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Andrea S.

Der eigene Stil

Empfohlene Beiträge

@Melanie,

Nein, das muss kein Widerspruch sein, das habe ich auch nie gesagt.

Auch ich achte auf die Sprache, aber im Moment entdecke ich durch die E-Literatur eben viel mehr Möglichkeiten, wie ich mit der Sprache umgehen kann, die mir früher nicht aufgefallen sind.

 

Die Kunst besteht ja darin, die Sprache so anzuwenden, dass der Leser gar nicht merkt, wie die Gefühle in ihm erzeugt werden, sondern dass sie plötzlich da sind.

Genau das meinte ich im Thread zur Minimalanalyse, die für mich eine Methode darstellt, eben das zu erreichen.

 

Natürlich gibt es Genreliteratur, die darauf nicht achtet, aber wie ich schon sagte - die Übergänge sind fließend. Und auch Genreliteratur kann E-Literatur sein. Sie kann aber auch U-Literatur sein, und zwar kann sogar das gleiche Werk von unterschiedlichen Kritikern in die eine oder andere Reihe gestellt werden.

Das auf jeden Fall.

 

Liebe Grüße,

Olga

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@hpr

Im Prinzip ganz einfach: Wenn das WIE (der Stil) das WAS (den Inhalt) betont, wenn im Stil sich die Facetten des Inhalts widerspiegeln. Das ist zb. in Lisas Buch der Fall - das Gefühl der Atemlosigkeit, der die Mutter und die Familie umschließt, ist im Stil zu finden udn somit mehr spürbar für mich als Leser. In "Zeit der Gespenster" ist es auch der Fall: Eine Geschichte fügt sich aus verschiedenen Teilchen nach und nach zusammen, und das sehen wir im Stil auch, da Picoult mit dem schnellen Perspektivenwechsel arbeitet. Allein dadurch habe ich das Gefühl, vor einem riesigen Puzzle zu sitzen.

Das sind für mich gute Beispiele, wann der Inhalt und der Stil miteinander harmonieren.

Dein erstes Beispiel für die Minimalanalyse zeigt ja sehr schön, wie Stil und Inhalt einander beeinflussen. Da hast du nicht nur den Sprachstil überarbeitet. Sondern eben auch den Inhalt, die Rückblende fällt weg (minimalisieren). Und es wird nicht mehr behauptet.

 

Hans Peter

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Liebe Olga,

 

Die Sprache kann, muss aber kein Unterscheidungsmerkmal zwischen E und U sein. Eher sind das Thema, Herangehensweise, Bezug auf die Gegenwart, etc.

 

Dem Schreibstil eine wiedererkennbare, persönliche Note je nach Figur zu geben, da bin ich etwas skeptisch. Das könnte nervig und verwirrend werden. Anders natürlich, wenn man sich im Kopf einer Person befindet und man sie denken hört. Dann kann eine individuelle Sprechweise der Figur zum Tragen kommen, denn das ist ein indirekter Dialog.

 

Überhaupt verstehe ich nicht, warum du Dialoge ausklammern willst. Gerade Dialoge sind doch viel ergiebiger für individuelle Sprechweise, Gemütszustand, usw. Weniger der Erzähltext.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Lieber Ulf,

 

Ich habe das Gefühl, wir reden ein wenig aneinander vorbei ;)

 

Ich möchte es noch einmal versuchen zu verdeutlichen, was ich meine.

 

Nie habe ich behauptet, dass der einzige Unterschiedsmerkmal zwischen der E- und U-Literatur die Sprache ist. Ich bin bloß der Meinung, dass die E-Literatur sehr gut mit der Sprache umgehen kann und dass ich daraua viel lernen kann. Eben viele verschiedene Methoden, wie man etwas transportieren kann, die ich bisher übersehen habe.

 

Ich will auch keine Dialoge ausklammern oder sie als bedeutungslos darstellen. Alles - Dialoge, Figuren, Handlung, innere Ansichten etc. epp. tragen bei und beeinflussen einen Roman. Jedoch weiß ich inzwischen, wie die Dialoge funktionieren, ich kann sie auch so einsetzen, dass sie das transportieren, was ich gern möchte.

 

Ich schaue mich eben nach weiteren Möglichkeiten um, die mir als Autor dienlich sein könnten. Was kann ich noch nutzen? Was habe ich bis jetzt nicht beachtet? Wo kann ich mich weiterentwickeln?

