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Willkommen, Gast. Bitte Einloggen. - 09.09.10 um 19:22

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Meisterliche Klischees (Gelesen: 774 mal)
UlfSch
Diamant Mitglied
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Beiträge: 1517
Meisterliche Klischees
16.07.10 um 12:22
 
Habe gerade Michael Crichtons "Gold" (orig.: "Pirate Lattitudes") in einem Rutsch ausgelesen und mich herrlich amüsiert.
 
Natürlich gibt es hier alles an Klischees, was man sich beim lustigen Piratenleben nur denken kann. Fängt schon damit an, wie der Held sich seine "Experten" für den großen Raubzub aussucht, alles einzigartige Typen. Das erinnert an "Ocean 11". Gleich wird auch eine feine Dame vernascht. Dann hangelt sich das Plot von einem Abenteuer und Desaster zum anderen. Wilde Klettertour auf spanischer Festungsinsel, Festung wird geknackt, spanische Galeone mit Riesengoldschatz geraubt, Flucht durch Korallenriffe, Seeschlacht, Hurricane, Seemonster und sogar noch karibische Menschenfresser. Jede Menge Gewalt, aber keine wirklich berührende. Leichen verschwinden, ohne dass die Helden sich lange mit langweiligen Dingen, wie Beerdigungen abgeben müssen, usw. usw.
 
Aber, wunderbare Unterhaltung, gut geschrieben, knapper, atemloser Stil, tolle Figuren, wenn auch keine tiefenpsycholgische Analysen. Man kann es nicht ernst nehmen, aber Spaß macht es dennoch. Wird jetzt auch von Spielberg verfilmt.
 
Auch im Oberflächlichen und im Klischee gibt es wahre Meister.
 
Habt ihr auch solche Leseerfahrungen?  
Und wie ordnet ihr die ein?
Was kann man daraus lernen?
 
LG
Ulf
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Andrea S.
Moderator
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Beiträge: 3820
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #1 - 16.07.10 um 12:58
 
Zitat von UlfSch am 16.07.10 um 12:22:
Und wie ordnet ihr die ein?
Was kann man daraus lernen?

 
Hoch lebe der Abenteuerroman!
 
Viel (intelligente) Action mit gut identifizierbaren Helden (Archetypen), die ein vorstellbares Ziel haben (z.B. Heldenreise), hat die Menschheit schon immer fasziniert. Dazu gehört auch, dass man sich selektiv auf den Handlungsfortschritt konzentriert, so lästige Dinge wie Leichenentsorgung und Körperhygiene mal ausblendet und auch die Helden sich nicht allzu lange in Befindlichkeiten suhlen lässt, sondern dass sie zusehen, bei ihrem Vorhaben voranzukommen.
Witz schadet dabei nie.
 
Andrea, die solche Geschichten liebt
 

Wie wohl ist dem, der dann und wann
Sich etwas Schönes dichten kann.
Wilhelm Busch
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MelanieM
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Beiträge: 4082
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #2 - 16.07.10 um 13:04
 
Ich finde Klischees per se nicht schlimm - im Gegenteil, sie müssen nur intelligent und vielleicht mit einer Prise Humor rübergebracht werden. Dann unterhalten sie fabelhaft.  
@Ulf: Ich muss mir dieses Buch unbedingt zulegen, nach dieser guten Beschreibung. Zwinkernd
 
Gruß, Melanie
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ThomasL
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Beiträge: 185
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #3 - 16.07.10 um 13:37
 
Da kann ich noch Neil Gaimans "Sternwanderer" empfehlen. Als ich es mir ausgeliehen hatte, hatte ich zuerst mit einer "Character-Story" gerechnet und war dann überrascht, dass die Geschichte so gar nicht meinen Erwartungen entsprach. Sie ist nämlich praktisch für den Film gemacht, viele und schnelle Szenen, die Figuren sind teilweise nicht ganz durchschaubar, aber immer ist es bunt und spannend. Piraten und Hexen, Sex und Verfolgungsjagden... Zu Beginn, wenn man eine Liebesgeschichte erwartet(und das tut man, nach dem Lesen des Klappentexts), ist man davon etwas überrumpelt, aber zumindest ich habe mich schnell eingefunden. Es geht zwar wirklich um eine Liebesgeschichte, aber dennoch nehmen die Emotionen keinen besonders großen Raum ein. Am Ende haben sie sich, ohne große Umwege. Die Story ist auch etwas vorhersehbar, aber im Ganzen ein herrlicher Spaß, eine Art Action-Märchen. Smiley
 
Was ich daraus lernen kann, weiß ich irgendwie nicht. Augenrollen Ich schreibe nicht so, aber genau deswegen sind solche Romane eine wunderbare Abwechslung in der Leseerfahrung.

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Dorit
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Beiträge: 467
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #4 - 16.07.10 um 13:59
 
Was man daraus lernen kann?  
 
Ich persönlich, als Autorin lerne vor allem eines daraus: "Unterhalte deinen Leser - das ist dein Job!"
 
