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Fachbegriffe (Gelesen: 6556 mal)
hpr
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Fachbegriffe
09.02.07 um 20:23
 
Hier erkläre ich Fachbegriffe, die häufig verwendet werden und die Autoren kennen sollten.  
Stammt aus meinen beiden Büchern:






 
mehr über die Bücher und eine Leseprobe gibt´s hier: www.schreibratgeber.de
 
Hans Peter
 
Actor’s Studio
Das Actor’s Studio stammt aus der Schauspielschule. Zwei Personen werden auf die Bühne gebeten, jedem der beiden erklärt der Regisseur ihr Drehbuch, das was sie spielen soll, aber so, dass die jeweils andere Person es nicht hören kann. Dann müssen beide ihre Szene spielen. Da beide Personen mit unterschiedlichen Zielen spielen, die sich in der Regel widersprechen, kommt es sehr schnell zu einem Konflikt zwischen beiden.
Das Actor’s Studio ist eine gute Übung für Autoren, um ihre Szenen Leben und Konflikt einzuhauchen. Machen Sie sich klar, was ihre Figuren wollen, welche Ziele sie haben und vor allem: Worin sich die Wünsche und Ziele unterscheiden. Dann lassen Sie sie los.
 
Allwissender Erzähler -> auktoriale Perspektive

Antagonist
In Geschichten gibt es einen -> Protagonisten (den Helden, die Hauptperson) und einen Antagonisten (den Gegenspieler, den Bösewicht). Der Protagonist ist die Figur, um die es in der Geschichte geht, die etwas will, etwas wünscht, manchmal auch etwas verhindern will.
Der Gegenspieler hat den entgegengesetzten Wunsch. Er will die Pläne des Protagonisten verhindern. Der Kommissar (Protagonist) will einen Mord aufklären, der Mörder (Antagonist) will genau das verhindern. Romeo will seine Julia gewinnen, die Eltern wollen genau das verhindern.
Nicht jeder Antagonist ist menschlich. Wenn Ihr Protagonist den Mount Everest barfuss bezwingen will, ist der Berg der Antagonist. Und er hat eine Menge Mittel, dem Protagonisten die Suppe zu versalzen. Schneebretter, scharfe Eiskanten, Stürme, Temperaturstürze, dünne Luft ...
Aus diesem Kampf zwischen Protagonisten und Antagonisten entwickelt sich die Geschichte und der Plot.
 
Auktoriale Perspektive
Eine Perspektive, die nicht einem der Figuren folgt (personale Perspektive), sondern über allem schwebt, alles weiß (deshalb auch „allwissender Erzähler“ genannt). In einem Roman mit auktorialer Perspektive kann ein Autor alles erzählen. Er kann erzählen, was der Held plant und was der Bösewicht; er kann Landschaften beschreiben und erzählen, was hundert Kilometer entfernt passiert. In der ->personalen Perspektive kann nur erzählt werden, was die Figur weiß, sieht, hört, durch die der Leser die Geschichte erlebt. Romane des neunzehnten Jahrhundert haben oft die auktoriale Perspektive verwendet.
Auch in der auktorialen Perspektive kann der Autor die Gedanken seiner Figuren schildern – und zwar aller Figuren.
 
Autorenvita
Eine Autorenvita umfasst alle Informationen über einen Autor, die für das Schreiben wichtig sind. Dazu gehören Fachkenntnisse und Erfahrungen bezüglich des behandelten Themas, der behandelten Zeit oder des Ortes. Literaturpreise, Veröffentlichungen (aber keine, für die der Autor gezahlt hat!). Die Autorenvita legen Sie bei, wenn Sie sich bei einem Literaturagenten oder Verlag mit einem Projekt bewerben. Ebenfalls kann man dort erwähnen, warum man gerade für dieses Thema der geeignete Autor ist.
 
 
Braiden (Verknüpfen)
Wenn mehrere Handlungsstränge in einem Roman verknüpft werden, spricht man von Braiden. Der Detektiv löst einerseits einen Mordfall, hat aber andererseits eine unglückliche Beziehung.  
Beides hat zunächst nichts miteinander zu tun. Wird beides im gleichen Roman geschildert, so werden diese beiden Geschichten miteinander verknüpft. Oder ein alter lettischer Jude erzählt seine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg und gleichzeitig ein junger Österreicher, Sohn eines einflussreichen Politikers die seine (Vaterspiel). Beide Geschichten laufen nebeneinander her und erst ganz am Schluss finden sie zusammen.
 
