Hallo!
Ich schließe mich Melanie an. Natürlich kommen reale Figuren und Begebenheiten auch in den historischen Romanen vor, die keine historische Persönlichkeit als Hauptprotagonist haben. Es geht ja kaum anders.
Aber muss es denn immer eine bekannte Persönlichkeit sein, die im Mittelpunkt der Geschichte steht?
Warum sollte nicht ein 'normaler' Mensch, von dem es keine historische Überlieferung gibt, genauso interessant sein? Die Welt damals bestand nicht nur aus den in Quellen namentlich erwähnten Personen (ich fürchte, dann kämen die Frauen in der Tat schlecht weg

). Sie besteht aus vielen, vielen mehr.
Und nun kommt vermutlich wieder das Argument: Aber das ist dann doch alles erfunden - also Fantasy.
Es wurde hier oder in der anderen Diskussion bereits erwähnt: Auch die realen Figuren können nie ein Abbild der damaligen Wirklichkeit sein. Die Quellen sind zu widersprüchlich (je nach politischer Ausrichtung der Überlieferers), der Autor ist kein Historiker, muss aber auch interpretieren und - da er ja ein Bild von der Person und dem Geschehen zeichnen muss - sich zwangsläufig für eine Version entscheiden.
Für die historischen Fakten und Diskussionen gibt es Geschichtsbücher.
Romane sind immer zum guten Teil Fiktion.
Aber mal eine ganz generelle Frage:
Wir werden heute noch zum Teil gesteuert von den Genen, die unsere Vorfahren in der Steinzeit zum Überleben brauchten. Ich denke, jeder, der schon versucht hat, eine Diät zu machen und den berühmten JoJo-Effekt erlebt hat, weiß, wovon ich spreche. Die Menschheit hat sich also körperlich im Laufe ihrer Entwicklung immer noch nicht an die neuen Lebensgewohnheiten angepasst - und die Zeit, in der unsere Vorfahren im Neolithikum erstmals sesshaft wurden, liegt nun auch schon ein paar Jährchen zurück.
Wenn das so ist, warum sollte nicht vieles in unserem heutigen Denken und Fühlen, in unserer Art, mit anderen umzugehen und uns selbst für den Nabel der Welt zu halten, auch schon bei den Frühzeitmenschen, in der Antike und natürlich auch im Mittelalter da gewesen sein?!
In der Tat weisen nicht wenige Quellen in diese Richtung - ich empfehle allein einmal die Beschäftigung mit Religion von ihren Anfängen über die Götter der Griechen und Römer bis hin zum Aberglauben im Mittelalter.
Ich bin übrigens Ur-und Frühgeschichtlerin (das ist sozusagen prähistorische/mittelalterliche Archäologie), das nur am Rande, falls sich wer wundert
Äh, ja, um zum Punkt zu kommen: Ich glaube nicht, dass wir Menschen uns in unseren Grundantriebskräften so sehr unterscheiden von unseren Vorfahren. Es ist lediglich das Umfeld, das unterschiedlich ist. Nehmen wir also eine Figur mit einer Grundantriebskraft und setzen sie ins Mittelalter mit all seinen Beschränkungen und Möglichkeiten.
Meine Frage: Ist das nicht spannend? Ist das nicht authentisch?!
Gruß Susann