine zeitlose Sprache, denn ein gekünsteltes "Altdeutsch" will ja keiner lesen.

Bei meinen SF-Geschichten konnte ich mir viel mehr Freiheiten erlauben, da war alles möglich, weil auch die modernen Ausdrucksweisen erlaubt waren. Und ich konnte z.B. in einer KG auch geradezu mit Umgangssprache spielen.

 

Gruß, Melanie

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Ich würde nichts sagen, wenn du gesagt hättest, dass Autoren der Genreliteratur diese Techniken doch auch benutzen sollten.

Ich habe Olga genau so verstanden. Und ich stimme ihr zu, dass viele Genreschreiber der Sprache mehr Aufmerksamkeit widmen sollten. Ich habe auch schon häufig festgestellt, dass handlungsorientierte Romane in diesem Punkt sehr nachlässig sind (und beschlossen, es besser zu machen  ;))

 

Daher mal meine Frage an alle: Wie sehr lasst ihr euch bei der Stilfindung von vermeindlichen Genrevorgaben beeinflussen? Mit Stil meine ich jetzt euren persönlichen Schreibstil, euren Ausdruck! Nicht ob ihr Cliffhanger schreibt oder mindestens 3 Sexszenen, oder sonst irgendwelche Vorgaben.

Ich wäre gar nicht fähig, meinen Stil an irgendwelche Vorgaben anzupassen, ausser an die, die ich mir selbst auferlege: der Stil (ich sage lieber "Tonfall") muss zum Inhalt passen. Mit solchen Anliegen ist aber auch bisher noch niemand an mich heran getreten (allerdings ist meine Erfahrung in der Verlagswelt noch ziemlich begrenzt). Gibt es so etwas denn, Joy? Dass Verlage ein Buch in einem bestimmten Stil wünschen (à la Frantzen, à la Kehlmann)?

 

Viele Grüße,

 

Mascha

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Ja, das gibt es. Moderne saloppe Sprache ist manchmal gewünscht, wie zum Beispiel im Frauenroman. Epische Breite beim 1200 Seiten Schmöker.

Was ich mit der Frage meinte ist aber eher: Behaltet ihr euren eigenen Stil (Tonfall) immer bei, egal ob es um einen Thriller geht oder einen HR? Wenn jemand zum Beispiel zu Wortspielen neigt, fände man die dann in all seinen Genres? Oder einen ironischen Erzählton, ist der dann auch "automatisch" überall drin?

Ich habe an mir selbst vor Jahren entdeckt, ohne ein gewisses Augenzwinkern gehts bei mir nie. Das kann ich mir gar nicht abgewöhnen.

Gibt es bei euch nicht auch Sachen, die ihr euch schlecht abgewöhnen könntet, und auch gar nicht wollt? Oder könnt ihr umschalten und sagen: Das passt jetzt hier irgendwie gar nicht, das muss ich diesmal anders machen?

Mir fällt das recht schwer. Mein Stil ist mein Stil und ich bewundere alle, die sich selbst in alle möglichen Richtungen biegen können, und kann schlecht nachvollziehen, wenn jemand sagt er habe seinen Stil noch nicht gefunden. Ich brauche meine Texte nur zu lesen, selbst nach Jahren noch, und finde immer mich, also meinen Stil darin wieder. ;)

 

LG

Martina

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Ich habe Olga eigentlich auch so verstanden, dass es ihr nur darum geht, wie das Lesen von "E" das Schreiben von "U" befruchten kann. Nicht um irgendwelche Werturteile.

 

Und als eine, die sowohl E als auch U gern liest, möchte ich ihr in einem unbedingt zustimmen. Wenn man nach Bespielen für sprachliche und erzählerische Experimentierfreude sucht, wird man eher in E-Romanen fündig werden. Das heißt ja nicht, dass E-Autoren irgendwelche "Tricks" beherrschen, die in U-Romanen nicht vorkommen! Aber in E-Romanen werden sie oft extremer, reiner eingesetzt, die Autoren vertrauen stärker darauf, dass ihre Leser ihnen schon folgen werden. (Sie schreiben halt eher für Leser, die sich genau solche ungewöhnlichen Erzähl- und Sprachformen wünschen.)

 

Nicht-chronologisches Erzählen ist ein Beispiel, das mir spontan einfällt.