Und nach einem Gespräch mit einer Autorin ist mir klar geworden, dass der Erzähltext genauso wie Dialoge etc. (! - du siehst, ich klammere ncihts aus) viel transportieren kann, wenn man weiß, wie man das nutzen kann. Es ist eben eine weitere Möglichkeit. Nicht besser, nicht schlechter, nur ein zusätzliches Mittel.

 

Ich will dieses Mittel lernen, ich will es beherrschen.

Aber ich zwinge keinem auf, dies genauso zu sehen. Wenn du auf Dialoge setzen und den Erzähltext ausklammern (;)) möchtest, dann kannst du das tun. Auch ein Punkt, der den Stil eines Autors von anderen unterscheidet. Oder nicht?

Ich möchte nur meine Gedanken über die zusätzlichen Möglichkeiten (Erzähtext zB.) mit den anderen teilen, die vielleicht daran Interesse haben. Mehr nicht.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Liebe Olga,

mich würde mal interessieren, inwieweit du bei der E-Literatur, mit der du deinen Stil verbesserst, auch auf Übersetzungen zurückgreifst. Oder sind es ausschließlich deutsche Autoren? Denn letztlich muss man bei einer Übersetzung ja auch immer sehr darauf achten, was aus der Sprache gemacht wurde.

 

Gruß, Melanie

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Ich bin bloß der Meinung' date=' dass die E-Literatur sehr gut mit der Sprache umgehen kann und dass ich daraua viel lernen kann. Eben viele verschiedene Methoden, wie man etwas transportieren kann, die ich bisher übersehen habe.[/quote']

Ich denke, über den eigenen Tellerrand schauen, ist immer eine gute Idee. Und kann einen nur weiterbringen.

 

So manchem "Literaten" würde es umgekehrt guttun, sich mal die Möglichkeiten zur Plotgestaltung bei Krimi etc. anzusehen. DIe wirklich Großen in der E tun das und haben es getan - aber es gibt immer Leute, die lieber im eigenen Saft schmoren wollen und darauf Stolz sind und einen entgeistert ansehen, wenn man verrät, dass man "Trash" liest.

 

Hans Peter

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@hpr

Wie gesagt, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass beide "Seiten" sehr viel voneinander lernen können. Wenn man das natürlich will. (Ich will es. Aber wer das nicht will, ist auch ok, das bedeutet keineswegs, dass man dann ein schlechter Autor ist)

 

@Melanie

Das ist eine sehr interessante Frage!

Also, wenn es um Methoden geht, dann spielt die Übersetzung keine Rolle. Auf die Minimalanalyse wurde ich durch Picoult aufmerksam gemacht, aber die Methode kann ein Übersetzer schlecht einfach so "dazudichten".

Was die sprachlichen Möglichkeiten angeht - das sind in der Tat deutsche Autoren, bei denen ich bisher gelernt habe. Ein Zufall? Vielleicht.

 

Andererseit - durch deine Frage angeregt - frage ich mich: Spielt die Übersetzung beim Lernprozess eine Rolle? Ich glaube nicht. Denn wenn ich aus dem (übersetzten) Text etwas gelernt habe, ist es doch völlig nebensächlich, ob das durch den Übersetzer oder durch den Autor kam.

(Umgekehrt, wenn ich als Rezensent sage: Der Autor bleibt sprachlich auf keinem hohen Niveau, da muss ich mich wirklich fragen, ob der Autor daran wirklich schuld ist, oder ob die Übersetzung musslungen ist.)

 

Anders ist es, wenn ich zb. ein russisches Original lese. Daraus kann ich für meine deutschen Texte sprachlich eher wenig was mitnehmen, weil die russische Sprache eine andere Wirkung hat, als die deutsche, und vieles eben nicht funktioniert, wenn man versucht, das direkt zu übertragen.

 

Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Spielt die Übersetzung beim Lernprozess eine Rolle?

 

Ich denke, die Genese eines Textes ist für den Lerneffekt völlig gleichgültig.

Wenn Du etwas in Bezug auf das eigene Handwerk aus ihm lernen kannst, spielt es doch keine Rolle, ob dies am Stil oder handwerklichen Können (oder beidem) des Originalautors liegt oder an einer Punktlandung durch den Übersetzer, der sich in vielen Fällen als Nachdichter betätigen muss.

