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ClaudiaB

Die Breite der Zeit von Brigitte Halenta

Empfohlene Beiträge

Ein Buch aus einem kleinen Verlag, dem ich viele Leser wünsche…

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Klappentext

Einen Entwicklungsroman der besonderen Art legt die Lübecker Drehbuchautorin Brigitte Halenta mit "Die Breite der Zeit" vor. Henriette ist 70, als sie alles verliert: ihren Mann, ihren Sohn, ihren Hof und damit ihr ganzes bisheriges Leben. Was folgt, ist jedoch keinesfalls eine Tragödie, sondern ein entschlossener Neuanfang. Henriette zieht nach Hamburg, entdeckt ihr künstlerisches Talent und erobert sich ein unbekanntes, selbstbestimmtes Leben. Als sie sich schließlich mit 74 Jahren in den Kunsthändler Carl verliebt, folgt eine intensive und lustvolle Liebesbeziehung, die die Zeit außer Kraft setzt.

 

Meine Meinung:

Zuerst: Dies ist keins dieser „lustigen“ Bücher, in denen eine Oma noch mal so richtig aufdreht, es ist auch kein oder nicht nur ein Buch über Liebe und Sexualität im Alter, für mich ist es ein philosophisches Buch über das menschliche Zeitempfinden, in unaufdringlich schöner, zum Text passender Sprache, mit durchaus hohem Unterhaltungswert. Immer gegenwärtig ist der Gedanke an die Endlichkeit des Lebens, er durchzieht die gesamte Geschichte und taucht auch die witzigen Szenen und die Glücksmomente in ein Licht sanfter Wehmut, das sie nur noch intensiver ersheinen lässt.

 

Es ist ein Märchen. Tyche, launische Göttin der glücklichen oder bösen Fügung des Schicksals, schickt eine Katastrophe, deren Auswirkungen Henriette zunächst in die Psychiatrie bringen, sie aber auch zur reichen Erbin machen. Als Psychiatriepatientin und später als noch etwas verwirrte alte Frau in der Großstadt wird sie bevormundet, übersehen, belächelt. Als Erbin ist sie imstande, anderen Menschen zu helfen und Grenzen zu überwinden, die ihr der über siebzigjährige Körper, gesellschaftliche Vorurteile und eigene Ängste setzen. Das Erwachen der lange schlummernden künstlerischen Kreativität führt zu einem völlig neuen Umgang mit Zeit, das Jetzt ist  „nicht länger ein Punkt, dem in atemberaubender Geschwindigkeit der nächste folgte, sondern ein Strich, der sich nach beiden Seiten beliebig ausdehnen konnte.“

Gerade, weil es ihr immer wieder gelingt, das Wünschen und Wollen abzustellen, sich zu „fügen, vor dem Leben wie vor dem Tod“, wird sie von Tyche beschenkt: Mit einer märchenhaften, späten Karriere und einer wunderbaren Liebe, die um ihre Endlichkeit weiß.

 

Nach Milan Kundera ist ein Roman eine fragende Meditation über die Möglichkeiten menschlicher Existenz. Dieses Buch ist eine Meditation über Zeit, Begrenzung, Befreiung und obwohl man es in einem Rutsch durchlesen möchte und könnte, regt es immer wieder zum Innehalten und zur Wahrnehmung des Augenblicks an.

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Februar 21, Kampa

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