Zitat von Hans-Juergen am 28.06.10 um 08:49:Die gerade am Wochenende (am heimischen Fernseher) erlebten Lesungen zum Bachmannpreis haben mir gezeigt, dass in Erotikszenen deutlich mehr Gefahren des Misslingens liegen, als in Aktionszenen.
Meine These dazu ist, dass mehr Menschen sich in Erotikszenen hineinversetzen können als in Actionszenen. Erotik kennen die meisten aus eigenem Erleben (selbst wenn die Buch-Erotik natürlich die Hochglanzvariante ist, die mit der Realität oft nur bedingt was zu tun hat). Action dagegen nur aus dem Fernsehen, also aus zweiter Hand. Da verzeihen sich Fehler oder ein Fehltritt in der Balance eher.
Je besser ein Leser die Materie kennt, desdo schwieriger, die so für ihn zu beschreiben, dass er sie "kauft".
Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass Erotik per se mit einer "darüber-spricht-man-nicht"-Tradition aus der Vergangenheit zu kämpfen hat. Wenn ich mir allein den zur Verfügung stehenden Wortschatz für Erotik ansehe und mit dem für Action vergleiche -
Für ein Schlachtengemälde gibt es unzählige schöne Worte. Die sind voller Poesie, kraftvoll, klingen selten abgenutzt und machen die reine Textarbeit einfacher.
Erotik - tja, da wird es dünn. Die meisten Begrifflichkeiten klingen entweder nach Anatomielehrbuch oder sind umgangssprachlich, was sofort die Gefahr der Verniedlichung nach sich zieht - oder ins Pornografische schlägt.
LG, Andrea