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Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman (Gelesen: 1284 mal)
Andrea S.
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Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
14.11.09 um 13:17
 
Aus der Diskussion über die Kriterien für historische Romane will ich einen hochinteressanten Aspekt herausnehmen:
 
Welche Vor- oder Nachteile seht ihr in der Verwendung von realen Personen mit einer (mehr oder minder) gesicherten Biographie als Hauptfigur?
 
Wie sieht es dazu im Gegenzug mit fiktiven Personen aus, die mit den Attributen ihrer Zeit ausgestattet sind?
 
Die realen Personen setzen Grenzen in Zeit und Raum, auch in ihren Handlungen und ihrer Weltsicht, bieten dem Leser aber ein (mehr oder weniger) fundiertes Bild einer herausragenden Perönlichkeit. Ich sehe aber die Gefahr der Fehlinterpretation.
 
Bei den fiktiven Personen hat man mehr Handlungsspielraum, vor allem, wenn man ihnen die symbolische Rolle des Zeitgeistes unterlegt. Hier taucht aber häufig das Argument auf, dass sie unglaubwürdig denken und handeln, eben weil nicht durch reale Biographien belegt.
 
Wie seht Ihr das?
 
Andrea

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MelanieM
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Beiträge: 4082
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #1 - 14.11.09 um 14:36
 
Das Argument, fiktiven Figuren eher als historischen ein unglaubwürdiges Handeln oder Denken zu unterstellen, halte ich für nicht haltbar, denn letztendlich muss man sich ja genauso in die realen Personen einfühlen. Und wenn man sich biografische Romane zu verschiedenen historischen Persönlichkeiten anschaut, so gibt es da alle Facetten - ein und dieselbe historisch belegte Person ist mal heldenhaft, edel und gut und im nächsten Roman schurkisch und intrigant. Das einzige, was bleibt, sind die Rahmenbedingungen, die durch geschichtliche Daten belegt sind. Dazwischen nutzen die Autoren doch alle möglichen Interpretationsmöglichkeiten. Also wird auch nicht von einer wirklich historischen Figur geschrieben, sondern es wird eine Romanfigur erfunden, die mit der wirklichen Person nur einige Eckdaten gemein hat. Wenn es gut gemacht ist, ist die Annäherung sehr groß, aber mehr als eine Annäherung kann es nicht sein.  
 
Ebenso kann eine fiktive Figur sich an genau den gleichen Rahmenbedingungen entlanghangeln und durchaus reale Vorbilder haben in Handeln und Denken. Oftmals sind fiktive Personen ja auch ein Puzzle aus mehreren realen Charakteren der damaligen Zeit.  
 
Sicher ist es schwieriger, sich einer realen Figur anzunähern als eine fiktive Figur neu zu erschaffen - einfach weil der Rahmen enger ist und man aufpassen muss, sich im richtigen zeitlich-geschichtlichen Kontext zu bewegen, damit meine ich z.B. wann sich die Figur wo und wie aufgehalten hat und mit wem sie sich getroffen hat oder wie die Verwandtschaftsbeziehungen waren. Aber wenn man nicht aufpasst, kann man sowohl eine belegte als auch eine fiktive Persönlichkeit unglaubwürdig handeln lassen.  
 
Gruß, Melanie
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Susann
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Beiträge: 835
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #2 - 14.11.09 um 15:37
 
Hallo!
 
Ich als Leser interessiere mich weniger für Bücher, die als Hauptfigur eine reale Persönlichkeit haben. Der Grund ist, dass ich immer ein wenig die Befürchtung habe, ein verkapptes Geschichtsbuch in den Händen zu halten (ist sicher ungerecht, aber ist halt mein Gefühl).
Ein weiterer Grund mag sein, dass es da meist um recht bekannte Gestalten geht (denn über unbekannte ist die Quellenlage zu mager) und mich interessieren mehr die Menschen aus der Bevölkerung, die aus geringen Möglichkeiten viel gemacht haben.
 