Bösewicht -> Antagonist

Cliffhanger
Ein Cliffhanger bricht eine Geschichte genau an der spannendesten Stelle ab, führt sie also nicht bis zum Schluss weiter. Der Held flieht im Auto, eine scharfe Kurve, das Auto durchbricht die Leitplanke. Schnitt. Der Leser weiß nicht, wie die Szene endet. Wird er in die Schlucht stürzen? Kann er sich retten? Ein Cliffhanger bricht immer vor dem Ende ab, bevor der Leser weiß, wie es ausgeht.
Der Begriff Cliffhanger stammt von den alten Fortsetzungsfilmen, in denen es sehr beliebt war, den Helden über dem Abgrund baumelnd hängen zu lassen und dann „Fortsetzung folgt nächste Woche in diesem Kino“ einzublenden.
Cliffhanger werden heute gerne zusammen mit wechselnder Perspektive benutzt. Nachdem das Auto des Detektivs die Leitplanke durchbricht, wechselt der Roman in die Perspektive einer anderen Figur, einer anderen Szene. Vielleicht in die der Freundin, die sich überlegt, ob sie sich von dem Detektiv trennen soll? Und plötzlich fliegt die Tür auf und ein Mann mit Pistole stürmt in die Wohnung.
 
Dialog
Dialog ist das Gespräch zweier Figuren. Dialoge sind nicht dazu da, dem Leser nur Informationen zu vermitteln. Gute Dialoge enthalten Konflikte, sie zeigen zwei verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Zielen und Motiven (-> actor’s studio, -> Drehbuch einer Figur). Oft wird das, was wichtig ist, nicht gesagt, sondern nur angedeutet, steht zwischen den Zeilen.
 
Die Dosis macht das Gift
Stil- und Erzählungselemente sollten nie zu häufig verwendet werden. Wer jeden Satz mit „Aber“ beginnt, nervt seine Leser. Aber das heißt natürlich nicht, dass nicht hin und wieder ein Satz mit „Aber“ beginnen kann. Was die richtige Dosis ist, lässt sich oft nur durch Erfahrung, durch Gefühl feststellen. Anfänger überdosieren oft Adjektive, neigen dazu, zu viel zu erklären. Die richtige Dosis seiner erzählerischen Mittel zu kennen, macht einen guten Autor aus.
 
Distanz -> Kameraeinstellung

Drehbuch der Figuren
Jede Figur in einem Roman will etwas, hat einen Wunsch, möchte etwas erreichen. Bei Nebenfiguren ist dieser Wunsch nicht so wichtig, bei Hauptfiguren sollte er dem Autor unbedingt bewusst werden. Denn entsprechend ihrer Wünsche agieren Figuren. Das nennt man das Drehbuch einer Figur. Der Detektiv will den Mörder fangen. Der Mörder will nicht überführt werden. Romeo will seine Julia gewinnen. Kapitän Ahab will sich an dem weißen Wal rächen.
Treffen zwei Figuren mit unterschiedlichem Drehbuch zusammen, kommt es deshalb zum Konflikt. Wer das Drehbuch seiner Figuren gut kennt, kann daraus die -> Szenen und den -> Plot seiner Geschichte entwickeln.
 
Erzählstimme
Jede Geschichte wird auf eine eigene Art erzählt, mit eigenem Stil, Wortwahl, Tempo. Das ist die Erzählstimme. Abgebrüht in Krimis mit einem hard-boiled Detektiv, lyrisch in einer Liebesgeschichte, kindlich-neugierig in einem Kinderbuch, ...
Die Stimme, die die Geschichte erzählt, nennt man die Erzählstimme.
 
