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Andrea S.

Der eigene Stil

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Wie bei vielen Dingen im Leben, so auch beim Schreiben, sollte man nach seinem eigenen Stil suchen.

Auch das ist eine Frage, die sehr komplex ist (und vielleicht eines eigenen Threads wert). Wo liegt der Unterschied zwischen dem eigenen Stil und dem "gleichen Brei"? Ist es gut, wenn jemand sagt "Das ist dein Stil", oder bedeutet das, dass man tatsächlich nur das Gleiche produziert und sich überhaupt nicht weiterentwickelt?

 

Wie Olga schon richtig bemerkt hat, ist dieses Thema spannend genug, es mal zu beleuchten.

 

Was ist ein eigener Stil?

Wie erwirbt man ihn?

Wer hat ihn?

Wieviel Stiländerung verkraften die Leser?

Ist man ihm, wenn man ihn für sich gefunden hat, auf alle Zeiten verpflichtet?

 

Nein, ich frage nicht, was guter Stil ist  ;)

 

Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Hallo Andrea,

 

"Stil" ist für mich die charakteristische Art und Weise, wie ein Autor seine Texte sprachlich gestaltet und dramaturgisch aufbaut, schließt aber auch seine Themenwahl und seine Sicht auf die Welt ein.

 

Einen sehr prägnanten Stil hat beispielsweise Terry Pratchett, der in seinen Scheibenwelt-Romanen gesellschaftlich aktuelle Themen aufgreift und mit einem ganz eigenen Humor erzählt. Auffällig sind dabei seine präzise Beobachtungsgabe und sein humanistischer Hintergrund, der immer wieder durchscheint.

 

Ich glaube, der einzige Weg, zu einem eigenen, erkennbaren Stil zu gelangen, ist, jahrelang und sehr viel zu schreiben und seine Texte so oft zu überarbeiten, bis man seine eigene Stimme gefunden hat.

 

Christoph

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Hallo Andrea,

 

Einen sehr prägnanten Stil hat beispielsweise Terry Pratchett, der in seinen Scheibenwelt-Romanen gesellschaftlich aktuelle Themen aufgreift und mit einem ganz eigenen Humor erzählt. Auffällig sind dabei seine präzise Beobachtungsgabe und sein humanistischer Hintergrund, der immer wieder durchscheint.

 

 

Als alter Pratchettianer muss ich hier mal einhaken, denn ich glaube, das meiste des oben gesagten gehört gerade NICHT in die Kategorie Stil.

Die Themenwahl für einen Autor mag vielleicht typisch sein, aber zum Stil würde ich sie genau so wenig zählen, wie einen wie auch immer gearteten Bildungshintergrund.

Stil ist das WIE der Literatur, nicht das WAS.

Beobachten lässt sich in der Fantasy mangels Möglichkeiten eigentlich nicht viel. Deshalb ist der Autor genötigt zu beschreiben, um eine lebendige Welt entstehen zu lassen und das möglichst anschaulich und präzise, aber auch sinnlich.

Dies wiederum tut T. P. auf eine Art, die ihn unverwechselbar macht.

Zum Stil von Pratchetts gehört für mich, dass er auch eine sehr auffällige Art und Weise Analogien und Bilder aus UNSERER Welt nutzt, um seine eigene, phantastische zu beschreiben. Das irritiert zunächst ein wenig, wenn man es gewohnt ist, dass Fantasy gar zu gerne in einer archaisierenden Sprache daher kommt.

Aber wer außer Pratchett würde es wagen, statt "Er erkannte im Blick des Fremden eine mühsam zurückgehaltene Bewunderung für seine Reaktion." folgendes zu schreiben (zitiert aus dem Gedächtnis): "In seinen Augen hoben zwei Preisrichter widerwillig eine Acht."

Das ist so plastisch, dass man es greifen kann und so komisch im Ausdruck, dass ich laut gelacht habe, als ich es gelesen habe.

Ein weiteres, stilistisches Charakteristikum Pratchetts ist seine Dialogführung. Sie ist realistisch und dem gesprochenen Wort nahe und niemals an den Leser verlautbarend. Dazu nutzt er sie sehr geschickt, um über das Gesagte seiner Protagonisten Reaktionen und Handlungen zu transportieren, ohne sie zu benennen oder beschreiben zu müssen. Das hat im Szenischen schon fast etwas Filmisches.

Von der Dramaturgie her könnte man T. P. sowieso vom Blatt verfilmen.

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Ich glaube, ein eigener Stil entwickelt sich, einmal indem man sehr viel schreibt, wie Christoph sagt, aber auch, indem man sehr viel liest.

 

Im Ursprungsthread hat Olga berichtet, wie sie an ihren eigenen Texten Sachen ausprobiert, die ihr bei anderen Autoren aufgefallen sind.

 

Einen wirklich eigenen Stil hat man wohl dann, wenn der Leser anhand des Textes den Autor benennen könnte.