Als Autor möchte ich mich beim Erzählen nicht zu sehr an historisch belegte Ereignisse binden, die mir wenig Freiraum für eine eigenständige Dramaturgie im Roman bieten. Für mich ist ein solide recherchierter Hintergrund absolut notwendig. Bei der Entwicklung meiner Hauptfigur aber brauche ich die Freiheit, selbst zu entscheiden welche Kämpfe sie kämpfen wird, wo sie beginnt, was sie lernt und wo sie am Ende steht.
 
Gruß Susann

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Helene
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Beiträge: 988
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #3 - 14.11.09 um 16:43
 
Die Gefahr der Fehlinterpretation bei realen Figuren ist nicht von der Hand zu weisen, Andrea. Auch wenn man sich noch so intensiv mit einer authentischen Person beschäftigt; es wird immer jemanden geben, der eine bislang unbekannte Quelle angezapft hat oder einfach ein anderes Brennglas benutzt, d.h. die Figur in einem anderen Licht sieht.
 
Aber so wie einige AutorInnen sich nicht an historisch belegte Ereignisse und Personen binden wollen, gibt es welche, die gerade das herausfordert. Ich mag sehr gerne "Geschichte" erzählen, setze aber neben dem Wissen und der (oft brüchigen) Wahrheit auch intensiv mein Gefühl und meine Intuition ein. Und hoffe natürlich, dass das meinen Lesern gefällt.  Zwinkernd  
 
Ist doch toll, dass es diese Vielfalt an historischen Romanen gibt.
 
Liebe Grüße
 
Helene

Helene Luise Köppel
Juli 2009 "CARCASSONNE. Das Schicksalsrad"
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Hans-Juergen
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Beiträge: 591
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #4 - 14.11.09 um 16:55
 
Ich benutze grundsätzlich keine realen historischen Figuren. Einige Gründe habt ihr ja schon angefügt. Ich habe aber immer die Angst, Persönlichkeitsrechte zu verletzen und dann irgendwelche Schwierigkeiten bekomme.
 
Könnt ihr mich da vielleicht einmal aufklären, was ich beachten müsste, wenn ich z. B. Helmut Kohl in einem MS als Figur einsetzen würde.
 
Hans-Jürgen

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Andrea S.
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Beiträge: 3820
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #5 - 14.11.09 um 17:18
 
Zitat von Hans-Juergen am 14.11.09 um 16:55:
Könnt ihr mich da vielleicht einmal aufklären, was ich beachten müsste, wenn ich z. B. Helmut Kohl in einem MS als Figur einsetzen würde.

 
Der mag zwar Geschichte sein, ist aber noch nicht historisch  Smiley
 
Andrea

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Lothar Nietsch
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Beiträge: 311
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #6 - 15.11.09 um 08:28
 
Guten Morgen,
 
reale Figuren in einem historischen Roman halte ich für unumgänglich. Das und natürlich irgendeine Begebenheit, die auch tatsächlich stattgefunden hat. Alles andere ist für mich - äh, tja, was? Fantasy?  Smiley
 
LG
 
Lothar

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MelanieM
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Beiträge: 4082
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #7 - 15.11.09 um 08:51
 
Reale Figuren tauchen natürlich in HRs auf, aber die Frage ist doch, ob es sich dabei um die Hauptfiguren handeln muss oder nicht. Natürlich bleibt ein Roman historisch, wenn nur die Nebenfiguren real sind, z.B. die belegten Fürsten, Kirchenleute etc.  
Gleich von Fantasy zu sprechen, falls die Protagonisten fiktiv sind, halte ich für eine sehr gewagte These. Dann sind doch garantiert 70% der HRs Fantasy.
 
Gruß, Melanie
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Andrea S.
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Beiträge: 3820
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #8 - 15.11.09 um 09:49
 
Zitat von Lothar Nietsch am 15.11.09 um 08:28:
reale Figuren in einem historischen Roman halte ich für unumgänglich. Das und natürlich irgendeine Begebenheit, die auch tatsächlich stattgefunden hat. Alles andere ist für mich - äh, tja, was? Fantasy?  Smiley

 
Darum ging es mir in diesem Thread nicht. Selbstverständlich reichert man seinen historschen Roman mit Fakten an - Ereignissen, zeitgenössischen "Neben"- Figuren, die das passende Colorit geben, selbst wenn die Geschichte selbst und die Hauptfiguren fiktiv sind.
 