Ich habe ganz sicher aus den Romanen Becketts für meine eigene Schreibe sehr viel mitgenommen, auch wenn ich sie mangels ausreichender Sprachkenntnisse nicht in Französich gelesen habe.

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@Olga

Ich glaube schon, dass es eine Rolle spielt, wenn es eine Übersetzung ist. Nicht der Lerneffekt an sich - der bleibt gleich - sondern die Frage, von wem gelernt wurde. Von dem Autor oder vom Übersetzer. Denn ein guter Übersetzer muss einen Roman ja quasi mit den eigenen Worten neu erzählen und nicht einfach nur stupide übersetzen. Dabei stellt sich dann aber auch die Frage, ob man sagt: "Das habe ich von Autor so und so gelernt, oder aber: Das habe ich mir in dem Werk so und so in der deutschen Übersetzung angeeignet.

 

Gruß, Melanie

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@Melanie

In erster Linie stellt sich mir diese Frage nicht. Mir ist wichtig, dass ich überhaupt etwas lerne. Egal von wem.

 

Denn ein guter Übersetzer muss einen Roman ja quasi mit den eigenen Worten neu erzählen

Das glaube ich nicht. Ein guter Übersetzer versucht doch so nah wie möglich am Originalwerk zu bleiben. (Ich habe mal mit dem Übersetzer von Glukhovsky gesprochen, er meinte, wenn er was ändern/anpassen wollte, dann hat er mit dem Autor sogar Rücksprache gehalten). Aber vielleicht sagen uns unsere Übersetzer hier dazu mehr.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Um die Frage: Welche Methoden in der E-Literatur eignen sich für mich als Genre-Autor? Was kann ich daraus lernen? Das beschäftigt mich schon seit Wochen, und ich bin fest davon überzeugt, dass ich als Genre-Autor SEHR VIEL von der E-Literatur lernen und das Gelernte für meine Ziele anpassen kann. Ich entdecke da unglaubliche Facetten, die mir zuvor verwehrt blieben. Gerade das finde ich interessant.

 

Olga, mich verwundert, dass du ganz normales, gängiges Handwerk als "Methoden der E-Literatur" bezeichnest. Das, wovon du in diesen beiden Threads gesprochen hast, ist doch nichts weiter als was man als Anfänger in jedem Schreibkurs erfährt. Selbst die Hamburger Akademie des Schreibens müsste man demnach als "Kurs für E-Literatur" bezeichnen. ;) Dort lehren sie das alles nämlich.

 

Du musst da überhaupt nichts "anpassen", sondern es einfach nur so anwenden, wie man es eben anwendet. Und wieso dir das vorher verwehrt blieb, ist mir auch ein Rätsel ... denn wie gesagt, das sind Grundlagen des Schreibens (egal ob für E oder U), die man überall nachlesen und lernen kann. Angefangen im alten Sol Stein, Über das Schreiben, bis zu heutigen Schreibkursen.

 

Daher verstehe ich nicht ganz was du da in der E-Literatur entdeckt hast, das vorher irgendwie nicht zu erkennen war. Ich will deinen Eifer wirklich nicht bremsen oder kleinmachen oder sonst was in der Richtung. Es ist super und ganz wichtig, wenn Autoren entdecken, dass Sprache etwas fantastisches ist, das man damit herrlich spielen kann und gezielt Effekte hervorrufen. Aber das hat wirklich nichts - ohne jetzt auf dieser Unterscheidung rumreiten zu wollen - mit E oder U zu tun.

 

Du kannst selbstverständlich im Unterhaltungsgenre genau dieselben Dinge tun! Die Leser werden es dir danken. Denn es gibt ja tatsächlich, wie wir alle wissen, diesen Einheitsbrei.

Man wird aber auch feststellen, dass viele bekannte Bücher aus der Genreliteratur gleichzeitig auch "irgendwie raffiniert" geschrieben sind, wie es neulich mal ein Leser ausdrückte. Der Leser kann nicht so recht den Finger drauflegen was genau ihn so gefesselt hat.

Das schafft der Einheitsbrei nicht. Dazu gehört schon auch ein gewisser Stil. Selbst in der U-Literatur.

 

LG

Martina

http://smilies.montsegur.de/05.gif

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Liebe Martina,

 

Ja, ich glaube, wir reden da in der Tat ein wenig aneinander vorbei.