 

Wäre interessant, zehn Montségur-Autoren zum selben Thema etwas schreiben zu lassen und zu raten, welcher Text von wem ist. ;)

 

Viele Grüße,

 

Mascha

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Ein weiteres, stilistisches Charakteristikum Pratchetts ist seine Dialogführung. Sie ist realistisch und dem gesprochenen Wort nahe und niemals an den Leser verlautbarend. Dazu nutzt er sie sehr geschickt, um über das Gesagte seiner Protagonisten Reaktionen und Handlungen zu transportieren, ohne sie zu benennen oder beschreiben zu müssen.

 

Diese Beschreibung finde ich allerdings nicht nur auf Pratchett zutreffend. Das ist doch gerade im bereich der Dialogführung das, was man als guten Stil bezeichnet.

 

Zum eigenen Stil gehört würde ich eher bestimmte Arten zählen, wie genau man diese Effekte erreicht. Der eine dadurch, dass er gern mit abgebrochenen oder weggenuschelten Sätzen arbeitet, der nächste, dass er seinen Figuren Eigenheiten gibt, z.B. Karl May hat das gern gemacht, ich erinnere nur an Sam Hawkins "wenn ich mich nicht irre, hihihihi"

Ich glaube, Stil bedeutet, dass der Autor einen Fingerabdruck hinterlässt, der für ihn typisch ist. Und je besser der ist, um so häufiger wird er zu kopieren versucht. Und so findet man - glaube ich zumindest - auch seinen Stil. Als Anfänger lehnt man sich an ein schriftstellerisches Vorbild an, schaut, was man davon gut findet. Aber man kopiert es nicht stupide, sondern irgendwann kommt die eigene Erzählstimme zum Durchbruch und die zeigt dann den Unterschied zum Vorbild. Ich denke auch, dass Trends so entstehen.

 

Gruß, Melanie

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Stil ist das WIE der Literatur' date=' nicht das WAS.[/quote']

 

Aber das WAS bestimmt doch das WIE. Man kann den Inhalt nicht von der Form trennen. Würde Pratchett statt Satire beispielsweise epische Fantasy schreiben, wäre das stilistisch sicher anders. Schriebe er es auf die gleiche Weise wie die Scheibenwelt-Romane, wäre es keine epische Fantasy mehr.

 

Und natürlich beeinflusst der persönliche Hintergrund eines Autors dessen Stil. Ein linker Skeptizist wird Religion oder sozialer Ungleichheit in seinen Texten einen anderen Stellenwert zuweisen als ein Konservativer wie Tolkien und diese Themen auch sprachlich anders behandeln. Tolkien z.B. neigt dazu, Adel und Traditionen zu überhöhen, während der o.g. Skeptizist das sicher nicht tun würde. (Ist jetzt ein übertriebenes Beispiel, aber ich denke, es ist klar, was ich meine.)

 

Beobachten lässt sich in der Fantasy mangels Möglichkeiten eigentlich nicht viel.

 

Wenn man nicht nur über fremdartige Fabelwesen, sondern über möglichst real wirkende Menschen schreiben will, sollte man auch in der Fantasy ein guter Beobachter sein. Fantasy ist m.E. immer dann am besten, wenn sie die Menschen so darstellt, wie sie sind. Aber das kann sie nur, wenn der Autor gelernt hat, genau hinzuschauen. Aber das führt jetzt vom Thema weg ...

 

Christoph

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Die Frage wäre eigentlich, ob Pratchett auch in einem ANDEREN Stil schreiben kann oder könnte.

 

Ich kenne von ihm auch nur die Scheibenwelt-Romane, und hier gilt sicher, dass die Leser genau diese Art seiner Formulierungen in der schrägen fantastisch-magischen Welt verlangen.

 

Kennen wir Autoren, die in unterschiedlichen Werken unterschiedlich stilistisch arbeiten?

 

Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Die Frage wäre eigentlich' date=' ob Pratchett auch in einem ANDEREN Stil schreiben kann oder könnte.[/quote']

 

Schwer zu sagen. Seine anderen Romane kenne ich leider nicht.

 

Sicher ist, dass sich sein Stil im Lauf der Jahre stark gewandelt hat. Humoristisch-skurril war er schon immer, aber während die frühen Scheibenwelt-Romane noch stark slapstickhaft waren, sind die neueren deutlich vielschichtiger und nicht mehr ausschließlich auf Humor ausgelegt. Neben den satirischen Elementen gibt es auch sehr viele stille, nachdenkliche Momente, mit starkem Fokus auf den Figuren. Das ist übrigens etwas, das ich bei vielen Autoren beobachte: Mit der Zeit treten "Äußerlichkeiten" wie Action o.ä. mehr und mehr hinter den Charakteren zurück. Sieht man z.B. deutlich bei Neil Gaiman und seinem Sandman.

