Fairlag - Aktionsbündnis für faire Verlage Montségur Autorenforum
                       
Willkommen, Gast. Bitte Einloggen. - 09.09.10 um 07:22

Seiten: 1
Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende (Gelesen: 537 mal)
AndreaG
Gold Mitglied
****



Beiträge: 442
Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
13.07.10 um 22:51
 
Hallo ihr Lieben,
 
ich schreibe zum ersten Mal eine Serie von Romanen, die alle im gleichen Universum angesiedelt sind, Urban Fantasy, das heisst paranormale Elemente in einer modernen Welt.
Der Mythos, auf dem der erste Roman der Serie begruendet war, entwickelt sich nun mit jedem Band weiter, jedoch ist das eine Evolution, die fast organisch passiert und viele Aspekte enthaelt, an die ich beim Entwurf des ersten Teils noch gar nicht gedacht habe.
 
Mich wuerde nun interessieren, wie das diejenigen unter euch handhaben, die ebenfalls Serien oder Fortsetzungen schreiben.
Entwerft ihr alle Grundzuege eures Universums oder eures Handlungsraums bereits im Vorfeld? Fuegt ihr spaeter nur Details hinzu?  
Oder geschieht diese Entwicklung Stueck fuer Stueck und bei einem spaeteren Teil entsteht z.B. eine Facette in der Hintergrundgeschichte, die sogar fruehere Teile in einem neuen Licht erscheinen laesst?
 
Ich bin sehr gespannt!
Andrea
 
Homepage IP gespeichert
Andrea S.
Moderator
Forums-Titan
*******



Beiträge: 3809
Re: Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
Antworten #1 - 14.07.10 um 10:08
 
Ich denke, das ist das Grundproblem jeder Reihe - man denkt sich ein Setting aus, und dann beginnt die Geschichte zu leben.
 
Grenzen setzt man sich ja immer, indem man die Umstände definiert, innerhalb derer die Figuren agieren. Ist etwas bereits gedruckt und erschienen, ist das auch nichts anderes als eine Vorgabe, an die man sich halten muss, und jede Veränderung darin verlangt eine nachvollziehbare Begründung.
 
Das bezieht sich eben nicht nur auf die Ausgestaltung der Realität, sondern auch der mythischen Hintergründe.  
 
Es ist m.E. vollkommen selbstverständlich, dass sich die Universen entwickeln, ob evolutionär oder revolutionär, das bleibt dem Autor überlassen. Nur - begründet muss es sein.  
Also keine Hemmungen, neues Licht auf bestehende Hintergründe zu werfen. Das macht doch das Schreiben erst richtig spannend!
 
Andrea, die andere

Wie wohl ist dem, der dann und wann
Sich etwas Schönes dichten kann.
Wilhelm Busch
IP gespeichert
Tanja
Silber Mitglied
***



Beiträge: 104
Re: Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
Antworten #2 - 14.07.10 um 12:26
 
Einige Grundzüge hat man, aber alles andere lasse ich auch entstehen während ich schreibe. Es baut sich so ein "eigenes Universum" auf. Die Mythologie kann sich ja erst nach und nach immer tiefer offenbaren, wenn man selbst eintaucht, sich ständig damit beschäftigt, immer neue Ansätze und Schlüsse gewinnt. Dieser Entstehungsprozess ist für mich mit einer der Gründe zu schreiben, denn das Gefühl, praktisch die Entstehung einer eigenen Welt mitzuerleben, ist für mich unbeschreiblich und ein beständiger Motor. Also nur Mut: Lass es leben!!!
 
LG
Tanja

Blessed Be
Homepage IP gespeichert
Kerstin
Silber Mitglied
***



Beiträge: 57
Re: Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
Antworten #3 - 14.07.10 um 13:37
 
Hallöchen!
Bei meiner ersten Urban-Fantasy-Geschichte (ist es eigentlich nicht, aber auch reale Welt mit phantastischen Elementen) hat es sich zwangsweise so ergeben, dass sich die Welt von selber weiterentwickelt, da es ursprünglich nur auf einen Roman ausgelegt war. Ich finde das sehr spannend.
Bei meinem zweiten, echten Urban-Fantasy-Projekt habe ich bewusst nur den groben äußeren Rahmen der phantastischen Elemente geplant, den Rest möchte ich mir offen halten.
Bei High-Fantasy halte ich es allerdings für unumgänglich die Welt bereits bis ins Detail zu kennen, bevor man schreibt. Natürlich kann man immer noch Anpassungen vornehmen, Teile entwickeln sich weiter, neue Verknüpfungen entstehen, man gewinnt mehr Verständnis für die Welt, aber ohne ein detailliertes Gerüst ist es in meinen Augen unmöglich eine glaubhafte Welt zu erschaffen.
Aber ich bin ja auch noch ein Neuling. Smiley
 
Liebe Grüße
Kerstin
Kerstin IP gespeichert
Tanja
Silber Mitglied
***



Beiträge: 104
Re: Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
Antworten #4 - 14.07.10 um 14:37
 
