Liebe Mitglieder und Gäste des Forums,
der 15. November ist der "Writers in Prison"-Gedenktag. Aus diesem Grund wird das Forum am diesem Tag ebenfalls einen Gedenktag einlegen. Effektiver (und Erfolg versprechender), als 300 Mitglieder einen ganzen Tag lang zum andächtigen Schweigen zu bringen, scheint es mir zu sein, das Forum selbst zum eintägigen Gefängnis zu machen.
Vielleicht bringt es den einen oder anderen von uns und von unseren Gästen dazu, sich über Meinungsfreiheit Gedanken zu machen, darüber, was Zensur bewirkt, wie wichtig es ist, sich ausdrücken zu dürfen und wie jeder Versuch, kritische Äußerungen durch Drohungen oder Strafen zu unterbinden, bemerkt und zur Sprache gebracht werden muss. Als Autoren sind wir privilegiert zur einer Stimme, die Gehör findet, und wir zum Guten nutzen sollten.
Selbstverständlich ist dies kein Aufruf zu Anarchie, Hasstiraden oder zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten.
Die P.E.N. Charta formuliert das Anliegen wunderbar:
http://www.pen-deutschland.de/htm/verein/charta.php Dem möchte ich mich an dieser Stelle anschließen, und vielleicht geht das ja einigen von euch ebenso.
Euer
Andreas
PS: Unten eine Pressemitteilung, die ich heute verschickt habe.
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Hamburg, 12.11.2007
Autorenforum hinter Gittern
Wenn am 15. November anlässlich des Writers-in-Prison Tages das P.E.N.-Zentrum Deutschland die Hermann-Kesten-Medaille 2007 in Darmstadt verleiht, werden im Montségur Autorenforum (
www.montsegur.de ) aus Solidarität die symbolischen Gitter herabgelassen.
Für einen Tag werden sämtliche Diskussionen im Forum, ob aktuelle oder alte, zensiert. Dabei werden nicht nur wichtige Begriffe aus der Arbeit der Autoren wie "Buch", "Verlag" oder "Manuskript" herausgefiltert, sondern rund 40 Begriffe wie "ich", "du", "gut", "schlecht", "und", "ober", "aber" "nicht", "kein", "denke", "finde", "glaube" ... Das Ergebnis sind Fragen, Antworten, Meinungen und Hinweise im Forum, deren tatsächliche Aussagen nur noch schwer - in vielen Fällen gar nicht mehr - identifizierbar sind.
Die rund 300 Mitglieder sowie die zahllosen Gastbesucher des Forums können am 15. November erleben, wie Arbeit, Kommunikation, Informationsbeschaffung und Meinungsbildung in einem zensierenden System behindert werden.
Meinungsfreiheit - auch in literarischer Form - ist in vielen Ländern der Welt nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Repressive Systeme offenbaren ihre Schwäche, wenn sie kritische Stimmen verbieten. Die Feder ist mächtiger als das Schwert, doch aus Gefangenschaft lässt sich nur schwerlich publizieren.
Der Gedenktag des P.E.N.-Clubs möchte die Aufmerksamkeit auf jede Schriftsteller lenken, die für ihr Streben nach Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit unterdrückt, verfolgt, verurteilt, bestraft und getötet werden.
Das 1960 gegründete Writers-in-Prison-Committee stellt jährlich einen Bericht und halbjährliche eine "Caselist" zusammen, in der auf die vielen weltweiten Fälle hingewiesen wird. Für 2007 listet dieser Report rund 780 Schriftsteller, die unterdrückt werden.
Auffallend viele Fälle sind aus Kuba, Mexiko, China, Iran, Aserbaidschan, Russland und der Türkei bekannt - allerdings sicherlich nicht zuletzt deswegen, da es in diesen Ländern weit verbreitete Kommunikationsmittel gibt. Man darf annehmen, dass die Dunkelziffer - insbesondere in Krisengebieten und Ländern der Dritten Welt - noch weitaus höher ist.
Auf der Website des Autoren-Magazin ist monatlich ein konkreter Fall auf Deutsch übersetzt nachzulesen, inklusive einer Kontaktadresse, um aktiv zu werden.
Weitere Informationen:
http://www.pen-deutschland.de/htm/aufgaben/writers_in_prison.php http://www.autoren-magazin.de/schriftsteller-im-gefaengnis.phtml