Unübliche Perspektiven (Du, Wir) ein zweites.

 

Wie gesagt: Das heißt ja nicht, dass es das in Genreromanen gar nicht gibt. Nur seltener. Genreautoren neigen (finde ich) stärker dazu, sich einen Stil zu erarbeiten und dann dabei zu bleiben. Was ja auch nicht falsch ist!

 

Schöne Grüße

 

Barbara

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@joy: Wenn ein Verlag etwas Bestimmtes wünscht, wendet er sich doch sicher an einen Autor, dem diese Art von Schreibe liegt, oder sehe ich das falsch?

 

Für meine Texte würde ich sagen, dass ich meine Eigenarten beibehalte, ganz gleich, worüber ich schreibe. Aber das können andere vermutlich besser beurteilen als ich selbst. Keinesfalls passe ich meinen Ton absichtlich an, bzw. hat er bisher anscheinend überzeugt.

 

Viele Grüße,

 

Mascha

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@joy: Wenn ein Verlag etwas Bestimmtes wünscht' date=' wendet er sich doch sicher an einen Autor, dem diese Art von Schreibe liegt, oder sehe ich das falsch?[/quote']

 

Wenn ein Autor aber noch einen Verlag sucht, macht er sich doch Gedanken welcher Stil einem Verlag zusagen könnte. Manche tun das jedenfalls.

 

LG

Martina

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Wenn ein Autor aber noch einen Verlag sucht, macht er sich doch Gedanken welcher Stil einem Verlag zusagen könnte. Manche tun das jedenfalls.

 

 

Das würde, auf die Spitze getrieben, ja bedeuten, für jeden Verlag das Werk neu zu schreiben?

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Nein, das wohl nicht, Matthias. ;)

Trotzdem kenne ich Autoren, die sich genau überlegen welchem Verlag sie welches MS geben. So vielschichtig bin ich selbst als Autorin aber nicht, ich könnte da keine Rücksicht drauf nehmen.

Ich finde es total spannend, dass es (auch hier im Forum) Autoren gibt, die lustige Frauenromane drauf haben und ebenfalls was Historisches schreiben können. Das sind doch nun wirklich zwei völlig verschiedene Stile. Die Frage ist, ob man dann eben einfach 2 immernoch eigene Stile hat, oder eventuell sogar 3, für ein weiteres Genre. Was genau ist denn dann das Merkmal des eigenen Stils?

Vielleicht bekäme ich das raus, wenn ich mal die verschiedenen Werke solcher Autoren vergleichen würde. Zeit müsste man dazu haben ...

 

LG

Martina

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@Lisa

Deine Erfahrungen finde ich sehr interessant.

Da meine Lesezeit sehr rar ist, habe ich kaum Möglichkeiten, Bücher zwei Mal zu lesen (falls ich dich richtig verstanden habe). Daher kann es passieren, dass die Geschichte so spannend ist, dass ich auf den Stil kaum achte, worduch mir natürlich vieles (Gutes und Schlechtes) entgeht.

Aber ich unterscheide zwischen dem "vergnüglichen Lesen", aus dem ich zufällig was lernen kann (Das sind dann die schönsten Überraschungsmomente, wenn man nichts erwartet, und dann positiv überrascht wird), und dem Lesen, bei dem ich ganz bewusst etwas Konkretes analysieren möchte (in diesen Fällen steht die Handlung für mich im Hintergrund und ich achte bewusst auf die Stilmittel, die der Autor anwendet).

Es gibt Bücher, die mich nachhaltig beschäftigen und ich mich später umso mehr mit dem Stil auseinandersetze. Das war bei "Zeit der Gespenster" der Fall, ein Buch, das für mich absolut faszinierend war, weil es nicht nur im Stil einen Anspruch hatte, sondern auch thematisch. (Diesen Roman zähle ich ganz klar zur "anspruchsvollen Literatur")

Die Analyse läuft also immer nebenbei (manchmal gelingt es mir, sie zu ignorieren, wenn die Handlung entsprechend spannend ausfällt. Dann störe ich mich auch nicht daran, dass der Stil nicht wirklich raffiniert ausfällt oder ich irgendwelche Patzer entdecke) und manchmal denke ich darüber auch noch später nach.