 

Christoph

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Die Frage wäre eigentlich' date=' ob Pratchett auch in einem ANDEREN Stil schreiben kann oder könnte.[/quote']

Er schreibt in "Nation" deutlich ernster als in den Scheibenweltromanen, aber ich finde, man erkennt seinen Stil immer noch sehr gut. Es kommen immer mal wieder Formulierungen vor, die man von ihm gewohnt ist, und die Art der Charakterzeichnung ist auch sehr ähnlich zu den Scheibenweltromanen, nur nicht ganz so übertrieben.

 

Ich denke nicht, dass man seinen Stil komplett ändern kann, wenn man ihn mal gefunden und sich daran gewöhnt hat. Einfach weil so viele verschiedene Aspekte einen Stil ausmachen. Es wurden hier ja schon einige genannt. Wenn man seinen Stil nun von Grund auf ändern wollte, müsste man sich auf all diese Aspekte gleichzeitig konzentrieren und überlegen, wie man sie anders angehen kann als sonst. Das würde sehr viel Arbeit und Zeit erfordern.

Der eine oder andere Aspekt ändert sich mit der Zeit, oder man trifft die bewusste Entscheidung, etwas daran zu ändern, aber alles auf einmal zu ändern dürfte sehr schwer bis unmöglich sein.

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Im Thread "Minimieren und Konzentrieren" (Link ungültig) (Link ungültig) hat Hans Peter folgendes geschrieben:

Stil ist ja nichts statisches, er hängt vom Inhalt ab. Wenn ein Autor hölzerne Dialoge schreibt, muss nicht das mangelnde Stilverständnis daran schuld sein. Oft habe ich erlebt, dass der mangelnde Stil ein Zeichen dafür ist, dass der Autor noch nicht in der Person "drin" ist. Wenn er sich intensiv mit der Person auseinandersetzt, in sie hineinkriecht, dann werden plötzlich die Dialoge lebendig und der Stil auch.

 

Hans Peter

 

Ich finde, diese Frage passt besser in den Stil-Thread, deshalb möchte ich hier darauf eingehen.

 

Für mich persönlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Stil des Autors und dem Stil/der Sprache eines einzelnen Romans. Beides bedeutet nicht unbedingt das Gleiche.

 

Der Stil des Autors umfasst nach meinem Verständnis sehr vielen Facetten: Seine Themen, seine Vorlieben, seine Methoden, seine Schwerpunkte, seine Eigenarten usw. usf. Den eigenen Stil zu finden bedeutet für mich, eigene Stärken/Schwächen zu kennen und damit richtig umzugehen; die eigene Handwerkskiste kennen und die Mittel darin gut (und auf eigene Art) verwenden zu können; wissen, wie man das ausdrückt, was man zu sagen hat usw. Der Stil kann sich entwickeln, wenn man dazulernt, sich andere Methoden aneignet und Ähnliches. Und auch wenn man Romane im gleichen Stil schreibt, werden sie nicht unbedingt gleich sein - und da kommen wir zum Unterschied bzgl. Einheitsbrei. Darunter verstehe ich Romane, die so gleich sind, dass man das Gefühl hat, es wurden bloß die Namen ausgetauscht und als eigene Geschichte präsentiert. (Gerade vor Kurzem hatte ich eine Para-Reihe in der Hand gehabt, wo es mir besonders aufgefallen ist)

 

Die Sprache/Der Stil eines Romans ist dagegen etwas Anderes. Ich muss zugeben, früher habe ich mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht, weil für mich - als Genre-Autor - die Handlung und die Figuren im Vordergrund stehen. Durch sie ändert sich eben die Geschichte, weswegen ein Roman nicht zum Abziehbild eines anderen wird, denn die Figuren treffen andere Entscheidungen, agieren anderes, je nachdem, was ihnen ihr Charakter vorschreibt. Allein dadurch verändert sich der Roman.

Dann habe ich mich mit einer sehr lieben Autorin unterhalten und sie hat mich gefragt: "Wie wählst du denn den Stil für den jeweiligen Roman aus?"

Diese Frage hat mir die Augen geöffnet und beschäftigt mich schon seit Wochen. Denn ich habe eingesehen, dass ich viel mehr Möglichkeiten habe, meine Geschichte intensiver zu erzählen, wenn ich die Sprache/den Stil im jeweiligen Roman (oder gar in der jeweiligen Perspektive) variiere.

Mit anderen Worten: Wenn ich eine verwirrte Figur habe, kann ich das zB. in ihrer Sicht bereits in der Sprache wiedergeben. Eine bildungsarme Figur könnte einfachere Sätze und Wörter verwenden usw. usf.

Gut, mit den Figuren, die so deutliche Merkmale ihres Wesens haben, ist es natürlich leicht, eine eigene Sprache für sie zu entwickeln. Schwieriger ist es - und worüber ich mir seit wochen Gedanken mache - wenn die Figuren "normal" sind. Konkret: Wie kann ich zB. allein durch die Sprache/den Stil meine Hauptfiguren voneinander abheben? So, dass man ihre Sicht nicht nur durch die Perspektive kenntlich macht, sondern auch durch den Stil des Textes. (Für mich bedeutet das: Tiefer in die Figuren gehen! Denn sonst kann ich die Unterschiede nicht erkennen)

Und ist es für die Genre-Literatur überhaupt gut? Mein Gefühl sagt: Ja. Aber Konkretes werden erst Vorher-Nachher Vergleiche zeigen.