Die Urspungsfrage bezieht sich darauf, welche Vor- und Nachteile historisch/biographisch belegte Hauptfiguren gegen über fiktiven haben. Ich ergänze: welche Erfahrungen haben Autoren mit ihrer Leserschaft dazu gemacht.
 
Und ich habe sie deshalb gestellt, weil ich hier und da ein gewisses Naserümpfen verspürt habe, wenn ein historischer Roman auf fiktiven Protagonisten aufbaut.
 
Andrea

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Susann
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Beiträge: 835
Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #9 - 15.11.09 um 09:54
 
Hallo!
 
Ich schließe mich Melanie an. Natürlich kommen reale Figuren und Begebenheiten auch in den historischen Romanen vor, die keine historische Persönlichkeit als Hauptprotagonist haben. Es geht ja kaum anders.
Aber muss es denn immer eine bekannte Persönlichkeit sein, die im Mittelpunkt der Geschichte steht?
Warum sollte nicht ein 'normaler' Mensch, von dem es keine historische Überlieferung gibt, genauso interessant sein? Die Welt damals bestand nicht nur aus den in Quellen namentlich erwähnten Personen (ich fürchte, dann kämen die Frauen in der Tat schlecht weg  Zwinkernd ). Sie besteht aus vielen, vielen mehr.
 
Und nun kommt vermutlich wieder das Argument: Aber das ist dann doch alles erfunden - also Fantasy.
Es wurde hier oder in der anderen Diskussion bereits erwähnt: Auch die realen Figuren können nie ein Abbild der damaligen Wirklichkeit sein. Die Quellen sind zu widersprüchlich (je nach politischer Ausrichtung der Überlieferers), der Autor ist kein Historiker, muss aber auch interpretieren und - da er ja ein Bild von der Person und dem Geschehen zeichnen muss - sich zwangsläufig für eine Version entscheiden.
Für die historischen Fakten und Diskussionen gibt es Geschichtsbücher.
Romane sind immer zum guten Teil Fiktion.
 
Aber mal eine ganz generelle Frage:
Wir werden heute noch zum Teil gesteuert von den Genen, die unsere Vorfahren in der Steinzeit zum Überleben brauchten. Ich denke, jeder, der schon versucht hat, eine Diät zu machen und den berühmten JoJo-Effekt erlebt hat, weiß, wovon ich spreche. Die Menschheit hat sich also körperlich im Laufe ihrer Entwicklung immer noch nicht an die neuen Lebensgewohnheiten angepasst - und die Zeit, in der unsere Vorfahren im Neolithikum erstmals sesshaft wurden, liegt nun auch schon ein paar Jährchen zurück.
Wenn das so ist, warum sollte nicht vieles in unserem heutigen Denken und Fühlen, in unserer Art, mit anderen umzugehen und uns selbst für den Nabel der Welt zu halten, auch schon bei den Frühzeitmenschen, in der Antike und natürlich auch im Mittelalter da gewesen sein?!
In der Tat weisen nicht wenige Quellen in diese Richtung - ich empfehle allein einmal die Beschäftigung mit Religion von ihren Anfängen über die Götter der Griechen und Römer bis hin zum Aberglauben im Mittelalter.
Ich bin übrigens Ur-und Frühgeschichtlerin (das ist sozusagen prähistorische/mittelalterliche Archäologie), das nur am Rande, falls sich wer wundert  Zwinkernd  
 
Äh, ja, um zum Punkt zu kommen: Ich glaube nicht, dass wir Menschen uns in unseren Grundantriebskräften so sehr unterscheiden von unseren Vorfahren. Es ist lediglich das Umfeld, das unterschiedlich ist. Nehmen wir also eine Figur mit einer Grundantriebskraft und setzen sie ins Mittelalter mit all seinen Beschränkungen und Möglichkeiten.
Meine Frage: Ist das nicht spannend? Ist das nicht authentisch?!
 