 

Bei anderen haben sie aber - wenn ich die ganze Geschichte kenne - auf einmal eine andere Wirkung.

Das habe ich, glaube ich, noch nicht erlebt (Oder doch, nur verstehe ich dich falsch?). Könntest du darüber vielleicht etwas mehr erzählen? Ganz besonders über das Gefühl der Ratlosigkeit. Verstehe ich dich richtig: Du liest ein Buch, es gefällt dir, aber wenn du nachher verstärkt über die Stilmittel nachdenkst, bist du enttäuscht?

 

@Ulf, Mascha, Barbara

DANKE!

Ich habe mich wirklich schon gefragt, ob ich mich so missverständlich ausgedrückt habe. Schön, wenn diejenigen, die mich wirklich verstehen wollen, es auch tun, auch wenn wir durchaus unterschiedliche Meinungen vertreten.

 

Barbara, dir möchte ich ganz besonders für die klaren Worte danken, die ich selbst leider nicht gefunden habe:

Aber in E-Romanen werden sie oft extremer, reiner eingesetzt

Genau das ist es, warum ich in dem Fall eher zur E-Literatur greife. Da dort einige Stilmittel so rein (und teilweise extrem) eingesetzt werden, kann ich persönlich viel besser nachfühlen, was welche Wirkung hat.

 

@Melanie

Wie verändert sich dein Stil sonst vom Genre zu Genre (von den "altmodischen" Wörtern mal abgesehen)?

Ich weiß noch, Ulf meinte, er würde einen Thriller genauso schreiben, wie einen historischen Roman. (Falls ich das richtig in Erinnerung habe, er wir mich schon korrigieren, wenn das falsch ist)

Wie ist es bei dir? Kannst du sonstige Veränderungen im Stil feststellen?

 

Liebe Grüße,

Olga

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Das würde, auf die Spitze getrieben, ja bedeuten, für jeden Verlag das Werk neu zu schreiben?

So extrem nicht, aber in gewisser Weise schon. Es geht vielleicht mehr um die Schwerpunkte. Lyx würde zB. einen ganz anderen Krimi in sein "Romantic-Thrill"-Programm nehmen, als zB. Doigenes.

Deshalb würde ich mich schon mit der Ausrichtung eines Verlages auseinandersetzen, bevor ich etwas hinschicke, um die Schwerpunkte richtig anzupassen (falls ich das denn möchte).

 

Liebe Grüße,

Olga

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Der eigene Stil - das, was einen Autor unverwechselbar macht - ist etwas völlig anderes, als ein dem Genre angepasster Stil.

 

Dass man einen Thriller anders schreibt als einen Liebesroman und einen, der historisch anmuten soll wiederum anders als einen, der in der Zukunft spielt, ist uns sicher allen klar.

Dass ein Verlag das Manuskript eines Autors ablehnt, der nicht stilsicher ist, dürfte ebenfalls klar sein.

 

In den unterschiedlichen Genres sollte man mit stilistischen Mitteln unterschiedliche Akzente setzen.

 

Das Alleinstellungsmerkmal eines Autorenstils ist dagegen etwas, das seine Authentiziät ausmacht, seine Bevorszugung bestimmter stilistischer Eigenarten - und hier sicher vor allem die, die er selbst entwickelt hat, nicht, die, die er abkupfert.

 

Das ist genau wie mit den Schreibregeln - auch sie entspringen der Analyse bestehender erfolgreicher Texte, sind allenfalls eine grobe Richtschnur und nicht in Stein gemeißelt.

Ebensowenig wie die delikateren Stilmittel, die die experimentelle oder sogenannte ernste Literatur ausmachen.

 

Wer einen eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden hat und damit erfolgreich ist, dient wieder zur Vorlage anderer, die nach ihrem eigene Stil suchen.

Unabhängig von E und U.

