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Willkommen, Gast. Bitte Einloggen. - 09.09.10 um 07:42

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Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben (Gelesen: 873 mal)
AndreaG
Gold Mitglied
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Beiträge: 442
Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
23.06.10 um 06:46
 
Hallo zusammen,
 
mir kam heute der Gedanke, dass Erotikszenen und Action- oder Kampfszenen viel miteinander gemein haben:
 
 
 
 
Der Weg zu Intensität und packender Emotionalität führt über die Details. Möglichst Details, die alle Sinne mit einbeziehen.  
 
Zeitabläufe und sinnliche Wahrnehmung verlieren jede Objektivität, erscheinen verzerrt - was ein wichtiges Stilmittel ist, um Dramatik und Tiefe zu schaffen.
 
Choreographie ist alles. Die Balance zwischen physikalischer Machbarkeit und glaubwürdiger Übertreibung ist delikat und muss fein ausgewogen werden, damit es weder langweilig noch lächerlich erscheint.
 
Die Wahl des Vokabulars und der Sprachbilder ist eine Gradwanderung. Im Schlachtengemälde soll es wuchtig und schmerzhaft sein, ohne in Splatter abzugleiten. Beim Sex sinnlich und hocherotisch, aber nicht pornografisch.
 
Wenn es mehrere davon im Roman gibt, stellt sich die Frage, wie man sie abwechslungsreich gestaltet, ohne in exotische Unglaubwürdigkeit abzugleiten.
 
Ich finde sie beide gleichermaßen herausfordernd zu schreiben. (Aber - wenn sie gelungen sind - sind sie auch die glasierten Schokokringelerdbeeren auf der Torte.)
 
 
 
 
Ich bin sehr neugierig darauf, ob jemand das hier ähnlich empfindet oder eigentlich ganz anders und freue mich sehr auf eure Meinungen.
 
 
Liebe Grüsse,
Andrea  
 
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chrissi
Gold Mitglied
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Beiträge: 338
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #1 - 23.06.10 um 11:45
 
Hallo Andrea,
 
ich finde deinen Gedanken sehr interessant. Gemeinsam haben beide Szenen jedenfalls die Intensität, mit der die Figuren sie erleben, und beide haben viel Potenzial, phrasenhaft zu werden, weil man versucht, sie zu überhöhen. Zwinkernd
 
Ich erlebe dennoch deutliche Unterschiede. Seit zwei Tagen schleiche ich nun herum und drücke mich vor einer Liebeszene, in der sich beide Hauptfiguren endlich näher kommen, nur um gleich danach wieder auseinandergerissen zu werden. Die Actionszene, die dem ganzen vorausging, fand ich einfacher.  
 
Ich weiß auch, woran das bei mir liegt:  
Rasante Szenen zu schreiben, Tempo herstellen durch schnelle äußere Handlungsabfolge, kurze Sätze usw. fällt mir leichter. Schwerer finde ich es, langsamere, „innerliche“ Szenen zu schreiben, bei denen ich an jeder Metapher, an jedem Figurengedanken lange feilen muss. Actionszenen fallen mehr unter erstere, während erotische Szenen sich bei mir meist durch ein langsameres Tempo auszeichnen, ein Knistern unter der Oberfläche, Romantik, ein zögerlicheres Annähern und einer Verletzlichkeit weniger des Körpers als der Gefühle.
 
Liebe Grüße
Chrissi

Schreiben geht entweder unendlich schnell oder unendlich langsam vor sich.
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AndreasE
Platin Mitglied
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Beiträge: 512
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #2 - 23.06.10 um 21:05
 
Gut beobachtet. Bei Action wie bei Erotik verändert sich die Wahrnehmung, kriegt man einen "Tunnelblick", blendet alles ringsum aus, was gerade nicht wichtig ist.
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Mascha
Gold Mitglied
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Beiträge: 337
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #3 - 23.06.10 um 22:08
 
Du hast Recht, Andrea, da gibt es Zusammenhänge. Beide Arten des Erlebens sind extrem und intensiv.
 
Zitat:
Rasante Szenen zu schreiben, Tempo herstellen durch schnelle äußere Handlungsabfolge, kurze Sätze usw. fällt mir leichter.

Muss eine Actionszene denn automatisch rasant sein? Sie kann ihre Spannung auch aus extremer Verlangsamung beziehen, sozusagen Zeitlupe, um dann plötzlich wieder schneller zu werden. Und eine erotische Szene kann atemlos sein, mit schnell gegeneinander geschnittenen Bildern und Empfindungen.
OK, off topic – es fiel mir nur auf.
 