Gruß Susann

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Christa
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Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #10 - 15.11.09 um 10:29
 
Zitat von Andrea S. am 14.11.09 um 13:17:
Welche Vor- oder Nachteile seht ihr in der Verwendung von realen Personen mit einer (mehr oder minder) gesicherten Biographie als Hauptfigur?

Wie sieht es dazu im Gegenzug mit fiktiven Personen aus, die mit den Attributen ihrer Zeit ausgestattet sind?

 
Der Vorteil der realen Personen besteht in eben diesen mehr oder weniger gesicherten Quellen. Ihr Nachteil ist, dass man nicht über viele historische Personen eine spannende Geschichte schreiben kann. Ich habe das mal lang und breit durchforstet. Die Geschichte ist also das Entscheidende, und die kann man in reale historische Vorkommnisse einbetten oder sie mit ihnen verknüpfen.
 
Das mit den Grundantriebskräften gefällt mir. Ich habe ebenfalls festgestellt, dass es Archetypen der Persönlichkeit gibt, die sich im Laufe der Zeit nicht ändern.
Nehmen wir einmal das Phänomen der Kränkung. Dass fiktive Personen in historischen Romanen Fantasy seien, habe ich noch nie gehört. Und es hat auch noch nie jemand die Nase gerümpft. Ich kenne nur jemanden, der lieber eine Romanbiografie über die Fugger liest als eine Geschichte über zum Teil fiktive Personen.  
Und was die spannende historische Persönlichkeit betrifft: Ein Buchhändler sagte mal zu mir, Hölderlin hätte die spektakulärere Figur abgegeben gegenüber Mörike.
Im Moment lese ich einen Roman, der im 18. Jahrhundert in Preussen spielt-mit realen Charakteren und Handlungen. Wäre das nicht sehr gut geschrieben, kämen nicht Casanova und eine wirklich spannende Liebesgeschichte vor, wäre ich darüber bestimmt schon eingeschlafen! Zwinkernd
Grüße
Christa

Neueste Veröffentlichungen:
Schwäbischer Haus-und Heimatkalender, September2010 bei Oertel&Spörer
Gezeiten-Hin-und-Weg-Geschichten bei Edition Anderswo, September 2010
Autorenblog: http://schreibteufelchen-christa.blogspot.com/
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Charlie
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Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #11 - 15.11.09 um 10:36
 
Zitat von Andrea S. am 15.11.09 um 09:49:
[Die Urspungsfrage bezieht sich darauf, welche Vor- und Nachteile historisch/biographisch belegte Hauptfiguren gegen über fiktiven haben. Ich ergänze: welche Erfahrungen haben Autoren mit ihrer Leserschaft dazu gemacht.


 
Unter meinen Romanen kam derjenige, in dem ausschliesslich historisch verbuergte Figuren auftreten, am besten an. Mir hat er auch am meisten gelegen, es ist mein Lieblingsroman. Zu mir passt diese Form am besten, weil ich mich davor fuerchte, eine Figur zu schaffen, die in die Zeit gar nicht passt (was mir selbstredend auch mit einer verbuergten Figur passieren kann, zumindest aber habe ich engere Vorgaben) weil es mir sehr wichtig ist, Geschichten zu erzaehlen, die geschehen sein koennten, weil das mein Anliegen ist: von Menschen zu erzaehlen - was viel leichter ist, wenn dieser Mensch mir vorgelebt hat, als wenn ich ihn mir erst vorleben muss.
Ja, ich finde diese Form leichter.
Ich bin ohnehin kein sehr phantasievoller Mensch. Es liegt mir mehr.
Und ich glaube, das ist auch der einzige benennbare Unterschied: Dem einen liegt das mehr, dem anderen - der andere Staerken hat - jenes. Wichtig ist mir, Figuren auszuwaehlen, die in meine Geschichte passen, bei denen sie am besten aufgehoben ist.
 
