Fairlag - Aktionsbündnis für faire Verlage Montségur Autorenforum
                       
Willkommen, Gast. Bitte Einloggen. - 09.09.10 um 07:52

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Lesens-Wert (Gelesen: 3235 mal)
Andrea S.
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Beiträge: 3809
Lesens-Wert
30.07.10 um 08:59
 
Es gibt Romane, die man liest und vergisst.
Es gibt Romane, die man liest und sich dann und wann an das eine oder andere daraus erinnert.
Es gibt Romane, die man, wenn man sie beendet hat, gerade noch einmal von vorne beginnt.
 
Und es gibt solche Bücher, die man immer wieder hervorkramt, in guten, oft gerade auch in schlechten Zeiten. Vertraute, Freunde, Seelentröster.
Es sind bei mir nicht die Bestseller oder Klassiker oder Nobelpreiswerke, die diesen Status erhalten.
 
Was macht solche Geschichten so einzigartig?
 
Jede Antwort darauf wird subjektiv sein, und aus jeder kann man sicher trotzdem etwas lernen.
Habt Ihr Antworten?
Ich habe meine gesucht und gefunden …
 
(Aber bitte ohne jedes namedropping von Autoren und Titeln. Das hilft wenig weiter und zeigt nur dass man selbst so literarisch wertvolle Werke wie Kabuvkovs „Wühlmäuse“ gelesen hat und technisch bewerten kann.)
 
Andrea

Wie wohl ist dem, der dann und wann
Sich etwas Schönes dichten kann.
Wilhelm Busch
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TobiasL
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Beiträge: 288
Re: Lesens-Wert
Antworten #1 - 30.07.10 um 11:03
 
Zitat von Andrea S. am 30.07.10 um 08:59:
...

Was macht solche Geschichten so einzigartig?

 
Das sie auch über Jahre und Jahrzehnte noch immer Neues aus dem Text hervorsprudeln lassen (Antworten, Fragen, Ansichten und Einsichten etc.).
 
VG
Tobias

Immer wieder Neues sehen
Ist ein Fluch und gleichwohl Segen
Hab das Vergangene nicht vergessen
Dennoch will ich heute leben

(aus dem Song "Phoenix" von "Unheilig"
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MelanieM
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Beiträge: 4079
Re: Lesens-Wert
Antworten #2 - 30.07.10 um 11:30
 
Bei mir sind es Bücher, die Bilder im Kopf erzeugen und mich innerlich berühren. Wahlweise sind es auch Geschichten, in denen ich mich gut mit den Protagonisten identifizieren kann und gern hinabtauche, mir vorstelle, selbst vor Ort zu sein.
 
Gruß, Melanie
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ChristianeL
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Beiträge: 177
Re: Lesens-Wert
Antworten #3 - 30.07.10 um 11:30
 
Für mich steht auf der einen Seite der Erinnerungswert, die Freundschaft, die ich mit diesem Buch verbinde und auch ein Nachwehen des Aha-oder Wow-Effekts, den ich beim ersten Lesen verspürte; auf der anderen Seite entdecke ich in meinen Lieblingen immer wieder etwas Neues, das ich vorher nicht sehen konnte  Grinsend
Christiane
 
PS: Schönes Thema  - danke Lächelnd

Die Geliebte des Sarazenen - rororo ISBN 978-3499254598
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UlfSch
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Beiträge: 1517
Re: Lesens-Wert
Antworten #4 - 30.07.10 um 11:35
 
Es gibt wahrscheinlich viele und auch sehr persönliche Gründe, warum einem ein bestimmtes Buch besonders ans Herz wächst.
 
Aber gerade habe ich etwas von Sol Stein gelesen, wo er von Resonanz spricht. Gewisse Dinge geben einem Buch Resonanz, sodass es in uns weiterschwingt, während des Lesens und vor allem darüber hinaus. Das kann die Behandlung einer großen geschichtlichen Persönlichkeit sein, oder auch nur Szenen von tiefer Eindringlichkeit, die uns im Innersten berühren. Oder "larger than life" Figuren, die eine starke Symbolkraft haben. Oder Menschen, die besondere Schicksale durchleben, vor allem die großen menschlichen Themen von Tod, Liebe, Hass, Verrat, vorausgesetzt sie sind in einer Weise dargestellt, die uns im Innersten berührt und etwas zum Schwingen bringen.
 
LG
Ulf
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RebeccaA
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Beiträge: 720
Re: Lesens-Wert
Antworten #5 - 30.07.10 um 11:43
 
Das mit der Resonanz ist sehr gut getroffen, lieber Ulf.  
Es geht in unserer Familie so weit, dass es gewisse geflügelte Worte oder Szenen aus Büchern gibt, die dann ein außenstehender gar nicht versteht. Sie sind so verinnerlicht als wären sie Erfahrungen, dabei sind sie nur erlesen und dann erzählt.  
 