Noch bin ich mit der Minimalanalyse beschftigt, aber danach möchte ich die Perspektivesprache anpacken und sie näher untersuchen. Mal sehen, was das bringt, ich bin jedenfalls gespannt.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Und ist es für die Genre-Literatur überhaupt gut? Mein Gefühl sagt: Ja. Aber Konkretes werden erst Vorher-Nachher Vergleiche zeigen.

 

Aber selbstverständlich ist ein den Figuren, Zeiten und Situationen angepasster Stil, Verwendung von unterschiedlichsten Stilmitteln in der Genre-Literatur üblich. Das ist kein Reservat der sogenannten Hochliteratur.

 

Dann es nicht jeder macht oder kann ist eine andere Sache.

Aber es ist bei Weitem nicht so, dass Autoren der Unterhaltungsliteratur alle nur schlichten Erzählbrei produzieren oder nicht darüber nachdenken, auf welche Weise ihre Geschichte auch der Form nach erzählt werden kann oder muss.

 

Der Stil des Autors, die persönlichen Vorlieben für gewissen Stilmittel, eine authentische Sprache, in der sich auch die innere Einstellung widerspiegelt, die Art des Zugehens auf den Leser - das sind Nuancen, die m.E. kaum oder nur sehr schwierig zu analysieren sind, weil sie im Kontext mit der Person zu sehen sind.

 

Andrea

Neu: Das Gold der Raben. Bald: Doppelband Die Spionin im Kurbad und Pantoufle

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Konkret: Wie kann ich zB. allein durch die Sprache/den Stil meine Hauptfiguren voneinander abheben? So, dass man ihre Sicht nicht nur durch die Perspektive kenntlich macht, sondern auch durch den Stil des Textes. (Für mich bedeutet das: Tiefer in die Figuren gehen! Denn sonst kann ich die Unterschiede nicht erkennen)

Und ist es für die Genre-Literatur überhaupt gut? Mein Gefühl sagt: Ja.

Warum sollte das in Genre-Literatur nicht gebräuchlich sein?

Ich habe, ehrlich gesagt, mir vorher keine großen Gedanken darüber gemacht ... aber jetzt, wo du es sagst ... ich tue das die ganze Zeit und andere Autoren sicher ebenso. Der Ich-Erzähler in meinem ersten Buch redet mit einer ganz bestimmten Stimme und Sicht auf die Dinge. Im Zweiten erreiche ich Ähnliches mit diversen Figuren durch Perspektivwechsel, bei denen der Leser die jeweilige Figur quasi denken hört. Dabei ändert sich vorübergehend die Ausdrucksform, der Autor schlüpft in die Rolle der jeweiligen Person.

 

Nur glaube ich, das ist noch etwas anderes als "der eigene Stil" eines Autors oder "die eigene Stimme". Es würde mich interessieren, was ihr alle darunter genau versteht.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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ich tue das die ganze Zeit und andere Autoren sicher ebenso.

Dein Buch habe ich nicht gelesen, aber ich kenne nur sehr wenige Genre-Bücher, in denen sich die Sprache der jeweiligen Perspektive sich erkennbar unterscheiden würde. Zumindest nicht so, wie ich es meine und wie ich es in meinen Romanen gerne sehen würde.

(Denn natürlich fließt der Charakter der Figur in die Darstellung der Perspektive und ihre Dialoge ein, aber das meine ich nicht)

 

Viele Grüße,

Olga

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Ich finde, diese Frage passt besser in den Stil-Thread, deshalb möchte ich hier darauf eingehen.

 

Für mich persönlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Stil des Autors und dem Stil/der Sprache eines einzelnen Romans. Beides bedeutet nicht unbedingt das Gleiche.

Olga, da sagst du was ganz Wichtiges. Ich habe automatisch mit "Stil" immer "Schreibstil" assoziiert. Und das tun viele in Deutschland, vor allem Literaten, aber ich denke auch Genreautoren.

 

Das muss man sich klarmachen, sonst redet man aneinander vorbei. Im Thread über Minimalistisch/konzentriert beziehen sich meine Bemerkungen über "Stil" auf "Schreibstil".

 

Natürlich hat jeder Autor (wenn er hat) aber viel mehr Dinge, die seinen "Stil" durchscheinen lassen. Die Art und Weise, wie er sein Thema behandelt zum Beispiel. Machtmißbrauch kann man als Fantasy behandeln oder als zeitgenössischen Roman oder als Krimi oder ...

 

Um nur mal ein einfaches Beispiel zu nennen.

