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(Micha)

E-Books - Aussichten und Konditionen

Empfohlene Beiträge

Hallo zusammen,

 

heute las ich in der Zeitung, dass in den USA die Zahl der verkauften E-Books erstmals die der Hardcover überstiegen hat. Obwohl das im Artikel relativiert wurde, wird die Entwicklung zeitverzögert auch bei uns ankommen, nicht zuletzt wegen I-Pad & Co.

In meinen neuesten Verträgen wird das Honorar für E-Books ausgewiesen. In älteren Verträgen ist die Position nicht enthalten. Meine Fragen an euch: Gibt es bereits Erfahrungen von euch in puncto Verkaufszahlen von E-Books? Und wie kann man die prozentuale Vergütung einschätzen? Da ich hier noch keine Erfahrungen habe, ist mir völlig unklar, ob sie fair ist.

Zweite Frage: Wie regelt ihr das bei bestehenden, alten Verträgen? Sollte ich einen Nachtrag einfordern?

 

Dank euch im Voraus und liebe Grüße

 

Micha

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Ich wär da kurzfristig erst mal vorsichtig. Viele Trends aus den USA kommen bei uns verspätet, aber genauso stark an. Aber eben nicht alle. Natürlich werden in den USA wie bei uns wesentlich mehr Taschenbücher als Hardcover verkauft, insofern sagt diese amazon-Meldung erst mal noch wenig für Europa aus.

 

Natürlich steigen die e-book Verkäufe stark an, das wird wohl auch so bleiben, weil die Start-Basis noch relativ klein ist. Was das aber in absoluten Zahlen im Verhältnis zum Gesamtmarkt bedeutet, muss man wohl noch etwas abwarten. Ich denke, wenn die e-reader auf breiter Front deutlich unter 99 € kosten, dann wird es wirklich stark ansteigen. Die Hardwareindustrie feiert ja stets im Marktanteilskonkurrenzkampf Preissenkungsorgien, könnte also bereits 2011 soweit sein.

Das neue Jugendbuch: "Der Reiter des Königs"&&Homepage Burkhard P. Bierschenck

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Interessanter finde ich da schon den Artikel bei Heise-Online

 

(Link ungültig)

 

Der Hinweis, dass der bekannte Literaturagent Andrew Wylie, der viele Top-Autoren betreut, mit den Konditionen der Verlage für E-Books unzufrieden war und deshalb eine eigene Edition  (Link ungültig)   gegründet hat, die ihre e-books exklusiv über Amazon vertreibt, ist da schon interessant.  Wutentbrannt will Random House ihn nun boykottieren. Ob das hilft?

 

Als neues Modell taugt Wylies Vorgehen jedoch nur bedingt, denn wer nicht den Vorteil sehr bekannter Autorennahmen in die Waagschale werfen kann, wird sich immer noch schwer tun e-books gut zu verkaufen, amazon hin oder her.

Das neue Jugendbuch: "Der Reiter des Königs"&&Homepage Burkhard P. Bierschenck

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Der Hinweis' date=' dass der bekannte Literaturagent Andrew Wylie, der viele Top-Autoren betreut, mit den Konditionen der Verlage für E-Books unzufrieden war und deshalb eine eigene Edition  [i'](Link ungültig)[/i]   gegründet hat, die ihre e-books exklusiv über Amazon vertreibt, ist da schon interessant.  Wutentbrannt will Random House ihn nun boykottieren. Ob das hilft?
In den USA sind sie da vielleicht schon weiter, wenn der EBook-Markt dort boomt, wenn sie auf diese Weise konkrete Zahle haben und wissen, was sie wo und zu welchen Konditionen verkaufen. In Deutschland, habe ich das Gefühl, hinkt man da noch etwas zurück - so weit, dass man noch nicht mal das Stadium erreicht hat, wo Verlag und Autoren um Konditionen ringen können, sondern wo eigentlich niemand weiß, was draus wird, und jeder für jeden Hinweis dankbar ist. ;D

 Bei meinen ersten Verträgen mit Ebook-Klausel habe ich mir die Konditionen durchgesehen, mir dann überlegt, mit welchen Modellen so ein Ebook-Vertrieb vonstatten gehen könnte und was dann für mich dabei rauskäme. Da kam ich dann zu dem Ergebnis, je nachdem, wie es konkret geregelt ist, könnten die Klauseln okay sein oder mich unzufrieden zurücklassen :-/. Da hab ich dann Gesprächsbedarf angemeldet, habe lange hin- und herüberlegt, wie man die Klauseln denn formulieren müsste, damit es für mich auf alle Eventualitäten passt - und ich habe nichts Besseres gefunden :-/. Es war ein bloßes Raten, wie etwas aussehen könnte, was es noch gar nicht gibt. Und am Ende war es mir die Sache dann nicht wert, ewig viel Energie in den materiell auf absehbare Zeit bedeungslosesten Passus des Vertrages zu investieren, und ich habe die ursprüngliche Form durchgewunken.