Ich bin die Letzte, die der Genre-Literatur irgendwelche Raffiniertheit absprechen würde. Oder behaupten, alles wäre nur Einheitsbrei und die Genre-Autoren würden mit der Sprache nicht umgehen können. Du siehst die Sache anscheinend sehr global, mir dagegen geht es um die Details.

Der Fakt ist, dass vieles, was die Sprache bietet, bei der Genre-Literatur nicht so beachtet/eingesetzt wird, wie es uU möglich wäre. (Und das ist auch keine Allgemeinaussage, denn natürlich kenne auch ich sehr raffinierte Genre-Bücher, und liebe sie gerade deswegen). Dadurch scheiden viele Möglichkeiten aus, einigen Autoren wird das nicht einmal bewusst, die anderen verzichten ganz gezielt darauf. Zb. hat Ulf in diesem Thread schon erwähnt, dass er es bedenklich findet, den Erzähltext an die Perspektive der Figur anzupassen. Für mich ist es eher die Frage: Wie stark darf die Anpassung gehen, damit der Text insgesamt homogen wirkt und den Genre-Leser nicht abschreckt?

 

Die E-Literatur lehrt mMn etwas ganz Wichtiges: Mut zu haben.

 

Sie sagt mir: Sprache macht alles möglich, du DARFST alles. Wenn der Inhalt danach verlangt, kannst du auch Wortwiederholungen und Adjektive einsetzen, auch die können eine unglaubliche Wirkung haben, wenn man weiß, wie man mit ihnen umgeht und was man dadurch erreicht. Die üblichen Ratgeber raten aber meistens davon ab: Keine Wortwiederholungen, sparsam mit Adjektiven umgehen - das ist doch das erste, was ein Jungautor lernt. Aber keiner dieser Ratgeber (zumindest nicht die, die ich gelesen habe), sagt, welche Wirkung diese Wortwiederholungen denn eigentlich haben, wie man sie bewusst verwenden kann.

Das aber bringt mir die E-Literatur näher, wenn ich die Texte genau unter die Lupe nehme. Hier kann ich nachspüren, was welche Wirkung genau hat, weil die Spielereien mit der Sprache in diesem Bereich auf einer ganz anderen Ebene geschehen.

Wie gesagt, es geht um konkrete Techniken (Welche Wirkung hat ein Text, wenn ich jeden Satz mit einem neuen Absatz beginne? Was passiert dagegen, wenn ich den Text ohne Absätze schreibe, was kann man damit ausdrücken?), nicht um die globalen Erkenntnisse, dass man die Sprache bestmöglichst nutzen soll. Denn dass jeder Autor die Sprache beherrschen und mit ihr umgehen sollte, ist doch klar.

 

Zum Thema Anpassung: Hier sollte jedem bewusst werden, dass in der Genre-Literatur vieles anders funktioniert, als in der E-Literatur. Genre-Leser lesen einen Text anders, das ist mir auch erst vor kurzem bewusst geworden. Es geht also darum, für den Text eine entsprechende Dosis zu finden, auf einige Spielereien womöglich zu verzichten usw.

 

Ich hoffe, das ist jetzt etwas klarer geworden.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Liebe Olga,

 

experimentiere nach Herzenslust. Dagegen ist nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Nur kann man über gewisse Mittel aber auch unterschiedlicher Meinung sein. Und E und U hat meiner Meinung nach damit nichts zu tun. Es kommt immer auf den Zweck an, den du in einem Text verfolgst und ob die Wirkung beim Leser nachher auch dem gewollten entspricht. Ob es den Text bereichert oder den Leser ermüdet, das musst du dann herausfinden.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Die E-Literatur lehrt mMn etwas ganz Wichtiges: Mut zu haben.

 

Sie sagt mir: Sprache macht alles möglich, du DARFST alles. Wenn der Inhalt danach verlangt, kannst du auch Wortwiederholungen und Adjektive einsetzen, auch die können eine unglaubliche Wirkung haben, wenn man weiß, wie man mit ihnen umgeht  und was man dadurch erreicht. Die üblichen Ratgeber raten aber meistens davon ab: Keine Wortwiederholungen, sparsam mit Adjektiven umgehen - das ist doch das erste, was ein Jungautor lernt. Aber keiner dieser Ratgeber (zumindest nicht die, die ich gelesen habe), sagt, welche Wirkung diese Wortwiederholungen denn eigentlich haben, wie man sie bewusst verwenden kann.