LG Rebecca
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TanjaR
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Beiträge: 40
Re: Lesens-Wert
Antworten #6 - 30.07.10 um 11:44
 
Zitat von Andrea S. am 30.07.10 um 08:59:

Was macht solche Geschichten so einzigartig?

 
Dass sie in Worte kleiden, was man selbst nicht in solche fassen kann und damit etwas Klarheit in das innere Durcheinander bringen. Dass sie einen erleben lassen, was man gerade braucht - eine Flucht in eine andere Welt, die Erkenntnis, dass es anderen ebenso ergeht - selbst wenn die Figuren nur fiktiv sind.  
 
Ich habe auch schon erlebt, dass ich eine Geschichte las und mir inständig wünschte dem Autor etwas erzählen zu können, weil ich das Gefühl hatte, er/sie würde verstehen, was sonst nur Fragezeichen auf Gesichtern erscheinen ließ.
 
Grüße,
Tanja.

Alle Geschichten sind bereits im Kopf, wie alle Statuen bereits im Marmor sind. Der Verstand entdeckt sie lediglich.
(Carlo Dossi)
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Andrea S.
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Beiträge: 3809
Re: Lesens-Wert
Antworten #7 - 30.07.10 um 11:53
 
Wunderbar, Eure Antworten!
 
Haben wir als schon mal
 
- die Resonanz  
- die Eindringlichkeit der Bilder unr Figuren
- die Mehrschichtigkeit (immer noch etwas Neues darin entdecken)
 
Ich füge von meiner Seite auch noch hinzu: Ein Thema, das meine Neugier weckt, mich damit weiter zu beschäftigen, dann mit neuer Kenntnis das Buch wieder zu lesen und noch mehr genießen zu können. Und dann noch neugieriger zu werden ... Erkenntnisgewinn also.
 
Andrea

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Wilhelm Busch
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UlfSch
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Beiträge: 1517
Re: Lesens-Wert
Antworten #8 - 30.07.10 um 12:01
 
Gerade las ich die NYT Kolumne von Roger Cohen und am Ende schreibt er dieses (was m.E. gut zum Thema passt):
 
Reading James Salter’s haunting novel “A Sport and a Pastime,” [...] I encountered this passage: “Life is composed of certain basic elements,” he says. “Of course, there are a lot of impurities, that’s what’s misleading. ... What I’m saying may sound mystical, but in everybody, Ame, in all of us, there’s the desire to find those elements somehow ...”
 
In the end we must go back to the things — birth, death, love and beauty [...] and we must each discover and render the elemental in our own lives.

 
Ich glaube, dies ist wichtig: die elementaren Dinge, authentisch und überzeugend dargestellt, die berühren uns und bringen uns zum Nachdenken.
 
LG
Ulf
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teamor
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Beiträge: 1161
Re: Lesens-Wert
Antworten #9 - 30.07.10 um 12:26
 
Ihr Lieben,
 
es gibt verschiedenste Zugänge, die ein Buch zu etwas Besonderem machen und es aus der Menge der schon gelesenen Bücher hervorheben.
Je nach meinen momentanen Bedürfnissen hole ich mir Unterschiedliches.
Da gibts den Wunsch nach Flucht in eine heile Welt.
Die Suche nach Abenteuern, für die ich selbst zu feig wäre.
Das Bombastische und Machtvolle, das kein Hindernis kennt.
Oder das einfach so wahnsinnig gut Geschriebene, das ich am liebsten auswendig lernen würde - und immer wieder nachlese, um herauszufinden, warum es so verdammt toll rüberkommt.
Weils hier grad so gut in die Rubrik "Handwerk Schreiben" passt:  
Es gibt tatasächlich ein paar Bücher, bei denen ich verschiedene Szenen immer wieder nachschlage, die ich gerade selbst zu schreiben versuche. Nicht, um bei ihnen abzukupfern, sondern um mich in die Stimmung zu versetzen, die ich selbst gerade so gerne mit meinem Geschriebenen erzeugen wollte.
Das sind dann die mit den abgegriffenen Seiten und den Zahnabdrücken im Umschlag ...
 
Dass es für jedes Bedürfnis wenigstens ein Buch gibt, das Heilung verspricht, lässt mich daran glauben, dass es immer noch sinnvoll ist, weiter zu schreiben und zu versuchen, genau so etwas für irgendjemanden da draußen zu schaffen.
 