 Dann, beim letzten Buch, wurde mir sogar ausdrücklich angeboten, dass man über die Ebook-Bedingungen der früheren Werke noch nachverhandeln könnte. Aber im Grunde weiß ich immer noch nicht mehr - es gibt hier in Deutschland halt noch keinen etablierten Markt für Ebooks mit verlässlichen Zahlen, der es erlauben würde, zu sagen, wie Ebooks irgendwann mal, wenn sie wirklich Geld bringen, unter die Leute gebracht werden und auf welche Kennzahlen man welche Prozente vereinbaren muss, um garantiert immer seinen fairen Anteil zu haben.

 Meine persönliche Erfahrung ist also, dass da überhaupt keine Konfrontation herrscht, dass alle sehr gesprächsbereit und offen sind - aber im Grunde keiner genau etwas weiß. Die einzige Möglichkeit, sich abzusichern, wäre, im Augenblick noch gar keine Vereinbarung zu treffen und sich die Rechte vorzubehalten, damit man später dann die Prozente vereinbaren kann, wenn man auch weiß, was verkauft wird.

 Aber das wiederum wollte ich auf keinen Fall, weil ich erwarte, dass der mögliche Werbeeffekt von Ebooks auf Jahre hinaus noch die realen Einnahmen aus diesem Marktsegment überschreiten wird, so dass es mir persönlich derzeit wichtiger wäre, so schnell wie möglich irgendwas auf diesem Markt zu haben als den unmittelbaren Gewinn daraus zu optimieren.

 

In den USA mag sich da einiges tun. Aber ich für meinen Teil kann im Moment nicht mal abschätzen, welche Erfahrungen von dort auf den deutschen Markt überhaupt übertragbar wären - der funktioniert ja auch sonst doch etwas anderes als der amerikanische. Und was den Stand von Ebooks in Deutschland angeht ist mein derzeitiger Eindruck ...  :s14

Sinn ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein menschliches Bedürfnis (Richard David Precht)

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Dank an euch! Sieht aus, als bliebe auch ich ratlos zurück ...

Na ja, besser E-Books verkaufen als gar keine books! Wie sich die jetzt in den Verträgen stehenden Vereinbarungen auswirken, wird sich dann zeigen. In jedem Fall sollte man wach bleiben und sich weiter austauschen.

Aber ich denke schon, dass sich die Entwicklung aus den USA auch hier zeigen wird, denn den Hype auf den I-Pad gab es nicht nur drüben. Und das Leseverhalten der Kids von Heute wird mit Sicherheit geprägt von den elektronischen Portables. Ich werde jedenfalls mein Augenmerk auch auf die Honorare in diesem Bereich legen. Übrigens muss man echt aufpassen; von Vertrag zu Vertrag sind die Prozente anders aufgeteilt, auch was Verfilmung, usw. angeht. Hier scheint es mir, als würde man seitens der Verlage genau spekulieren, was einmal eintreffen wird und was nicht, und dann die Honorarverteilung im Vorfeld so verlagsgünstig wie möglich zu gestalten. Also, aufpassen!

 

In diesem Sinne liebe Grüße

 

Micha

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Was mich interessieren würde ist, wie denn die Verlage und daraus resultierend auch die Literaturagenturen insgesamt dieser Entwicklung gegenüberstehen. Hilflos, offen oder eher verhalten, weil zu untraditionell?

 

Gruß, Alf.

"Man muss noch Chaos in sich haben,

um einen tanzenden Stern zu gebären."

Friedrich Nietzsche

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Also sind demnach jetzt die Verlage, resp. der Börsenverein am Zug? Ich hoffe, es findet sich schnell eine entsprechende Regelung, denn eigentlich möchte ich gute und kompetente Verlagsarbeit nicht missen (Lektorat, Vermarktung etc.). Man sollte bereits jetzt (völlig unüblich) an morgen denken, auch wenn E-Books und ihre digitalen Pendants noch nicht lukrativ sind. In spätestens 5 bis 10 Jahren sind sie es.

"Man muss noch Chaos in sich haben,

um einen tanzenden Stern zu gebären."

Friedrich Nietzsche

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Ich las gestern einen interessanten Artikel dazu in der Süddeutschen. Der Tenor lautete (für mich), dass der Streit von Wylie mit Random-House am Ende wahrscheinlich den Autor als Gewinner sehen wird. Soso, dachte ich. (und nahm ich mir ein Glas Rotwein und phantasierte ein wenig.  :s22)

 

Um Wylies Angriff den Wind aus den Segeln zu nehmen, bräuchten die (großen) Verlage ja eigentlich nur die e-book-Honorare zu erhöhen (die kleineren müssten nachziehen) und damit den Stein des Anstoßes zu beseitigen (und damit eine Welle weiterer Versuche dieser Art, die genüsslich von Amazon und Apple unterstützt werden würden, verhindern). Wäre also gut für die Autoren. Bleibt abzuwarten wie und wann die Konzernhäuptlinge einsichtig sind.

 

Es könnte aber zusätzlich eine (eigentlich alte) Idee auftauchen (nach dem Modell von Stephen King), nämlich zuerst das (preiswertere?kostenlose?gekürzte?) e-book (vielleicht gestückelt in Fortsetzungen? siehe China!) zu bringen (und damit zu testen) und dann erst die (ungekürzte) Printausgabe (quasi als Nebenrecht). Viele Varianten wären da denkbar.