 

Und ich glaube, heute kann (und sollte) man auch in der Genreliteratur durchaus seinen Stil pflegen. BEsser gesagt, ihn erst mal entwickeln. Denn als Anfänger fängt man erst mal mit Kopieren an. Man kopiert die Schreibregeln oder einen bestimmten AUtor. In den letzten Jahren habe ich Klagenfurt nicht so verfolgt, aber früher war selbst mir als Nicht-Literaturwissenschaftler aufgefallen, wie sehr fast alle versuchten Raimund Carver zu kopieren. Nicht bewußt vermutlich.

 

Einen eigenen Stil zu entwickeln, ist sicher sehr, sehr schwierig. Auch weil es soviele Arten bereits gibt. Den hardboiled Detektiv zum Beispiel. Obwohl man auch dem einen eigenen Stil geben kann, zum Beispiel, weil er eindeutig aus einer Stadt/Region kommt. "Papierkrieg" da ist der Hardboiled Detective, der einsame Wolf ganz eindeutig ein Wiener und ermittelt in Wien.

 

Wambaugh merkt man an, dass er Cop war und in Südkalifornien zu Hause ist, LA und San Diego und seine Figuren leben dort, er betrachtet sie mit Distanz, viel Ironie aber auch mit ebensolcher Liebe. Da gewinnt auch ein kleiner Gauner plötzlich das Herz des Lesers. Dazu seine ganz eigenen auktorialen Einsprengsel, die im Gedächtnis bleiben. "Polizisten sind Zyniker, nicht, weil sie soviele schlimmen Menschen erleben, sondern soviele normale Menschen in ihren schlimmsten Momenten."

 

Oder ein liebeskranker Polizist, der erstmals in seinem Leben Country Musik hört und immer das Gefühl hat: Die Country-Sänger "kept spying into his head".

 

Aber was ist guter Stil?

 

Sorry, keine Ahnung. Wie so oft, lässt sich die NEgation sehr viel einfacher beantworten. Was ist kein guter Stil.

 

Ein aufgesetzter Stil, der nicht zum Inhalt passt. Personen, die tun, was der Autor meint, dass sie tun müssten, damit es kein Kitsch ist. Oder damit es literarisch wertvoll ist. Oder weil man im Genre X ebenso schreiben muss.

 

Zurück zum Sprachstil: Der wird ganz wesentlich von der Geschichte bestimmt und den Figuren. Wie schon im anderen Thread gepostet, ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass Autoren dann, wenn sie wirklich in ihren Personen drin sind, plötzlich ganz anders - viel besser! - schreiben, als wenn sie ihre GEschichte von außen betrachten. Da tritt dann die Konstruktion der GEschichte in den Vordergrund und wenn die zu sehen ist, dann wirkt das Ganze "konstruiert" und hat eben keinen Stil. Zumindest keinen guten.

 

Hans Peter

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Das muss man sich klarmachen, sonst redet man aneinander vorbei.

Die Erfahrung habe ich auch kürzlich gemacht, es gibt sehr viele Momente, bei denen man zu wissen glaubt, wovon man redet, und später stellt sich heraus, dass der Gesprächspartner doch etwas vollkommen anderes meinte.

 

Deshalb möchte ich noch einmal verdeutlichen: Wenn ich über die Sprache/den Stil einer Perspektive spreche, meine ich Fälle, die aus der Sicht eines Ich-Erzählers oder aus der Sicht eines Personalen Erzählers geschrieben sind (ich glaube, ein Auktorialer Erzähler ist eine andere Baustelle, er bleibt für den gesamten Roman konstant). Dabei meine ich nicht das Verhalten einer Figur, ihre Dialoge, innere Ansichten, ihre Gedanken etc. epp. Ich meine den "erzählerischen Text".

Um ein sehr primitives Beispiel zu nennen: Nehmen wir an, ich hätte 2 Figuren, einen Mann und eine Frau. Ich schreibe eine Szene, wie die Figur aufwacht, zum Fenster geht und sich eine Zigarette anzündet. Eine Banalität eben.

"Er wachte auf, ging zum Fenster und zündete sich eine Zigarette an." - das ist ein "Erzählerischer Text", der aus der Sicht der Figur geschrieben ist. Ich kann ihn sowohl für die Frau, als auch für den Mann schreiben, wenn ich "er" mit "sie" ersetze. Anders ist es - und das ist es, was ich mit dem Stil einer Perspektive meine - wenn ich bereits im Erzählerischen Text die Figur kenntlich mache. Nehmen wir an, der Mann ist ein Hektiker. Ich könnte dann kurze, manchmal unvollständige Sätze verwenden, um das zu transportieren:

"Er wachte auf. Ging zum Fenster. Endlich - die Zigarette."

Hier entsteht mMn schon ein ganz anderes Gefühl, als in der Version mit Kommas und der "und"-Verbindung.

 

In diesem Sinne: @Ulf

Es wäre vielleicht interessant, wenn du ein Beispiel aus deinem Roman zeigen würdest, in dem du allein durch den erzählerischen Text deine Figur erkennbar machst. Wie gesagt, das Thema interessiert mich brennend und ich sammle wirklich gern Erfahrungen in dem Bereich, wie man was allein durch einen erzählerischen Text transportieren kann.