Das aber bringt mir die E-Literatur näher, wenn ich die Texte genau unter die Lupe nehme. Hier kann ich nachspüren, was welche Wirkung genau hat, weil die Spielereien mit der Sprache in diesem Bereich auf einer ganz anderen Ebene geschehen.

 

Dir, liebe Olga, bringt die Beherrschung der deutschen Sprache die Beschäftigung mit der sogenannten E-Literatur näher; ich hingegen habe in diesem Handwerksbereich, seit ich im Forum bin, dafür plädiert, die Schreibschulregeln nicht so eng zu sehen, sondern auf das eigene Gespür für Sprache, Inhalt und Stimmung zu hören.

 

Und so geht es vielen anderen, glaube ich, auch.

 

Die Kluft zwischen der von Dir so genannten E-Literautur und Genreliteratur damit aufzureißen, finde ich persönlich ein wenig unpassend.

 

Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Andrea, ich habe das Gefühl, du hast nicht richtig gelesen, was ich geschrieben habe.

Es geht nicht um die Kluft, die habe ich gar nicht aufgerissen, sogar umgekehrt, ich habe hier oft genug betont, dass beide Seiten sehr viel voneinander lernen können. Und gerade darum geht es mir.

Wer intuitiv und nach seinem Gefühl für Sprache alles, was ihm vorschwebt, umsetzen kann, ist doch gut. Wer wissen möchte, WIE und WARUM etwas funktioniert, vielleicht sogar mehr Techniken kennenlernen, der findet vielleicht in sprachlich guter Literatur (egal ob E oder U) ein paar neue Ansätze. Mir hat gerade die E-Literatur in der letzten Zeit viele Tricks im Umgang mit der Sprache gezeigt, eben Sachen, über die ich früher nicht so intensiv nachgedacht habe. DIese Gedanken wollte ich hier mit anderen teilen, wen das nicht interessiert, der braucht sie weder zu lesen, noch für sich irgendwie anzunehmen.

 

Es geht nicht um "Richtig" oder "Falsch", es geht auch nicht darum, was ein guter oder ein schlechter Stil ist. Das entscheidet jeder selbst und nach seinem eigenen Ermessen, bzw. nach dem, was er mit seiner Geschichte erreichen möchte.

 

Olga

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Ich verstehe was du sagen willst, Olga. Glaube ich zumindest. ;)

Mich störte lediglich, dass du dieses Spiel mit Stil und Sprache der E-Literatur zuordnest. Denn auch in U sind NATÜRLICH Wortwiederholungen als Stilmittel üblich! Die Regel, von der du sprichst wenn du sagst "es heißt dort ..." ist ein Rat an blutige Anfänger, nämlich auf UNGEWOLLTE (versehentliche) Wortwiederholungen zu achten. Dasselbe gilt für sinnlos gesetzte inflationäre Füllwörter und Adjektive.

 

Hier haben wir, glaube ich ,einfach das, was Andrea auch schon gesagt hat: "Regeln" und Empfehlungen zu wörtlich nehmen, anstatt sie als das zu sehen was sie sind. Eine Hilfe für Anfänger, eine Richtschnur. Selbstverständlich "darf" man auch in der U-Literatur Regeln brechen, wenn man es bewusst tut, sodass ein Lektor auf den ersten Blick erkennt, dass es sich hier beispielsweise nicht um Wortwiederholungen handelt, sondern die gewünschte Wirkung des Textes auch bei ihm ankommt und ihn begeistert.

 

Aber um auf das Thema des Threads zurückzukommen: Der eigene Stil definiert sich für mich auch aus Wortwahl, Wortgewandheit, geistreich sein, Ausdruck des Autors (nicht nur durch eine bestimmte Formatierung oder fehlende Satzeichen). Woran man ihn quer durch alle Genres tatsächlich wiedererkennen könnte. Es gibt Autoren, da sieht man gleich: das ist typisch der und der. Die Sprache eines Autors, sein Ausdruck, ist für mich meist das Wichtigste am Lesevergnügen, gleich neben interessanten Figuren, weniger der Plot.

Was auch für Genreliteratur gilt!

 

LG

Martina

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Mich störte lediglich, dass du dieses Spiel mit Stil und Sprache der E-Literatur zuordnest.