Gruss,
 
Mascha

"Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen." Johann W. Goethe
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UlfSch
Diamant Mitglied
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Beiträge: 1517
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #4 - 24.06.10 um 10:47
 
Ich finde auch, man kann das in gewissen Aspekten vergleichen. Die Geschwindigkeit spielt dabei nicht unbedingt die große Rolle. Das "Vorspiel" zur Actionszene kann ja auch durchaus langsam sein und hohe Spannung erzeugen. Ja, Tunnelblick ist das eine, aber auch eine erhörte Wahrnehmung des Chaos um einen herum (einerseits) und des umfangreichen Emotionscocktails von Zärtlichkeit bis Begierde (andererseits).
 
LG
Ulf
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Silvia
Gold Mitglied
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Beiträge: 385
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #5 - 27.06.10 um 13:46
 
Zitat von AndreasE am 23.06.10 um 21:05:
Gut beobachtet. Bei Action wie bei Erotik verändert sich die Wahrnehmung, kriegt man einen "Tunnelblick", blendet alles ringsum aus, was gerade nicht wichtig ist.

 
 
... und fixiert sich auf das Wesentliche, dem Brachialen. Ein Ansturm auf die tiefsten Urinstinkte, den der Homo erectus in uns zurückgelassen hat.

"Das Rote Palais: Die Schattenpforte 03"
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Kokopelli
Diamant Mitglied
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Beiträge: 1056
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #6 - 27.06.10 um 19:01
 
Das ist interessant, Andrea, die Idee ist mir noch gar nicht gekommen. Aber es erscheint mir logisch, zumal es auch genau die beiden Arten von Szenen sind, die mir am meisten Spaß machen und am besten gelingen.  Smiley
 
 
Viele Grüße,
 
Michelle
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Hans-Juergen
Platin Mitglied
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Beiträge: 591
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #7 - 28.06.10 um 08:49
 
Die gerade am Wochenende (am heimischen Fernseher) erlebten Lesungen zum Bachmannpreis haben mir gezeigt, dass in Erotikszenen deutlich mehr Gefahren des Misslingens liegen, als in Aktionszenen. Der Text "Ausgehen" von Josef Kleindienst war spannend geschrieben. Allerdings stellten die Jurymitglieder zu recht die Frage, ob der Text nicht zu sehr voyeuristisch oder gar pornografisch geraten sei.
 
Hans-Jürgen

In diesem Jahr erschienen - mein deutsch-deutscher Krimi "Gegenwende"
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AndreaG
Gold Mitglied
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Beiträge: 442
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #8 - 04.07.10 um 22:21
 
Vielen Dank für eure Beiträge zu diesem Thema!
 
Ich hatte früher mit Erotikszenen sehr zu kämpfen, Actionszenen habe ich schon immer gern geschrieben. Die Erotik wurde für mich um vieles einfacher, als ich begann, meine Actionszenen-Methodik darauf anzuwenden.
 
Inzwischen schreibe ich beide Arten von Szenen gern, ich stelle aber auch fest, dass es die Szenen sind, die mich am meisten auslaugen, d.h. mir die höchste Konzentration und Energie abverlangen, selbst wenn ich sie vorher sorgfältig durchchoreografiert habe.  
 
 
LG, Andrea (gerade vollkommen erschöpft von 20 Seiten Finale voller Action)  
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AndreaG
Gold Mitglied
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Beiträge: 442
Re: Was Erotikszenen mit Actionszenen gemein haben
Antworten #9 - 04.07.10 um 22:33
 
Zitat von Hans-Juergen am 28.06.10 um 08:49:
Die gerade am Wochenende (am heimischen Fernseher) erlebten Lesungen zum Bachmannpreis haben mir gezeigt, dass in Erotikszenen deutlich mehr Gefahren des Misslingens liegen, als in Aktionszenen.

 
Meine These dazu ist, dass mehr Menschen sich in Erotikszenen hineinversetzen können als in Actionszenen. Erotik kennen die meisten aus eigenem Erleben (selbst wenn die Buch-Erotik natürlich die Hochglanzvariante ist, die mit der Realität oft nur bedingt was zu tun hat). Action dagegen nur aus dem Fernsehen, also aus zweiter Hand. Da verzeihen sich Fehler oder ein Fehltritt in der Balance eher.
Je besser ein Leser die Materie kennt, desdo schwieriger, die so für ihn zu beschreiben, dass er sie "kauft".
Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass Erotik per se mit einer "darüber-spricht-man-nicht"-Tradition aus der Vergangenheit zu kämpfen hat. Wenn ich mir allein den zur Verfügung stehenden Wortschatz für Erotik ansehe und mit dem für Action vergleiche -  
Für ein Schlachtengemälde gibt es unzählige schöne Worte. Die sind voller Poesie, kraftvoll, klingen selten abgenutzt und machen die reine Textarbeit einfacher.
Erotik - tja, da wird es dünn. Die meisten Begrifflichkeiten klingen entweder nach Anatomielehrbuch oder sind umgangssprachlich, was sofort die Gefahr der Verniedlichung nach sich zieht - oder ins Pornografische schlägt.  
 
 
LG, Andrea
 
 
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Seiten: 1
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