 

Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Ich weiß noch, Ulf meinte, er würde einen Thriller genauso schreiben, wie einen historischen Roman. (Falls ich das richtig in Erinnerung habe, er wir mich schon korrigieren, wenn das falsch ist)

Das ist richtig. Denn auch in meinen historischen Romanen gibt es keine getragene Erzählweise oder altertümlich klingenden Dialoge. Ich verzichte einzig auf Modernismen, beziehungsweise bemühe mich, wirklich deutsche Worte zu benutzen und keine Fremdwörter (keine verdeutschten Worte aus dem Englischen, Französischen, Lateinischen, außer sie waren im MA schon in Gebrauch) Wenn lateinisch, dann lieber das Original, wenn das in der Zeit benutzt wurde (secretarius anstatt Sekretär). Ansonsten reden bei mir ganz normale Menschen, und da ich auch sehr auf Spannung setze, kommt das an Stellen einem Thriller durchaus nahe. Bei einem wirklichen Thriller würde der Wortschatz dann natürlich dem heutigen Gebrauch angepasst werden, wie auch heute geläufige Ausdrücke, Metaphern, Bildvergleiche, usw. Aber sonst eigentlich kein großer Unterschied.

 

Robert Harris z.B. macht das ähnlich. Seine historischen Romane benutzen eine ganz normale Sprache.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Für mich ist der eigene Stil etwas wie der "Sound" des Autors oder der Autorin.

Der Sound betrifft die Sprache, aber auch die Umgehensweise mit dem Text, Figurenzeichnung, Struktur, Auswahl des zu Erzählenden oder zu Verschweigenden.

Um mal wieder mit einem Musikvergleich anzukommen: Bestimmte Gitarristen z.b. erkennt man ja auch an ihrem Sound, der mit ihrem Instrument, dem Equipment, der Beschaffenheit ihrer Finger, ihrer Spielweise und ihrer musikalischen Vorlieben, unabhängig vom Genre, zu zun hat. Für ein Jazzkonzert wird er ein anderes Instrument und einen anderen Verstärker wählen als für einen Auftritt mit der Popband, aber man wird ihn trotzdem erkennen.

 

Als Beispiel für einen sehr eigenen Sound in der Genreliteratur fällt mir auf Anhieb Wolf Haas ein.

Ich glaube, dass jeder Text sich außerdem seine eigenen Regeln schafft, es gehört vielleicht auch zum eigenen Stil oder Sound, wie sensibel man für diese Regeln ist, wie gut man dem eigenen Text zuhören kann.

 

Liebe Grüße

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Als Beispiel für einen sehr eigenen Sound in der Genreliteratur fällt mir auf Anhieb Wolf Haas ein.

 

Aber interessant: Genau an den musste ich hier auch dauernd denken, Claudia.

 

Angelika

 

P.S. Spätestens bei Wolf Haas dürfte sich auch diese E-U Unterscheidung ins Unsinnige auflösen. Wo sollte man denn den eigentlich einordnen? Beim Dings vielleicht?

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

www.angelika-jodl.de

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...und Wolf Haas ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Sound auch genreübergreifend wirkt. "Das Wetter vor fünfzehn Jahren" klingt genauso nach ihm wie die Krimis.

Liebe Grüße

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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Aber in E-Romanen werden sie oft extremer, reiner eingesetzt

Genau das ist es, warum ich in dem Fall eher zur E-Literatur greife. Da dort einige Stilmittel so rein (und teilweise extrem) eingesetzt werden, kann ich persönlich viel besser nachfühlen, was welche Wirkung hat.

In der E Literatur ist Sprache den Lesern sehr viel wichtiger und den Autoren auch. Das ist einfach so. Natürlich gibt es auch U Autoren mit sehr ausgefeilter Sprache, kein Zweifel, aber das wird dort nicht für derartig entscheidend gehalten. Dafür ist dort Plot weit wichtiger.

 

Und auch wenn es viele Überschneidungen gibt und gerade die besten Autoren sich nicht so einfach in Schubladen stecken lassen (Beispiel Wolf Haas), die Unterschiede gibt es.

 

In der E bist du mit ausgefeilter Sprache der King, auch wenn die Geschichte eher so na ja ist. In der U geht das nicht, wenn dein Plot nicht funzt, kann die Sprache dich auch nicht retten. Weswegen man meiner Meinung nach möglichst vielseitig lesen sollte, um von allen was zu lernen - und von den Stärken der jeweiligen Schublade profitieren.

 

Hans Peter

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In der E bist du mit ausgefeilter Sprache der King, auch wenn die Geschichte eher so na ja ist. In der U geht das nicht, wenn dein Plot nicht funzt, kann die Sprache dich auch nicht retten. Weswegen man meiner Meinung nach möglichst vielseitig lesen sollte, um von allen was zu lernen - und von den Stärken der jeweiligen Schublade profitieren.