Herzlich
Gabi

Schachzüge / Thienemann-Verlag,
Störfaktor / Thienemann,
Grenzenlos nah / Thienemann, ET: Herbst 2010
Infinity/Thienemann, ET: Frühjahr 2011
http://gabriele.gfrerer.at
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Andrea S.
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Beiträge: 3809
Re: Lesens-Wert
Antworten #10 - 30.07.10 um 12:54
 
Zitat von teamor am 30.07.10 um 12:26:

Dass es für jedes Bedürfnis wenigstens ein Buch gibt, das Heilung verspricht, lässt mich daran glauben, dass es immer noch sinnvoll ist, weiter zu schreiben und zu versuchen, genau so etwas für irgendjemanden da draußen zu schaffen.

 
Das, Gabi, hätte ich schreiben können.
 
Und es gibt für mich auch noch einen weiteren, überaus wichtigen Punkt - Heiterkeit muss das Werk ausstahlen. Keinen Klamauk, keine oberflächlichen Kalauer, sondern eine hintergründige, weise, distanzierte Heiterkeit, die sich erst beim mehrfachen Lesen wirklich erschließt.
 
Andrea

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UlfSch
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Beiträge: 1517
Re: Lesens-Wert
Antworten #11 - 30.07.10 um 13:16
 
Zitat von Andrea S. am 30.07.10 um 12:54:
Und es gibt für mich auch noch einen weiteren, überaus wichtigen Punkt - Heiterkeit muss das Werk ausstahlen. Keinen Klamauk, keine oberflächlichen Kalauer, sondern eine hintergründige, weise, distanzierte Heiterkeit, die sich erst beim mehrfachen Lesen wirklich erschließt.

 
Das nehme ich für mich auch in Anspruch, obwohl es vielleicht eine persönliche Präferenz ist.
 
Ulf
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Sven
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Beiträge: 550
Re: Lesens-Wert
Antworten #12 - 30.07.10 um 13:34
 
Resonanz trifft es ganz gut, finde ich. Aber ich brauche auch ein Geheimnis.  
 
Für mich sind es Bücher, die über Magie verfügen. Einen gewissen Zauber, ein Funkeln im Zwielicht, das ich nicht genau verorten kann, das mich aber anzieht wie ein Blinker den Fisch. Es kann die Sprache sein, die Atmosphäre, die Geschichte, die Menschen, eine Szene, ein einzelner Satz. Aber es muss etwas haben, das mich nachhaltig beeindruckt wie einen kleinen Jungen, der in der Zaubershow in der ersten Reihe sitzt und einfach nicht fassen kann und will, dass er gerade etwas zu sehen bekommt, das deswegen so wundervoll ist, weil die Nahtstellen zwischen fantasievoller Illusion, Trick und wirklichem Zauber verschwimmen.  
 
Es sind die Bücher, deren Stimme mir von Anfang an sagt: "Hey, du weißt genau, wovon ich gerade rede, oder? Und du willst doch am liebsten gar nicht, dass ich nur ein Buch bin, oder? Du wärst doch eigentlich lieber dabei? Na dann komm rüber..."
« Zuletzt geändert: 30.07.10 um 14:18 von Sven »

Purpurdrache, Droemer/Knaur, Dezember 2010
Flammenhimmel, Droemer/Knaur, Herbst 2011
Blutmond, Droemer/Knaur, Herbst 2012
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Anni Bürkl
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Beiträge: 152
Re: Lesens-Wert
Antworten #13 - 30.07.10 um 13:54
 
Einzigartig macht ein Buch für mich ... wenn ich mich persönlich damit identifizieren kann.  
 
Das kann alles Mögliche sein ... die Situation, durch die die Heldin durch muss ... ein Thema, das ihr Leben begleitet ... ein Hobby/Interesse, das ich teile ... eine bestimmte Herangehensweise an Herausforderungen ...
 
Und es muss mich immer auch zum (Nach-)Denken bringen und zum Träumen, wobei sich diese beiden Dinge vermischen.
 
Liebe Grüße
Anni

"Alles, was zur Lesung fehlte, war der Dichter."
"Schwarztee", ein Salzkammergut-Krimi

"Ausgetanzt", der 2. Fall für Teelady Berenike.
Blog: http://texteundtee.wordpress.com
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Alexandra
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Beiträge: 344
Re: Lesens-Wert
Antworten #14 - 30.07.10 um 14:08
 
Neben der schon erwähnten Resonanz, den lebendigen Charakteren, der Identifikationsmöglichkeit oder der ersehnten Flucht in eine andere Welt ist es bei mir manchmal die Musikalität der Erzählstimme, der besondere Tonfall eines Buches - also eine sprachliche Qualität - die mir als einzigartig in Erinnerung bleibt.
 
Liebe Grüße
Alexandra
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