 

Das wäre als Test (sogar mit ordentlicher Werbung) viel billiger, benötigte den mit Regalplatz knausernden Buchhandel nicht, und könnte trotzdem Erfolg bringen, wie ein paar der bisherige Versuche ansatzweise gezeigt haben. Klar, nicht immer, aber klassische Nur-Printausgaben sind ja auch nicht alle immer erfolgreich.

 

Außerdem könnte es für kleinere Verlage eine clevere Möglichkeit darstellen, denn wenn ein sich ein halbwegs gut verkaufendes e-book die Nachfrage nach der Printausgabe anfeuert, dann könnte auch ein kleinerer Verlag seine gedruckten Bücher besser in die Buchhandlungen bringen, denn es gäbe ja erst Nachfrage und dann das Buch. Das wäre nun wieder für Verlage und Autoren gleichermaßen nicht sooo uninteressant, denn ich rede hier nur von sauber (kostspielig!) lektorierten, gut gesetzten Büchern, nicht von fehlerhaften homemade-Dateien..

 

Und noch ein kleiner Vorteil, die Backlists von Printausgaben werden in unserer schnelllebigen Zeit bekanntlich (zu) rasch gesäubert, e-books können dagegen jahrelang lieferbar gehalten werden, weil auch der "Nachdruck" kein Problem mehr ist, denn er ist überflüssig.

 

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was sich aus diesem Gerangel noch alles ergeben wird.

Das neue Jugendbuch: "Der Reiter des Königs"&&Homepage Burkhard P. Bierschenck

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In der August-Ausgabe des Federwelt-Newsletters habe ich zu diesem Thema Folgendes geschrieben:

 


E-Books – Aussichten und Konditionen für Autoren

 

Es scheint sich zu lohnen, das E-Book-Segment im Auge zu behalten.

 

Während die Verlage in Deutschland sich im Detail noch nicht einig sind, in welchem technischen Format, für welches Lesegerät und wie teuer sie die E-Books im Laden anbieten sollen, erhalten die Autoren bereits Klauseln oder Ergänzungsverträge in denen sie als Honorar mit 15 oder 20 Prozent des Nettoverlagserlöses abgespeist werden sollen. Konditionen also, die sich nicht nur bei großen Rabatten an den Einzelhandel entsprechend reduzieren (Rabatte, die Sache des Verlags sind und an deren Geschäftsrisiko der Autor nicht beteiligt gehört), sondern die noch dazu vermitteln, dass dem Verlag für seine Arbeit selbstverständlich 80% des Erlöses zuständen. Dabei erzeugen gerade E-Books keine mit herkömmlichen Druckerzeugnissen vergleichbaren Kosten: Lektorat und Korrektorat sind bereits erfolgt, der Satz wurde bereits vorgenommen, es wird kein Druck benötigt, ebensowenig wie ein Lager, Logistik oder Verlagsvertreter. Die Erzeugung eines E-Books kann vollautomatisch aus dem DTP-System der Verlage erfolgen, mit automatischer Layout-Umstellung und in verschiedenen Ausgabeformaten, das Endprodukt wird elektronisch ausgeliefert.

 

Keine Frage, hier wird goldglänzende Morgenluft gewittert. Mit wenig Aufwand kann die Sahne eines neuen Marktes abgeschöpft werden, und solange das Drumherum im Unklaren bleibt, desto eher lassen sich unauffällig die besten Konditionen sichern. So untersucht die US-Justiz (Link ungültig) (Link ungültig) gerade, wie es sich mit den Preis-Absprachen verhält, die Verlage, Amazon und Apple offenbar getätigt haben, um bestmögliche Konditionen im Vorfeld zu sichern und etwaige Konkurrenten gleich auszuschließen.

 

Außen vor in dieser Debatte bleibt der Autor. Nicht umsonst diskutieren also Autoren [mit Link auf diesen Thread hier], wie sie auf die Konditionen reagieren sollen, die ihnen die Verlage nun anbieten. In den USA, wo diese Diskussion schon fortgeschritten ist und die Branche sich bereits etwas weiter entwickelt hat, haben einige Autoren die Konsequenzen gezogen (Link ungültig) (Link ungültig). Sie behalten die Rechte an der E-Book-Verwertung ihrer Romane, und mithilfe eines findigen Literaturagenten, der für diesen Zweck einen eigenen E-Book-Verlag gegründet hat, verkaufen sie sie nun selbst bei Amazon (allerdings exklusiv dort). Kein Wunder, dass Random House und anderen Verlagen diese Entwicklung gar nicht schmeckt.

 

Artikel im Guardian (Link ungültig) (Link ungültig) (nur auf englisch)

 

Ein Kommentar im Börsenblatt (Link ungültig) (Link ungültig) (und Kommentare zum Kommentar) und zahlreiche weiterführende Links würzen das Thema mit zusätzlichen Stimmen und Sichtweisen.

 


                                                   

Gruß,

 

Andreas

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