 

Jetzt kriege ich hier aber das Bild eines E-Lesers vor die Augen, der leicht wirr und traumselig nur der schön klingenden Sprache lauschen mag, als wärs ein Vogelgezwitscher.

 

Man soll ja nicht für andere sprechen, also sag ichs so rum: Ich gehe davon aus, als E-Leser angesehen zu werden, und auch ich will eine Geschichte geboten kriegen mit Anfang, Mitte, Schluss und was sonst dazu gehört. Man kann es auch plot nennen, warum nicht. Oder anders herum: Schreiber, die für ihre Sprache von allen Seiten gelobt werden - Foer, Eugenides, Barnes, Grünberg, aber auch die Oldies: Tolstoi, Dostojewski,Flaubert, Balzac, Stendal - deren Geschichten sollen keine ordentlichen plots gehabt haben? Aber hallo! So was wie Ana Karenina muss man auch erst mal hinkriegen!

 

Das alles bitte wieder mal nicht als Wertung sehen. Ich schreibe betont: Ich gehe davon aus, als E-Leser angesehen zu werden. Das heißt nicht, dass ich U missachtet sehen möchte. Das heißt noch nicht mal, dass ich selber weiß, ob ich dauernd dieses E lese. Was meine Lektüre betrifft, die kann ich nur negativ eingrenzen: Diverse genres (wie Mystery etwa) lese ich normalerweise nicht.

 

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Liebe Angelika,

 

Ich glaube nicht, das Hans Peter damit sagen wollte, dass die E-Leser auch "leere Geschichten" begeistert lesen, solange die Sprache schön ist. Und ich glaube nicht, dass er der E-Literatur spannende Plots absprechen wollte. (Ich denke, von solchen Gedanken sollten wir uns am besten ganz lösen: Niemand sagt, dass die Genre-Literatur keine schöne Sprache haben kann, und niemand behauptet, dass die E-Literatur "plotleer" ist. Peace!  :s04 )

 

Ich lese unglaublich gern sowohl die Genre- als auch die E-Literatur. Aber ich merke - bei mir! - dass mein Zugang zu den beiden Richtungen ein anderer ist. In der Genre-Literatur bin ich manchmal bereit, über eine weniger schöne, wenn nicht zu sagen banale Sprache hinwegzusehen, solange die Handlung und die Figuren mich fesseln. In der E-Literatur kann ich zum Teil über fehlende Spannung hinweigsehen, wenn die Sprache mich fasziniert. (Beide Extreme: Kein Plot oder schlechte Sprache - da gebe ich natürlich recht schnell auf)

Aber wirklich begeistert bin ich von den Büchern, die beides können: Mir eine raffinierte Handlung und eine raffinierte Sprache zu bieten. Das sind die wahren Meisterstücke in meinen Augen.

Übrigens, "Anna Karenina" und ähnliche Bücher sehe ich als eine wunderbare Symbiose von beiden Richtungen. Es sind Bücher, die wirklich beides in sich vereinen, denen es gelingt, mit Anspruch zu unterhalten.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Niemand sagt, dass die Genre-Literatur keine schöne Sprache haben kann, und niemand behauptet, dass die E-Literatur "plotleer" ist. Peace!  :s04 )

 

Ja. Oh ja!! Eulen nach Athen, Wasser auf Mühle usw.

 

Dagegen habe ich hier Mühe, dir zu folgen:

 

In der Genre-Literatur bin ich manchmal bereit, über eine weniger schöne, wenn nicht zu sagen banale Sprache hinwegzusehen, solange die Handlung und die Figuren mich fesseln. In der E-Literatur kann ich zum Teil über fehlende Spannung hinweigsehen, wenn die Sprache mich fasziniert.

 

Vielleicht kannst du mal ein Beispiel dazu geben? Das fände ich übrigens generell gerade in solchen Debatten sehr wichtig. Schon um von diesen Etiketten E und U loszukommen, die immer so verstörend wirken. Welcher schlecht geschriebene plot schafft es, dich zu begeistern? Figuren, die ungenau beschrieben sind - und um genau zu sein, hat man halt mal die Sprache - wie können die spannend sein? Ist eine echte Frage, ich weiß es nicht. Auch das andere: Ein schön geschriebenes, labberiges Teil - wie muss ich mir das vorstellen?