Das muss dich aber nicht stören, denn das tue ich ja gar nicht. Ich betone in JEDEM Posting, dass ich für mich in der E-Literatur in der letzten Zeit viele Techniken entdeckt habe, die mir ein paar Aha-Erlebnisse beschert haben.

Über diese Techniken zu diskutieren (und inwiefern sie für die U-Literatur passend sind, denn wie Melanie schon im anderen Thread betont habe: Blind darf man das nicht übernehmen) finde ich spannend. Aber das bedeutet keineswegs, dass in der U-Litertaur diese Techniken nicht zu finden sind. Wie gesagt, es geht nicht um "richtig" oder "falsch". Sondern einfach nur um verschiedene Methoden, mit der Sprache umzugehen.

 

Denn wenn wir über Plottechniken diskutieren, fühlen sich die Bauchschreiber auch nicht in irgendwelcher Weise diskriminiert, sondern sagen einfach nur ihre Meinung, wie sie ihre Plots entwickeln. Gerade dafür gibt es ja dieses Unterforum, um sich über verschiedene Methoden und Vorgehensweisen zu unterhalten, egal, von wem diese kommen.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Ich fühle mich nicht diskriminiert, Olga. Es geht darum, dass es einfach eine Falschbehauptung ist zu sagen, diese oder jene Technik (die du aufgezählt hast) "gehöre" in die E-Literatur und ach schaut doch mal, was U davon lernen kann! :s07

Wieso sollte die U-Literatur etwas dazulernen, was schon längst ein Bestandteil von ihr ist? Diese Techniken gelten für das SCHREIBEN allgemein. Sie sind völlig genreunabhängig. Und wer das Schreiben mit Hand und Fuß lernt, wird sie beigebracht bekommen. Ob und wie er sie später anwendet ist eine andere Sache.

 

Ich würde nichts sagen, wenn du gesagt hättest, dass Autoren der Genreliteratur diese Techniken doch auch benutzen sollten. Dass auch die Genreliteratur das Spiel mit Stilen und Techniken verdient hat. Das würde hier in den "eigenen Stil" Thread gut reinpassen.

 

Daher mal meine Frage an alle: Wie sehr lasst ihr euch bei der Stilfindung von vermeindlichen Genrevorgaben beeinflussen? Mit Stil meine ich jetzt euren persönlichen Schreibstil, euren Ausdruck! Nicht ob ihr Cliffhanger schreibt oder mindestens 3 Sexszenen, oder sonst irgendwelche Vorgaben.

 

LG

Martina

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Es geht darum, dass es einfach eine Falschbehauptung ist zu sagen, diese oder jene Technik (die du aufgezählt hast) "gehöre" in die E-Literatur

Aber genau das sage ich eben nicht, sondern nur, dass ich diese oder jene Technik eben in der E-Literatur entdeckt habe (die ich gelesen habe). Und eben in der U-Lietartur (die ich gelesen habe) oft vermisst habe.

 

Und der Punkt ist, dass eben beide Seiten voneinander lernen können. Oder, wenn es dir besser gefällt: Für sich wiederentdecken. Falls sie das wollen.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Martina hat schon ganz recht - warum sollte "die Genreliteratur" im Allgemeinen etwas von der sogenannten E-Literatur im Allgemeinen etwas lernen, was sie sowieso schon kann.

 

Wenn Du die allgemeinen Bezüge herausnimmst, darf das im Einzelfall stimmen. Sag also, wenn Autor X, der schlampige Genreliteratur schreibt, sich beispielsweise mal den Titel X der E-Literatur anschauen wollte, dann könnte er möglicherweise etwas daraus lernen.

 

Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Ja, Andrea, so kann ich das auch stehenlassen.

Mich störte nur die Verallgemeinerung, die immer wieder junge Autoren verwirrt und ausbremst mit Aussagen wie: Dies und jenes wird erwartet, Adjektive sind eine Erfindung des Teufels, die Verlage wollen nur dies und das, gewollte Wortwiederholungen werden generell gestrichen .... das alles sind immer wiederkehrende Beispielbehauptungen, die jetzt nichts mit Olgas Aussagen zu tun haben! Es ging nur in diese Richtung, was meinen Widerspruchsgeist anregte. ;)

 

LG

Martina

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Sag also, wenn Autor X, der schlampige Genreliteratur schreibt, sich beispielsweise mal den Titel X der E-Literatur anschauen wollte, dann könnte er möglicherweise etwas daraus lernen.