 

@hpr

Um nur mal ein einfaches Beispiel zu nennen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe. Du sprichst gerade nur von den Figuren, oder?

 

Aber was ist guter Stil?

Weißt du, ich glaube, die Antwort hast du bereits selbst gegeben: Es ist, wenn der Stil und der Inhalt miteinander harmonieren und einander ergänzen. Zumindest sehe ich das so.

 

Liebe Grüße,

Olga

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@hpr

Um nur mal ein einfaches Beispiel zu nennen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe. Du sprichst gerade nur von den Figuren, oder?

In dem Fall sprach ich von dem gesamten, wie ein Autor sein Thema, seine Geschichte darstellt. Das ist auch ein persönlicher Stil (oder kann einer zumindest einer sein).

 

Aber was ist guter Stil?

Weißt du, ich glaube, die Antwort hast du bereits selbst gegeben: Es ist, wenn der Stil und der Inhalt miteinander harmonieren und einander ergänzen. Zumindest sehe ich das so.

Aber das verschiebt die Antwort nur. Denn wann harmonieren Stil und Inhalt miteinander?

 

Hans Peter, der schon etwas mehr als müde ist - aber bestimmte Dinge drehen sich dennoch weiter im Kopf

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Hallo Olga,

 

du wolltest ein Beispiel. Ich weiß nicht, ob es hundertprozentig zu dem passt, was du meinst. Aber zumindest zeigt es einen unmerklichen Perspektivwechsel von einer Person zur anderen. Unmerklich im Sinne, dass man die Dinge zuerst aus der Sicht des Sohnes sieht, diese auch nicht ganz verlässt und doch sich der Person des Vaters immer mehr annähert, nur durch die Dialoge, ohne dass man darauf in narrativer Form hinweist.

 

Es handelt sich um Vater und Sohn, die sich seit Jahren nur gestritten haben, nicht mehr miteinander reden konnten. Der Sohn liegt im Kerker einer Festung. Man hat ihn gefoltert, und der Vater holt ihn raus.

 

„Felipe, mon filh“, hörte er die Stimme seines Vaters. „Was haben sie mit dir gemacht?“

„Du hier?“, flüsterte er.

„Wer hat dich so zugerichtet?“

„Ich weiß nicht. Ein Wachmann.“ Er merkte, dass er wie eine krächzende Krähe klang und räusperte sich. Dabei stachen ihn wieder die Rippen. „Auf Tibauts Befehl.“

Jetzt hatten seine Augen sich an die Helligkeit gewöhnt und er konnte den Vater erkennen. Er sah ihn grimmig nicken. „Natürlich. Tibaut“, hörte er ihn sagen. „War Ermessenda daran beteiligt? Es ist mir wichtig, dies zu wissen.“

Felipe schüttelte den Kopf. „Wenn la Bela nicht wäre, würde er mich noch ganz anders angehen, hat er gesagt.“

„Und was, um Gottes willen, ist mit deiner Hand?“

„Sie haben auf meine Knöchel geschlagen, mit einem Hammer.“ Er blickte an sich herab. Die Hand war wie eine aufgeblähte Schweinsblase. „Sieht komisch aus, was?“

„Ach, Felipe. Ich hatte schreckliche Angst um dich“, hörte er seinen Vater sagen und war erstaunt über die sanften Finger, die durch sein Haar strichen, und vor allem über die Liebe in seinen Augen. Plötzlich fühlte er sich wieder wie der kleine Junge, der er einmal gewesen war, wohl und sicher in den Armen des Vaters. Er konnte den Schluchzer nicht verhindern, der ihm aus der Brust drang. Aber dann riss er sich zusammen.

„Wie kommt es, dass sie dich zu mir gelassen haben?“

„Ich bin gekommen, um dich hier rauszuholen, mein Sohn. Narbona ist befreit vom Joch der Tolosaner. Ermengarda hat die Stadt erobert. Und ich hatte die große Freude, an ihrer Seite zu kämpfen.“

„Die Stadt erobert?“ Mit Staunen lauschte er den Einzelheiten, die sein Vater ihm erzählte. Katalanische Ritter, Raimon und die Bürger, Ermengarda im Kettenpanzer, Arnaut, der den Graf von Tolosa gefangen hatte. Es war unglaublich.

