Zitat von MelanieM am 23.12.12 um 15:14:
In keiner Sportart oder Kunstrichtung kann jemand zu Höchstleistungen aufsteigen, der kein Talent mitbringt. Talent ist unabdingbar. Aber ebenso unabdingbar ist die Förderung desselben.
Sehe ich auch so.
Zitat von Dorit am 23.12.12 um 16:45:
Schöner Vergleich mit dem Fußball, Melanie. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen. Ich habe mir nämlich sagen lassen, dass es viele Fußballer und auch andere Sportler gibt, die täglich oder wenigstens mehrmals wöchentlich trainieren, obwohl sie längst in der Königsklasse angekommen sind.
Der Vergleich ist gut, zweifelsohne.
Aber wo sind dann die Seminare für Fussballer?
Nirgends, richtig.
Förderung und Training von Talent sehen nämlich anders aus.
Zitat von hpr am 23.12.12 um 17:39:
Vor allem ist es schwierig, das Talent zu erkennen.
Finde ich gar nicht.
Zu Fußball kann ich natürlich nichts sagen, da ich davon nicht viel verstehe. Aber was das Geschichtenerzählen angeht, kann ich einem Manuskript durchaus entnehmen, ob Talent dahintersteckt. Es kann handwerklich noch so grottig sein: Wenn der Autor Talent hat, merkt man das. Ganz spontan aus der Hüfte geschossen würde ich die folgenden Merkmale anführen:
- Ideenreichtum
- Thematische Stringenz, innere Logik
- Mut zum Thema und seiner Ausführung
- Humor
Zitat:
Beim Schreiben fehlen sowohl die einfachen Merker (Zahl der Tore) wie auch die Erfahrung. Jeder spricht dem Talent zu, der Texte schreibt, die der Entsprechende gerne liest und spricht dem Talent ab, der anders schreibt, als man es gerne hätte. Literaten sprechen Heftchenschreibern gerne jedes Talent ab. Aber mit solchen Geschmacksurteilen kann man kein Talent beurteilen.
Was sind "Literaten"?
Da ich nicht so ticke, bin ich wahrscheinlich keiner.
Zitat: Hat die Autorin von den 50 Shades of Grey nun Talent? Die meisten werden ihr das abstreiten. Was konsequenterweise bedeuten würde, dass man beim Schreiben ganz ohne Talent Erfolg haben kann

.
Sie hat definitiv Talent! Ich finde das Buch, das sie geschrieben hat, handwerklich ziemlich mies bis nervig, aber ich erkenne, dass sich dahinter Talent zum Geschichtenerzählen versteckt.
Zitat:
Immer mal wieder werde ich gefragt, ganz bange: Habe ich Talent? Ich weigere mich, solche Antworten zu beantworten.
Schick sie zu mir.
Zitat:
Ich glaube, ich kann Tipps geben, wie man Texte verbessern könnte, aber die Talententscheidung? Da habe ich zuviele Überraschungen erlebt.
Spontaner Gedanke von mir: Talent hat man, wenn nach Befolgen dieser Tipps ein Text herauskommt, der tatsächlich besser ist.
Passt nicht ganz, aber die grobe Richtung ist das.
Zitat:
Und selbst, wenn jemand kein Talent hätte, was sollte daraus folgen? Dass er nicht mehr schreiben darf, weil talentlos?
Geile Idee.
Nee, doch nicht, dann könnte ich nicht mehr arbeiten, weil ich aus dem Lesen nicht mehr rauskäme.
Zitat:
wir Autoren sollten uns über jeden freuen, der schreiben will.
Hilf mir auf die Sprünge. Warum doch gleich ...?
Zitat:
Übrigens: Im Wald wäre es sehr still, wenn nur die talentierten Vögel singen würden.
Jetzt wird es mir zu esoterisch.
(Ich stelle mir gerade eine Versammlung von 1000 Rotkehlchen im Wald vor, wo eins von allen umstanden wird und ein anderes mit Bohlens Stimme sagt: "Du solltest es besser lassen")
Zitat: Und was würden Autoren tun, wenn nur die talentierten Leser lesen würden?
Was ist ein talentierter Leser?
Peter