 

Übrigens, "Anna Karenina" und ähnliche Bücher sehe ich als eine wunderbare Symbiose von beiden Richtungen. Es sind Bücher, die wirklich beides in sich vereinen, denen es gelingt, mit Anspruch zu unterhalten.

 

Ja, ein Riesenschluck Wasser auf meine Mühle. Ich glaube, Tolstoi hätte diese ganze Debatte überhaupt nicht verstanden, sondern gesagt: Was? Da hast du eine tolle Geschichte von einer Frau, die sich aus Liebe vor den Zug usw mit allen Wirrungen dazwischen? Dann setz dich gleich hin und schreib sie auf. Schreib sie SCHÖN auf!

 

Herzlich,

Angelika

Laudatio auf eine kaukasische Kuh. Eichborn 2021. 

Alicia jagt eine Mandarinente. dtv premium März 2018. Die Grammatik der Rennpferde. dtv premium Mai 2016

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Das Problem dies vernünftig zu besprechen sind Aussagen auf beiden Seiten, die einfach nicht stimmen und man sich deshalb in die Haare kriegt. ;)

 

Ein gutes Beispiel für mich von spannender Unterhaltung, die nicht unbedingt ein literarisches Meisterwerk ist, sind die Dan Brown Romane. Ich fühlte mich atemlos unterhalten, aber die Sprache war kein Genuss. Dennoch habe ich es zu Ende gelesen.

Aber das passiert mir nicht oft. Meist brauche ich beides - Unterhaltung und eine schöne Sprache.

 

LG

Martina

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Eine Unterscheidung in U und E ist etwas so Urteutonisches, dass es schon wieder weh tut.

Diese feuilletonistisch-arrogante, abgehobene Haltung im Windschatten eines Marcel RR, dass nichts wahre, reine Literatur sein kann, das in irgend einer Form unterhält sondern dessen "Genuss" bereits Signal einer intellektuellen Selbstkasteiung ist, möglichst aufrecht sitzend am Kaminfeuer mit einem Glas Rotwein genossen, bitte JETZT fotografieren, empfinde ich als einfach nur lächerlich.

Was mehr als eine Randgruppe konsumiert, kann nicht Hochkultur sein.

Wie weit sind uns da die Kollegen international voraus, die diese Unterscheidungen zwischen Roquefort und verschimmelter Milch mit Verständnislosigkeit und Stirnrunzeln beobachten.

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Eine Unterscheidung in U und E ist etwas so Urteutonisches, dass es schon wieder weh tut.

Diese feuilletonistisch-arrogante, abgehobene Haltung im Windschatten eines Marcel RR, dass nichts wahre, reine Literatur sein kann, das in irgend einer Form unterhält sondern dessen "Genuss" bereits Signal einer intellektuellen Selbstkasteiung ist, möglichst aufrecht sitzend am Kaminfeuer mit einem Glas Rotwein genossen, bitte JETZT fotografieren, empfinde ich als einfach nur lächerlich.

Was mehr als eine Randgruppe konsumiert, kann nicht Hochkultur sein.

Wie weit sind uns da die Kollegen international voraus, die diese Unterscheidungen zwischen Roquefort und verschimmelter Milch mit Verständnislosigkeit und Stirnrunzeln beobachten.

 

Ein schönes Statement :).

 

Gruß, Melanie

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Liebe Angelika,

 

Okay, ich versuche es mal zu erklären.

 

Welcher schlecht geschriebene plot schafft es, dich zu begeistern?

Wie ich im vorigen Posting bemerkte: Extreme (ein unterirdisch schlechter Plot, aber eine schöne Sprache oder eine unterirdisch schlechte Sprache aber ein interessanter Plot) fallen bei mir meistens durch. Aber es gibt ein paar Ausnahmen.

Wenn ich den Stil analysiere: Es ist nicht der Plot, der mich begeistert, sondern der Umgang des Autors mit der Sprache. In solchen Fällen ist es oft so, dass ich eigentlich nur analysiere, wie der Autor das eine oder das andere Stilmittel angewandt hat, und bin von seiner Lösung fasziniert. Habe villeicht sogar ein Aha-Erlebnis. Es ist kein Genuss-Lesen auf meinem Kuschelsofa.