Als Leserin solcher Bücher, die von guten, soliden Erzählern geschrieben werden, lerne ich, dass ich mich dann auch getrost auf ein anderes Genre einlassen kann.  
Ein Beispiel: Katja Doubek "Königin der Meere"  
Eine Piratengeschichte von altem Schrot und Korn, sozusagen. Nur das der Piratenkapitän eine Frau ist, die es tatsächlich gegeben hat. Spannend erzählt, mit viel Humor, Zeitgeschichte, sehr lebendigen Figuren, die Guten wie die Bösen. Kurzum, Katja Doubek schreibt sonst überwiegend Sachbücher, Biografien über historische Persönlichkeiten und all sowas. Anhand dieses Buches habe ich erfahren, dass sie ebensoviel Spaß an sehr guter Unterhaltung hat.  
 
viele Grüße, Dorit

Wenn man dauernd hinfällt, muss man wieder aufstehen. Richtig. Aber man sollte nicht versäumen, sich die Stolperstelle aus der Nähe zu betrachten.


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TobiasL
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Beiträge: 288
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #5 - 16.07.10 um 15:20
 
Hallo zusammen,
 
"Keine Bewegung!" von Denis Johnson ist so ein Klischee-Roman. Total Pulp, Hardboiled. Und ein ziemlicher Lesegenuss.
 
Ach ja,  s20  könnte prima von Tarantino verfilmt werden.
 
Einordnen? Wieso einordnen ... Ich liebe Unordnung beim Lesen  s17
 
Lernen? Naja, ich habe daraus gelernt, dass es in den USA wohl kein Problem ist, wenn ein u.a. mit dem National Book Award ausgezeichneter Autor in Fortsetzung für den Playboy  Schockiert  einen Krimi/Thriller schreibt ...   Smiley
 
VG
Tobias

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Ist ein Fluch und gleichwohl Segen
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Dennoch will ich heute leben

(aus dem Song "Phoenix" von "Unheilig"
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hpr
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Beiträge: 3307
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #6 - 16.07.10 um 17:32
 
Zitat von UlfSch am 16.07.10 um 12:22:
Natürlich gibt es hier alles an Klischees, was man sich beim lustigen Piratenleben nur denken kann. Fängt schon damit an, wie der Held sich seine "Experten" für den großen Raubzub aussucht, alles einzigartige Typen. Das erinnert an "Ocean 11". Gleich wird auch eine feine Dame vernascht. Dann hangelt sich das Plot von einem Abenteuer und Desaster zum anderen. Wilde Klettertour auf spanischer Festungsinsel, Festung wird geknackt, spanische Galeone mit Riesengoldschatz geraubt, Flucht durch Korallenriffe, Seeschlacht, Hurricane, Seemonster und sogar noch karibische Menschenfresser. Jede Menge Gewalt, aber keine wirklich berührende. Leichen verschwinden, ohne dass die Helden sich lange mit langweiligen Dingen, wie Beerdigungen abgeben müssen, usw. usw.

Aber, wunderbare Unterhaltung, gut geschrieben, knapper, atemloser Stil, tolle Figuren, wenn auch keine tiefenpsycholgische Analysen. Man kann es nicht ernst nehmen, aber Spaß macht es dennoch.

Im witzigen Roman ist überzeichnung und Klischee immer erlaubt. Oft kommt gerade der Witz durch die Überzeichnung des Klischees. Weil jeder die langweiligen, bierernsten Varianten kennt Zwinkernd.
 
Hans Peter

Drei Seiten für ein Exposé
Exposekritik und mehr

mehr unter:
www.schreibratgeber.de
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ChristianeL
Silber Mitglied
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Beiträge: 185
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #7 - 18.07.10 um 15:10
 
Hallo,
voller Klischees und derartig überzogen, dass es fast große Kunst ist: Maniac von Douglas Preston / Lincoln Child, eine Serie über einen Agenten, gegen den James Bond ein Warmduscher und Stümper ist.
Was ich hier lernenswert finde, ist die Fähigkeit, Spannung zu erzeugen und mich bei der Stange zu halten, obwohl das Stimmchen in meinem Hinterkopf brüllt: "Quatsch! Völlig abstrus! Stereotypen!"  unentschlossen
Christiane

Die Geliebte des Sarazenen - rororo ISBN 978-3499254598
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Laila
Gold Mitglied
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Beiträge: 413
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #8 - 18.07.10 um 19:14
 
Zum Thema Klischee von Umberto Eco:
 
"Zwei Klischees sind lächerlich. Hundert Klischees sind ergreifend. Denn irgendwie geht einem plötzlich auf, dass die Klischees und Archetypen miteinander sprechen und ein Fest des Wiedersehens feiern."
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UlfSch
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Beiträge: 1517
Re: Meisterliche Klischees
Antworten #9 - 18.07.10 um 21:50
 
Zitat von Laila am 18.07.10 um 19:14:
Zum Thema Klischee von Umberto Eco:

"Zwei Klischees sind lächerlich. Hundert Klischees sind ergreifend. Denn irgendwie geht einem plötzlich auf, dass die Klischees und Archetypen miteinander sprechen und ein Fest des Wiedersehens feiern."

 
Toller Spruch !!!!
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