Und - trotz aller oben beschriebenen Freude am Schreiben eines Romans mit historisch verbuergten Figuren habe ich danach genau das Gegenteil gemacht und alle Figuren - bis auf ihre Namen, Lebensdaten und Berufe, die ich in Registern fand - vollstaendig erfunden, und zwar aus einem sehr einfachen Grund, den auch Susann anreisst: Mein Roman zu historisch verbuergten Figuren hatte eine Gruppe von Adligen im Mittelpunkt. ICH bin aber keiner - und mit Ausnahme dieser einen Gruppe interessieren mich rotbluetige Menschen viel mehr.
Ueber die sind aber im 14. Jahrhundert keine Chroniken geschrieben worden, da bin ich auf das bisschen, was an Beweismaterial geblieben ist, angewiesen. Und auf meine - duerre - Phantasie.
 
Mein neuer Roman hat wieder "historisch verbuergte", weil eben die Menschen, die in diese Geschichte gehoeren, alle verbuergt sind. Die Frage stellte sich gar nicht.
Das gleiche gilt fuer das naechste Projekt.
Und das danach wird wieder fiktive Figuren haben - weil es zu der Geschichte keine historisch verbuergten gibt.
So einfach.
 
Ich lasse die Geschichte entscheiden und bin der Ansicht, Geschichten von Menschen, wie sie geschehen sein koennten, kann man in beiden Sparten schreiben. Dem einen faellt - wie gesagt - dieses leichter, dem anderen jenes.
 
Einen schoenen Sonntag wuenscht Charlie

Credo ut intelligam.
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Andrea S.
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Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #12 - 15.11.09 um 10:38
 
Zitat von Susann am 15.11.09 um 09:54:
Äh, ja, um zum Punkt zu kommen: Ich glaube nicht, dass wir Menschen uns in unseren Grundantriebskräften so sehr unterscheiden von unseren Vorfahren. Es ist lediglich das Umfeld, das unterschiedlich ist. Nehmen wir also eine Figur mit einer Grundantriebskraft und setzen sie ins Mittelalter mit all seinen Beschränkungen und Möglichkeiten.
Meine Frage: Ist das nicht spannend? Ist das nicht authentisch?!

 
Genau das ist mein Grundantrieb, fiktive Gestalten zu wählen und sie mit ihren menschlichen Qualitäten durch die Zeiten wandern und sie mit oder gegen die jeweils geltenden Regeln Erfahrungen sammeln zu lassen.
 
Die Frage, wie sich beispielsweise ein genetisch bedingter Grantbolzen, eine notorische Lügnerin, ein Zweifler oder eine narzisstische Persönlichkeit so durchschlägt - das macht die Geschichte spannend.
 
Andrea

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Andrea S.
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Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #13 - 15.11.09 um 10:40
 
Hübsch, Charlie - da haben wir beide gerade ein wunderbares Beispiel dafür geliefert, wie wir mit unseren unterschiedlichen Ansätzen leben und schreiben!
 
Andrea

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CorneliaL
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Re: Fiktive oder reale Figuren im historischen Roman
Antworten #14 - 15.11.09 um 12:48
 
Auch ich habe vor, in meinem nächsten Projekt, um eine historische (letztes Jahrhundert, und Anfang dieses Jahrhunderts verstorben) Person herum eine Romanhandlung aufzubauen, die sich aber natürlich eng an das wirkliche Leben der Person anlehnt. (Soll aber keine Biografie werden, sondern nur einen Aspekt dieses Lebens behandeln) Die Antagonistin lebt allerdings heute noch und ich frage mich, wie das mit den Persönlichkeitsrechten ist, zumal sie nicht besonders gut wegkommen wird in dem Roman.  
 
Ich finde es spannend, Dinge, die in der Forschung nicht gänzlich ausgeleuchtet werden konnten oder kontrovers diskutiert werden, durch eine Romanhandlung quasi zu "beantworten".
 
LG Cornelia

Ein Schriftsteller sollte nicht schreiben wollen, sondern schreiben müssen. (Erwin Strittmatter)
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