Zitat von Mascha am 22.06.10 um 20:13:
Mich interessiert der Prozess: Was kommt in Gedanken zuerst? Wie entwickelt sich die Geschichte im Kopf des Autors zwischen den beiden Polen "Plot" und "Figuren"?
Eine "nackte" Idee kann mir schon mal ohne Charaktere in den Sinn kommen. Also sagen wir beispielsweise "Heimatverlust" oder "Große Liebe". Aber sogar dann sucht diese Idee sofort nach Figuren und Orten. Sie möchte sogleich an etwas, an jemanden anknüpfen, die bloße Idee möchte sich ankleiden.
Zumindest für mich ist nach den ersten Funken einer Idee eine Trennung zwischen "Plot" und "Figuren" nicht möglich.
Denn ich brauche die Charaktere, um Handlung überhaupt zu erzeugen.
Ja, es gibt auch Ereignisse, wie Angelika schreibt, die ohne Figuren auskommen. Naturereignisse. Vom Wind über dem Meer bis zum Vulkanausbruch. Das lässt sich ohne Figuren beschreiben.
Doch sogar da ist ja ein Betrachter vorhanden, hält sich nur möglicherweise als Autorin/Autor ganz im Hintergrund. Wird aber ohne Wertung, indem etwas schön oder bedrohlich etc. geschildert wird, kaum auskommen.
Für mich lässt sich Handlung ohne Figuren nicht entwickeln, von daher treten Figuren sofort auf den Plan. Und entwickeln den Plot mit mir

, und wenn ich mir "Plot" und "Figuren" als Pole vorzustellen versuche, so muss ich an unsere Erde denken. Sie hat zwar einen Südpol und einen Nordpol. Sie können aber nur als Punkte
einer gemeinsamen Kugel existieren.
Also die Wechselwirkung zwischen Handlung und Charakteren setzt bei mir im Kopf sofort bei der ersten zündenden Idee ein.
Die spätere Entwicklung, ja, die ist dann sehr vielschichtig, doch die Wechselwirkung bleibt.
LG Imre