Huhu,
 
also ich denke nicht, dass man - egal welches Genre - die Welt von vornherein komplett durchdenken und planen muss. Wichtige Eckpunkte festlegen, klar. Aber letztlich muss man immer nur den Teil genau kennen, über den man gerade schreibt. Das kann sich wie ein Puzzle nach und nach ineinanderfügen. Und immerhin, wenn sich später was entwickelt, wodurch der Anfang nicht mehr richtig paßt, kann man das während der Nacharbeit immer noch anpassen.  
Wichtig ist: Je komplexer und umfangreicher, desto mehr sollte man sich Notizen machen, auf die man jederzeit zurückgreifen kann. Damit man sich nicht verzettelt. z.B. warum dieser Landstrich so und so ist, weshalb dieses Volk zu jenem in dieser oder jener Beziehung steht, weshalb Angehörige dieser Rasse auf eine spezielle Art und Weise reagieren, welche Mythologie dahintersteckt, welche Legenden, wie das miteinander verbunden ist. So verliert man nicht den Überblick.  
 
LG
Tanja

Blessed Be
Homepage IP gespeichert
AndreaG
Gold Mitglied
****



Beiträge: 442
Re: Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
Antworten #5 - 17.07.10 um 10:20
 
Hallihallo,
 
Zitat von Andrea S. am 14.07.10 um 10:08:

Also keine Hemmungen, neues Licht auf bestehende Hintergründe zu werfen. Das macht doch das Schreiben erst richtig spannend!

 
Genau diese Erfahrung mache ich gerade.  
Tatsächlich geht es mir so, dass ich mich immer mal wieder zurücklehne und selbst ganz fasziniert auf das Bild starre, das sich da plötzlich zusammensetzt, nachdem ich eine neue Zutat in den Kessel geschüttet habe. Wie im Nachhinein gewisse Details plötzlich eine tiefere Bedeutung bekommen (nicht, dass das geplant war ... auch wenn man das dann behaupten könnte).
Ich finde das sogar interessanter als einen kompletten Neuentwurf. Mir geht es ohnehin so, dass meine Kreativität am besten funktioniert, wenn ich um existierende Rahmenbedingungen und Limitationen herumbauen / anbauen muss. Es ist ein bisschen wie Scribble oder wie das Erfinden eines Kreuzworträtsels. Man verlängert bestimmte Stränge, setzt Erweiterungen an und dann muss man Querverbindungen schaffen, die wiederum ihre eigenen Anpassungen erzwingen usw.  
 
 
Zitat von Tanja am 14.07.10 um 12:26:
Die Mythologie kann sich ja erst nach und nach immer tiefer offenbaren, wenn man selbst eintaucht, sich ständig damit beschäftigt, immer neue Ansätze und Schlüsse gewinnt.

Das kann ich bestätigen.
Da ich versuche, meine Fantasy-Elemente möglichst nah an reale Mythen und Legenden anzulehnen bzw. geschichtliche Fakten, betreibe ich oft "rückwärtsgerichtete" Recherche, d.h. ich habe zuerst eine Idee und suche dann nach einer historischen/mythologischen Quelle (Bibelzitat etc.), die dazu passt und die - frei interpretiert - die Glaubwürdigkeit dieses Details untermauert.  
Dabei finde ich häufig zusätzliche Informationen, die der Geschichte noch mal eine ganz andere Wendung geben können.
 
 
LG, Andrea
Homepage IP gespeichert
UlfSch
Diamant Mitglied
******



Beiträge: 1517
Re: Evolution eines (Fantasy)-Universums ueber mehrere Baende
Antworten #6 - 17.07.10 um 13:16
 
Das ist eine Erfahrung, die ich auch im HR gerade gemacht habe.  
Nach viel Recherche habe ich im ersten Buch die Welt des provenzalischen Mittelalters nachgezeichnet. Im Zweiten, das am gleichen Ort, nur einige Jahre später spielt, kommt mir dies zugute. Aber, da das erste auf dem Land spielt und das zweite größtenteils in einer Stadt, ergeben sich zwar Überschneidungen, aber keine langatmigen Wiederholungen. Und da ich nun schon mit dem Dritten liebäugele (wenn der Verlag mitspielt), würde ich dort weitere Aspekte unterbringen, die ich bisher noch nicht behandeln konnte. So entsteht ein immer umfassenderes Bild dieser Welt.
 
LG
Ulf
E-Mail Homepage IP gespeichert
Seiten: 1
Hallo lieber Forumsgast,

das Montségur Autorenforum wird seit Jahren rein ehrenamtlich betrieben und ist eine unentgeltliche Einrichtung.

Damit das bei steigendem Aufwand und steigenden Kosten trotzdem so bleiben kann, wäre es schön, wenn du das Forum ab und zu unterstützt.

Schon ein Euro im Monat hilft weiter!



Nein, ich möchte diesen Monat nicht spenden.

Gute Idee, ich spende mit PayPal: