Drei Anmerkungen vorweg:
i) Kenne ich mich mit dem Jugendbuchmarkt wenig bis gar nicht aus, so dass ein solcher Einblick (selbst wenn er ideologisch oder geschmäcklerisch gefärbt ist) für mich interessant ist.
ii) Will ich den Autor gar nicht zwingend in Schutz nehmen.
iii) Will ich mich mit Dir auch gar nicht anlegen.
Aber nichtsdestotrotz machst Du in Deiner Kritik die gleichen Fehler, die der Artikel auch macht, Du läßt nämlich zum einen Teile weg oder verallgemeinerst bis an den Rand der Verzerrung.
Zitat von Tin am 24.05.08 um 23:32: Ein Blick in die aktuellen Programme der Jugendverlage hätte gereicht, um festzustellen, dass das Angebot für männliche und weibliche Jugendliche keinen Wunsch offen lässt.
Ganz offensichtlich lassen die aktuellen Programme ja den Wunsch nach "großen Jugendbüchern", die für beide Geschlechter gleich interessant sind und von vielen gelesen werden offen.
Zitat von Tin am 24.05.08 um 23:32:Wobei mir ohnehin nicht klar ist, warum er aktuelle Reihentitel der Verlage mit den Klassikern seiner Jugendjahre vergleicht.
Meiner bescheidenen Meinung nach, will er auf das zuvor von mir klarer benannte heraus: Es gibt eben keine neuen, sehr erfolgreichen, nicht Reihen gebundenen Kinder-/Jugendbücher, die für beiderlei Geschlecht interessant sind. Aus meiner Kindheit/Jugend fallen mir da eine Reihe von Autoren ein: Angela Sommer-Bodenburg, Christine Nöstlinger oder Michael Ende um nur einige wenige zu nennen. So möchte ich auch die vom Autor genannten vor allem angloamerikanischen und lange zurückliegenden Autoren vermeiden.
Vielleicht gibt es ja auch neue Kinder-Kassenschlager (abgesehen vom Zauberschüler Töpfer), aber ich kenne einfach keine.
In der Tat hinkt der von ihm angestellte Vergleich aber natürlich trotzdem.
Zitat von Tin am 24.05.08 um 23:32:Wie Christine schon schrieb: Allein beim Thienemann-Verlag finden sich - auch wieder in der aktuellen Vorschau - anspruchsvolle Krimis, Abenteuerromane und historische Romane für Jungen in Hülle und Fülle.
Dass es außer den "Für Mädchen verboten"- Büchern auch noch die Wilden Kerle, das Magische Baumhaus, die drei Fragezeichen, R.L. Stines Fear Street und Gänsehaut mit überwiegend männlichem Zielpublikum gibt, scheint der Autor auch nicht registriert zu haben.
Du nennst ja auch mehrere Titel, die sich nach kurzem Recherchieren als Übersetzungen entpuppen, die der Autor wiederum ja explizit erwähnt und als negativ markiert. Ihm also zu unterstellen, daß er diese nicht registriert hat, ist etwas unfair.
Zitat von Tin am 24.05.08 um 23:32:Dass Jungen weniger lesen - daran gibt es wohl keinen Zweifel. Aber bestimmt liegt das nicht daran, dass der Verlage mit "Spießigkeit, Engstirnigkeit und mangelnder Bildung" versäumen, ihnen Lesestoff anzubieten, wie der Autor schlussfolgert.
Auch dieses Zitat von Dir verknappt etwas übermäßig, der Autor sagt doch klar, dass solche Faktoren dominieren - er räumt aber ein, daß dies nicht bei allen Verlagen der Fall ist. Im Gegenteil: Er lobt ja sogar die Arbeit der Verlage, u.a. kommt doch der von Dir in Schutz genommene Thienemann Verlag gut weg, da seine Jungen-Reihe ja explizit erwähnt wird.
Insgesamt betrachtet, muss ich an der Aussage festhalten, dass der Artikel für jemanden, der nicht mit dem Kinderbuchmarkt vertraut ist, informativ und interessant ist. Das Wolfgang Bittner auch mit einem gehörigen Maß an Polemik arbeitet, sei ihm zugestanden.
Wobei Deine Aussagen (trotz der ebenfalls vorhandenen Polemik), aber sehr dienlich dabei sind, die Aussagen des Artikels zu relativieren. Vielleicht magst Du ja einen Gegenentwurf zum Artikel verfassen, der uns aussenstehenden aber interessierten Lesern einmal die positiven Seiten des aktuellen Kinder- bzw. Jugendbuchmarktes vor Augen führt. Ich wäre sehr gespannt und interessiert.
Liebe Grüße, Thomas