Ein Beispiel: Ich habe kürzlich einen Text gelesen, in dem es sich (meiner Meinung nach) um eine sehr verwirrte Person handelt. Ich konnte dem Inhalt nur schwer folgen, ich weiß nicht einmal, ob ich den richtig kapiert habe. Aber ich war fasziniert davon, wie der Autor diese verwirrte Person darstellt: Fast keine Absätze, Sprünge von einem Gedanken zum anderen, ungewöhnliche Verwendungen einiger Begriffe und noch mehr - der Autor arbeitet sehr interessant mit Kommas und Punkten, er wagt es sogar, einen Satz in der Mitte mit einem Punkt zu unterbrechen, um ihn in dem nächsten fortzusetzen. Ja, der Inhalt konnte mich nicht fesseln, aber den Stil fand ich unglaublich interessant, weil er allein diese verwirrte Figur bildhaft dargestellt hat.

Würde ich den Text aber "zum Vergnügen" lesen wollen, wäre ich an ihm gescheitert, weil mir doch ziemlich wichtig ist, zu verstehen, was ich da lese.

 

Für umgekehrte Fälle gibt es auch Beispiele. Ich habe zum Beispiel ein Buch gelesen, das in einer sehr einfalslosen Sprache geschrieben wurde. Aber ich habe gehört, dass die Autorin gut Sexszenen beschreiben kann. Diese wollte ich etwas näher unter die Lupe nehmen und habe das Buch gelesen und die entsprechenden Szenen studiert, obwohl der Stil nicht wirklich raffiniert war.

 

Oft ist es aber so, dass der Stil ganz flüssig ist (ich kann also über kleine Stolpersteinchen weglesen), aber eben nicht wirklich herausragend. Nichts, was mich inne halten lässt. Wenn die Handlung und die Figuren mich ansprechen, kann ich den Roman zu Ende lesen.

Martina hat Dan Brown genannt. Ich habe "Meteor" von ihm gelesen, die Handlung war interessant, die Sprache aber nicht wirklich raffiniert (für mich! vielleicht lag es an der Übersetzung, wer weiß). Danach habe ich "Illuminati" genommen und nach einigen Seiten weggelegt, weil die Handlung und die Figuren mich überhaupt nicht fesseln konnten.

 

Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Eine Unterscheidung in U und E ist etwas so Urteutonisches, dass es schon wieder weh tut.

Diese feuilletonistisch-arrogante, abgehobene Haltung im Windschatten eines Marcel RR, dass nichts wahre, reine Literatur sein kann, das in irgend einer Form unterhält sondern dessen "Genuss" bereits Signal einer intellektuellen Selbstkasteiung ist, möglichst aufrecht sitzend am Kaminfeuer mit einem Glas Rotwein genossen, bitte JETZT fotografieren, empfinde ich als einfach nur lächerlich.

Sorry, ich dachte über diesen Stand der Diskussion wären wir längst hinaus...

Abgelika sagte gerade, in der "sogenannten" E-Literatur brauche es auch eine gute oder vortreffliche Story und diese sei bei den hochgelobten Werken auch vorhanden bzw grundlegend, ich sehe das genauso. Sogar der zitierte RR hatte seine Freude an einer guten Story, vermutlich nannte er sie nicht Plot und es mussten Sex-Szenen vorkommen, auf höchstem sprachlichem Niveau... :s22, aber den nur die hehre Sprache lobenden Feuilletonisten gibt es doch genauso selten wie den rotweintrinkenden Leser, der einer schönen Sprache lauscht, als wärs Vogelgezwitscher, wie Angelika so treffend sagte.

 

Was mich noch interessiert, Olga: Wenn die Autorin, die so gute Sexszenen schreiben kann, dies in einer einfallslosen Sprache tut, was macht die Szene dann so besonders, dass man von ihr lernen kann? Die Handlung?? ;)

Trotz zwinkerndem Smiley, ich verstehs wirklich nicht!

 

Herzliche Grüße in die Runde

Claudia

Baronsky&Brendler: Liebe würde helfen  Ein Staffelroman 
Februar 21, Kampa

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