Exposé
Ein Exposé beschreibt eine Geschichte. Exposés sind dazu da, anderen, vornehmlich Verlagen, eine Geschichte vorzustellen. Dabei sollten nur die wesentlichen Elemente im Exposé auftauchen, nur die Figuren, die wirklich nötig sind. Üblicherweise sind das der Protagonist und der Antagonist, aus deren Wünschen und Motiven sich die Geschichte entwickelt. Nebenhandlungen und Nebenfiguren sollten tunlichst weggelassen werden.
"Mein Held stammt aus guter Familie, Vater und Großvater waren berühmte Ärzte, die Mutter ist eine erfolgreiche Schriftstellerin. Er lernt in der Disko eine Studentin kennen, die Tochter türkischer Einwanderer ist. Erst ist es ein One-Night-Stand, doch sie treffen sich immer wieder und schließlich ziehen sie zusammen. Seine Familie ist entsetzt, sie denken an Ehrenmorde und fremde Kultur. Der Vater droht mit Enterbung, die Familie der Frau will von der Tochter nichts mehr wissen ..."
Exposés sind aber auch ein gutes Mittel, die eigene Geschichte zu prüfen. Um was geht es wirklich? Was ist der Kern der Geschichte? Was ist der zentrale Konflikt? Wie wird er aufgelöst? Versöhnen sich die Familien mit dem jungen Paar? Oder müssen beide in einer Großstadt untertauchen und lernen, ein eigenes Leben zu führen?
Ein ausführliches Exposé umfasst ca 1-3 ->Normseiten. Daneben gibt es das -> Kurzexposé
 
Flashback
Ein Flashback (Rückblende) ist ein Zeitsprung in die Vergangenheit. Der Autor verlässt die aktuelle Zeitebene der Geschichte, um etwas zu erzählen, das lange zuvor passiert ist. Dementsprechend sollte das, was in dem Flashback erzählt wird, auch für die Geschichte wichtig sein. Wenn der Held allergisch auf Autoritäten reagiert, erfahren wir in einem Flashback, welche Erlebnisse in seiner Kindheit dazu geführt haben.
 
Genre
Bücher werden in Genres unterteilt, damit der Buchhändler weiß, in welches Regal er das Buch stellen muss. Das Genre legt fest, welche Leser sich für den Roman interessieren könnten, eben alle, die potentielle Leser des Genres sind. Krimi, Thriller, Science Fiction (SF), Fantasy, Kinderbuch, Liebesroman, historischer Roman (HR) sind einige der Genres. Literarische Bücher werden oft nicht als Genre gezählt oder finden sich unter dem Oberbegriff zeitgenössischer Roman wieder. Aber auch diese Bücher gehorchen Genreregeln.
Aber: Nicht alles, was als "Genreregel" kolportiert wird, ist tatsächlich für das Genre notwendig. Und immer wieder gibt es Romane, die die Genregrenzen übertreten, die Genreregeln mißachten und trotzdem (oder gerade deswegen) Erfolg haben.
 
 
Held -> Protagonist

Hintergrund -> Setting

Hook
Ein Hook (Haken) ist ein Köder, der den Leser in die Geschichte ziehen soll. Das kann ein Mord sein, aber auch ein ungewöhnlicher, allgemeiner Satz wie: „Glückliche Familien sind alle gleich; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ (Tolstoi). Wichtig: Ein Hook muss die Neugier wecken, den Leser reizen, weiterzulesen, um mehr zu erfahren, sollte aber nicht alles verraten.
 
Ich-Erzähler -> personaler Erzähler

Infodump
Infodump ist eine Textstelle, in der Informationen geballt vermittelt werden. Textstellen, die sich wie Lexikoneinträge lesen. „Das römische Reich umfasste 2.583.444 qkm, erstreckte sich über 2333 km Länge von Nord nach Süd und über 5677 km Länge von Ost nach West.“
Infodumps enthalten typischerweise weder Handlung noch Beschreibung, dafür aber weit mehr Informationen, als der Leser an der Stelle wissen muss und wimmeln im schlimmsten Fall von Hilfsverben.
 