Genau DAS sollte man vermeiden. Denn das wäre ein persönlicher Angriff gegen den besagten Autor, der sicherlich nicht mit Absicht schlampig arbeitet und sich ganz sicher nichts von mir oder irgendjemandem sonst vorschreiben lassen würde, wie man es denn möglicherweise "besser" macht.

Zumal der Geschmack des Lesers/Kritikers auch eine große Rolle spielt.

 

Es ist also schön, wenn man etwas allgemeiner über die Techniken diskutiert und die eigene Meinung als solche kennzeichnet (statt auf einen Autor mit dem Finger zu zeigen).

Das habe ich auch gemacht, indem ich eben darauf hingewiesen habe, wie ich etwas sehe und was ich in der E-Literatur für mich entdeckt habe. Dabei sage ich nicht, dass das in der U-Literatur gar nicht vorkommt.

Ich bin aber durchaus der Meinung, dass einige Genre-Autoren viel für sich in der E-Literatur entdecken können, sowie viele E-Autoren vieles von der Genre-Literatur lernen können. Niemand ist dabei schlecht oder unfähig. Man muss nur ein wenig aufgeschlossener sein. Wie gesagt, es ist keine Einbahnstraße.

 

@Joy

 

Ja, ich lege solche Bücher gnadenlos weg. Denn das ist ja der Stil! Der Ausdruck des Autors. Wenn der mich von Seite zu Seite mehr nervt, kann ich das Buch nicht genießen.

Wenn ihm genau das fehlt, was Lesen zum Vergnügen macht: Das Spiel mit inneren Bildern und Worten.

Ich schätze, diese Diskussion passt in diesen Thread besser.

 

Wenn etwas NERVT, dann kann auch ich nicht weiterlesen. Vor kruzem habe ich ein paar Bücher weggelegt, obwohl der Klappentext sich sehr interessant anhörte. Aber ob die Handlung wirklich spannend wie erwartet ist, das habe ich nicht rausfinden können, weil ich nach 10 Seiten aufgegeben habe. Dabei haben die Bücher sehr viele begeisterte Leser! Wo ich mich schon frage, wie/auf welche Weise der Stil den Leser beeinflusst oder nicht. (Wo wir vielleicht wieder bei unterschiedlichen Erwartungen sind, die Leser an das Buch stellen. Denn auch Autoren lesen größtenteils anders, als "normale Leser", zumindest habe ich so das Gefühl)

Ich bin aber durchaus bereit, Bücher, die mich durch Handlung oder Figuren fesseln, zu lesen, auch wenn der Stil nicht raffiniert ist. Ich nenne das für mich "FastFood"-Literatur - sie sättigt, bietet mir aber keinen außergewöhnlichen Genuss. Ich könnte das nicht jeden Tag haben, aber ab und zu ist das nicht schlimm. Aber an solche Bücher gehe ich dann auch anders heran. (Und manchmal bin ich durchaus positiv überrascht)

 

Liebe Grüße,

Olga

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Liebe Olga,

ich persönlich finde deine Vorgehensweise sehr spannend, vielen Dank für deine interessanten Ausführungen! Das Thema beschäftig mich auch und ich würde dir gerne eine Frage stellen, die ich für mich noch nicht geklärt habe: Liest du die Bücher, von denen du etwas gelernt hast, durch und analysierst dann die dort auftretenden Stilmittel? Oder analysierst du schon beim Lesen?

 

Ich habe beide Varianten einmal ausprobiert und bin dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Also bei manchen Büchern passen die Stilmittel von der Wirkung her am Ende des Romans immer noch perfekt (für mich!) zur Geschichte. Bei anderen haben sie aber - wenn ich die ganze Geschichte kenne - auf einmal eine andere Wirkung. Manchmal entsteht dadurch ein Mehrwert dieser Geschichte, dass ich vor Begeisterung fast umfalle. Manchmal hat es aber den gegenteiligen Effekt: Ich bleibe ratlos zurück. In diesem Fall ist für mich (!) Form und Inhalt nicht aufgegangen, obwohl es eine zeitlang beim Lesen so war.

 

Ist dir das auch schon passiert? Wie analysierst du?

 

Ich hoffe, ich drücke mich nicht zu verwirrend aus...

 

Liebe Grüße

Lisa

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