Zitat von Burkhard am 24.07.10 um 14:54:Der Hinweis, dass der bekannte Literaturagent Andrew Wylie, der viele Top-Autoren betreut, mit den Konditionen der Verlage für E-Books unzufrieden war und deshalb eine eigene Edition
http://www.odysseyeditions.com/ gegründet hat, die ihre e-books exklusiv über Amazon vertreibt, ist da schon interessant. Wutentbrannt will Random House ihn nun boykottieren. Ob das hilft?
In den USA sind sie da vielleicht schon weiter, wenn der EBook-Markt dort boomt, wenn sie auf diese Weise konkrete Zahle haben und wissen, was sie wo und zu welchen Konditionen verkaufen. In Deutschland, habe ich das Gefühl, hinkt man da noch etwas zurück - so weit, dass man noch nicht mal das Stadium erreicht hat, wo Verlag und Autoren um Konditionen ringen können, sondern wo eigentlich niemand weiß, was draus wird, und jeder für jeden Hinweis dankbar ist.
Bei meinen ersten Verträgen mit Ebook-Klausel habe ich mir die Konditionen durchgesehen, mir dann überlegt, mit welchen Modellen so ein Ebook-Vertrieb vonstatten gehen könnte und was dann für mich dabei rauskäme. Da kam ich dann zu dem Ergebnis, je nachdem, wie es konkret geregelt ist, könnten die Klauseln okay sein oder mich unzufrieden zurücklassen

. Da hab ich dann Gesprächsbedarf angemeldet, habe lange hin- und herüberlegt, wie man die Klauseln denn formulieren müsste, damit es für mich auf alle Eventualitäten passt - und ich habe nichts Besseres gefunden

. Es war ein bloßes Raten, wie etwas aussehen könnte, was es noch gar nicht gibt. Und am Ende war es mir die Sache dann nicht wert, ewig viel Energie in den materiell auf absehbare Zeit bedeungslosesten Passus des Vertrages zu investieren, und ich habe die ursprüngliche Form durchgewunken.
Dann, beim letzten Buch, wurde mir sogar ausdrücklich angeboten, dass man über die Ebook-Bedingungen der früheren Werke noch nachverhandeln könnte. Aber im Grunde weiß ich immer noch nicht mehr - es gibt hier in Deutschland halt noch keinen etablierten Markt für Ebooks mit verlässlichen Zahlen, der es erlauben würde, zu sagen, wie Ebooks irgendwann mal, wenn sie wirklich Geld bringen, unter die Leute gebracht werden und auf welche Kennzahlen man welche Prozente vereinbaren muss, um garantiert immer seinen fairen Anteil zu haben.
Meine persönliche Erfahrung ist also, dass da überhaupt keine Konfrontation herrscht, dass alle sehr gesprächsbereit und offen sind - aber im Grunde keiner genau etwas weiß. Die einzige Möglichkeit, sich abzusichern, wäre, im Augenblick noch gar keine Vereinbarung zu treffen und sich die Rechte vorzubehalten, damit man später dann die Prozente vereinbaren kann, wenn man auch weiß, was verkauft wird.
Aber das wiederum wollte ich auf keinen Fall, weil ich erwarte, dass der mögliche Werbeeffekt von Ebooks auf Jahre hinaus noch die realen Einnahmen aus diesem Marktsegment überschreiten wird, so dass es mir persönlich derzeit wichtiger wäre, so schnell wie möglich irgendwas auf diesem Markt zu haben als den unmittelbaren Gewinn daraus zu optimieren.
In den USA mag sich da einiges tun. Aber ich für meinen Teil kann im Moment nicht mal abschätzen, welche Erfahrungen von dort auf den deutschen Markt überhaupt übertragbar wären - der funktioniert ja auch sonst doch etwas anderes als der amerikanische. Und was den Stand von Ebooks in Deutschland angeht ist mein derzeitiger Eindruck ...