„Wo ist Ermengarda? Warum ist sie nicht hier?“

„Sie ist beschäftigt. Außerdem wollte ich zuerst allein mit dir reden“, sagte Peire de Menerba. In seinen Blick lag aufrichtige Zerknirschung. „Ich wollte dich um Verzeihung bitten. Ich hatte vergessen, dir ein guter Vater zu sein. Und das wegen einer Frau. Sie war es wohl nicht wert, aber ich habe sie geliebt. Vielleicht tue ich es noch immer.“

„Und was geschieht jetzt mit ihr?“

„Man wird sehen. Vorerst ist sie Ermengardas Gefangene.“

Fast schüchtern berührte Felipe die Hand seines Vaters. „Ich weiß jetzt, wie das ist, Vater.“

Erstaunt sah Peire ihn an. Dann nickte er. „Ich habe davon gehört. Auch von eurem Schwertkampf.“ Er seufzte. „Der Mensch legt seine Pläne, Felipe. Doch dann kommt fortuna daher und macht mit uns, was sie will. Manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten. Und am Ende ist doch alles Gottes Wille. Man muss es nehmen, wie es kommt. Solange wir unsere Würde nicht verlieren, mein Sohn. Und das, an was wir glauben.“

 

Zumindest glaube ich, dass die Empathie des Lesers von einer Figur zur anderen übergeht, oder beide umschließt. Es ist aber kein Stilwechsel.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Olga. Noch ein paar Worte dazu. Der Text besteht in der Hauptsache aus Dialog, kaum Narratives. Der Sohn ist benommen, dass sein Vater plötzlich in seiner Zelle auftaucht, und kriegt nicht mehr als kurze, etwas verlegene Sätze heraus. Der Vater ist schockiert, ihn so zu sehen. Deshalb spricht auch er anfänglich nur kurze Sätze. Dann scheint er sich zu beruhigen, er spricht in etwas längeren, nachdenklichen Passagen. Ein unterschiedlicher Sprachstil der beiden.

 

Obwohl es eine gefühlvolle Szene ist, werden keine Gefühle ausgewalzt. Man spürt sie nur zwischen den Zeilen. Am Ende ein schweigsames Verständnis und Versöhnung zwischen ihnen und eine gewisse Resignation des älteren und erfahreneren Vaters. Adjektive auch nur wenige, keine übertriebene Dramatik. Nichts lenkt von dem ab, was zwischen den beiden vorgeht.

 

Ich glaube, das kommt dem nahe, was du mit Minimieren und Konzentrieren im Neben-Thread behandelt hast.

 

LG

Ulf

Die Montalban-Reihe, Die Normannen-Saga, Die Wikinger-Trilogie, Bucht der Schmuggler, Land im Sturm, Der Attentäter, Die Kinder von Nebra, www.ulfschiewe.de

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Nein, Ulf, das meinte ich eben nicht. (wir reden hier eben nicht vom Minimieren und Konzentrieren! Sondern um den Stil der jeweiligen Perspektive)

Denn dein Erzähltext verändert sich nicht, der Abschnitt besteht praktisch nur aus Dialog. Es geht mir auch nicht darum, wann und wie (und warum) sich die Perspektive ändert, sondern um die Möglichkeit, dass dem Leser allein durch den Erzähltext deutlich auffällt, dass zB. im nächsten Kapitel jemand anderer die Sicht hat, als das Kapitel davor. Wie erwähnt, Dialoge, Innere Sichten, das Verhalten/die Entscheidungen der Figuren etc. meinte ich nicht, sondern nur den Erzähltext, der mir nun eine weitere Möglichkeit bietet, die Geschichte intensiver zu gestalten.

 

@hpr

Im Prinzip ganz einfach: Wenn das WIE (der Stil) das WAS (den Inhalt) betont, wenn im Stil sich die Facetten des Inhalts widerspiegeln. Das ist zb. in Lisas Buch der Fall - das Gefühl der Atemlosigkeit, der die Mutter und die Familie umschließt, ist im Stil zu finden udn somit mehr spürbar für mich als Leser. In "Zeit der Gespenster" ist es auch der Fall: Eine Geschichte fügt sich aus verschiedenen Teilchen nach und nach zusammen, und das sehen wir im Stil auch, da Picoult mit dem schnellen Perspektivenwechsel arbeitet. Allein dadurch habe ich das Gefühl, vor einem riesigen Puzzle zu sitzen.

Das sind für mich gute Beispiele, wann der Inhalt und der Stil miteinander harmonieren.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Du beziehst dich also nur auf den Erzähltext. Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Und in schnbellen Action-szenen beschleunigt sich auch der Schreibstil. Ist hier schon oft erwähnt worden. Aber bei jedem Perspektivwechsel, den Erzählstil den inneren Gefühlen einer Person anzupassen, geht vielleicht in kleinen Dosen. Auf die Dauer halte ich das für etwas ermüdend für den Leser.

 

LG

Ulf

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Auf die Dauer halte ich das für etwas ermüdend für den Leser.

Eben nicht, wenn es gut gemacht ist. Die Punktprojektion ist auch anstrengend, wenn sie auf Dauer angewendet wird, aber wenn der Autor das gut kann, ist es nicht ermüdend, wie die Beispiele zeigen.

Wenn man den Stil gut an die Perspektive anpasst, dann macht das mMn den Text intensiver. Wie gesagt, es gibt viele Möglichkeiten, wie man das machen könnte. Diese Möglichkeiten muss man nur entdecken und sich aneignen. DANN kann man wirklich sagen, dass der Inhalt und der Stil harmonieren.

Und genau das möchte ich können und bin der Meinung, dass man das ganz besonders bei der "E-Literatur" lernen kann, weil die E-Literatur sich sehr intensiv mit der Sprache, dem Erzähltext und dem Stil auseinandersetzt.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Gute U-Literatur tut das übrigens auch. Ich finde es schade, wenn wieder eine Kluft geschaffen wird zwischen U- und E-Literatur

Liebe Melanie, gute U- bzw. genreliteratur schon. Aber findest du nicht auch, dass die Sprache in, sagen wir, handlungsorientierten Romanen, oft nicht genug Aufmerksamkeit von Seiten des Autors bekommt?

 

@Olga:

Jetzt habe ich auch richtig verstanden was du mir dem Stilwechsel meintest. Unterschiedliche Figuren sehen die Welt um sich herum auf unterschiedliche Weise, und das spiegelt sich im Schreibstil wieder. Genau wie du halte ich das für ein wichtiges Werkzeug. Ich finde alllerdings, man muss aufpassen, dass der Text nicht zerfällt, wenn die Sichtweisen sehr unterschiedlich sind. Ich kann mir das Puzzlehafte bei einigen Genres besser vorstellen, z. B. bei einem Thriller, wogegen ich es in einem HR eher störend empfinden würde.

Das ist aber mal wieder Geschmackssache. Ich mag auch keine häufigen Perspektivwechsel oder wenn dieselbe Situation aus mehreren Perspektiven geschildert wird (gähn). Ich versuche eher, den Text geschmeidig zu machen, aus einem Guss, auch wenn ich verschiedene Perspektiven habe. Ein kleines Beispiel: Wenn meine Geschichte im 18. Jahrhundert spielt, hüte ich mich vor modernen Wörten. Da schreibe ich statt "Situation" "Lage", statt "Karriere" "Laufbahn" etc., um den Ton an die Zeit anzupassen. Außerdem formuliere ich ein wenig ausschweifender als ich es sonst machen würde. Das ergibt einen Grundton, der zur Geschichte passt, und den ich unabhängig von der Perspektive, durchziehe.

 

Viele Grüße,

 

Mascha

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Aber findest du nicht auch, dass die Sprache in, sagen wir, handlungsorientierten Romanen, oft nicht genug Aufmerksamkeit von Seiten des Autors bekommt?

Genau das Gefühl habe ich manchmal auch. Auch in meinen Romanen steht Handlung vor der Sprache, aber ich entdecke gerade, wenn ich der Sprache mehr Aufmerksamkeit schenke, dann bekomme ich mehr Möglichkeiten als Autor.

Es geht mir nicht um die Kluft zwischen der E- und U-Literatur, nein. Diese Kluft entsteht, weil beide Literaturgattungen oft verschiedene Ziele anvisieren. Mir geht es um den umgekehrten Fall: Um die Verbindungen zwischen den Beiden. Um die Frage: Welche Methoden in der E-Literatur eignen sich für mich als Genre-Autor? Was kann ich daraus lernen? Das beschäftigt mich schon seit Wochen, und ich bin fest davon überzeugt, dass ich als Genre-Autor SEHR VIEL von der E-Literatur lernen und das Gelernte für meine Ziele anpassen kann. Ich entdecke da unglaubliche Facetten, die mir zuvor verwehrt blieben. Gerade das finde ich interessant.

 

@Mascha

Das ist schön, dass wir uns verstehen :)

Genau das ist es auch, was ich meine, wenn Inhalt und Sprache harmonieren. Der Roman muss aus einem Guß sein (außer, die Handlung verlangt nach was anderem). Aber ich bin davon überzeugt, dass man auch im historischen Roman für die Perspektiven Eigenarten und Darstellungsmöglichkeiten finden kann. Das ist nur etwas schwieriger.

Wie ich bereits meinte: Es ist leicht, erzählerisch einen durchgeknallten Killer darzustellen, aber es ist schwierig, zwei normale Figuren voneinander abheben.

 

Liebe Grüße,

Olga

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Also für mich ist das überhaupt kein Widerspruch. Ich achte sehr viel auf die Art, wie ich Sprache verwende, allein schon, welchen Unterschied es macht, wo im Satz man ein Wort verwendet, denn schon durch die Satzstellung kann man unterschiedliche Nuancen und Aussagen treffen. Die Sprache ist ja das entscheidende, wenn man einen Roman transportiert. Ohne eine gute Sprache kann eine noch so spannende Handlung dem Leser nicht ausreichend nahegebracht werden, ja ihn sogar verschrecken. Die Kunst besteht ja darin, die Sprache so anzuwenden, dass der Leser gar nicht merkt, wie die Gefühle in ihm erzeugt werden, sondern dass sie plötzlich da sind.

 

Natürlich gibt es Genreliteratur, die darauf nicht achtet, aber wie ich schon sagte - die Übergänge sind fließend. Und auch Genreliteratur kann E-Literatur sein. Sie kann aber auch U-Literatur sein, und zwar kann sogar das gleiche Werk von unterschiedlichen Kritikern in die eine oder andere Reihe gestellt werden.

 

Gruß, Melanie

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