Kameraeinstellung
In Filmen gibt es eine Kameraeinstellung, die festlegt, was wir sehen. Die Totale (Rundumblick), die Halbtotale, Nahaufnahme. Auch in Romanen beschreibt ein Autor seine Szene aus verschiedenen Kameraeinstellungen, mit unterschiedlicher Distanz. Die Totale, die den Gesamtüberblick bietet, aber nichts besonders hervorhebt. Die Nahaufnahme, in der wir nur ein Detail sehen (z.B. die Pistole), das aber deutlich.
 
Kitsch
Was Kitsch sei, darüber haben Generationen von Autoren und Literaturwissenschaftler gestritten. Trotzdem hier ein Versuch der Definition: Kitsch behauptet Gefühle, zeigt sie nicht. Die Gefühle sind unecht, sind politisch korrekt, aber unglaubwürdig. Sie passen nicht zu den Figuren, sondern werden diesen vom Autor „angedichtet“. Oft tritt der Kitsch dort auf, wo Autoren ihrer Geschichte und ihren Figuren aus dem Weg gehen.
 
Klischee
Klischee ist 08/15. Das, was wir immer vermuten, was jeder denkt, das, was „üblich“ ist. Der Journalist, der vor nichts Ehrfurcht hat. Die Hure mit dem goldenen Herzen. Der Puritaner, der heimlich Porno liest. Der bestechliche Politiker.
Ein einfaches Mittel gibt es, Klischees zu vermeiden. Überlegen Sie, was ihre Figuren üblicherweise an einer bestimmten Stelle tun würden. Dann lassen Sie sie das Gegenteil tun.
 
Kurzexposé
Ein Kurzexposé unterscheidet sich vom normalen Exposé dadurch, dass es eher einem Klappentext ähnelt, nicht mehr als ein bis drei Absätze (etwa 300 – 800 Anschläge) umfasst und meist nur den Ausgangspunkt der Geschichte schildert, nicht aber das Ende. Hier sollte vor allem das zu finden sein, was das Besondere an der Geschichte ist.
 
Log-Liner
Ein nüchterner -> Pitch, der eine Geschichte zusammenfasst, weniger aufreißerisch als der klassische Pitch.
 
Narratives Erzählen -> szenisches Erzählen

Nebenplot
Das sind alle Plots, Geschichten, die nicht zum Hauptplot, zum Wesentlichen der Geschichte gehören. Dass der Nachbar eine kranke Frau hat, bei der unklar ist, ob sie Krebs hat. Die Liebesgeschichte der Köchin. Nebenplots sind vielleicht nicht so wichtig, sollten aber nicht willkürlich eingeführt werden und, wie der Hauptplot, nicht einfach irgendwo unabgeschlossen liegen bleiben.
 
Normseite
Aus den Zeiten der Schreibmaschine stammt die Normseite. Sie hilft Verlagen und Autoren den Umfang einer Geschichte abzuschätzen.
Eine Normseite hat dreißig Zeilen – Zeilenabstand 1,5 oder 2 – mit je maximal sechzig Anschlägen pro Zeile. Maximal umfasst eine Normseite 1800 Anschläge (inklusive Leerzeichen), in der Praxis sind es meist 1500-1600 Anschläge. Als Schrifttype dient eine Schrift mit fester Zeichenlänge, in der alle Zeichen gleich viel Platz auf dem Papier einnehmen. Standardschrift für Normseiten ist COURIER 12 Punkt.  
Da bei einer Normseite reichlich Platz zwischen den Zeilen ist, eignet sie sich gut, Korrekturen und Kommentare einzufügen. Dass dürfte der Grund sein, dass sie sich auch im Computerzeitalter immer noch großer Beliebtheit in Verlagen erfreut.
 
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Drei Seiten für ein Exposé
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Re: Fachbegriffe
Antworten #1 - 09.02.07 um 20:25
 
One Liner
Ein -> Pitch, der nur aus einer Zeile besteht. Wird aber oft synonym für -> Pitch benutzt.
 
Personale Perspektive
In der personalen Perspektive erlebt der Leser die Geschichte durch eine Person. Er sieht, was diese Person sieht; weiß, was sie denkt, hört; was diese hört. Aber er erfährt nicht die Gedanken anderer Personen, sieht nichts, was die gewählte Person nicht sehen kann. Die personale Perspektive ist zur Zeit die mit Abstand beliebteste Perspektive in Romanen. Oft wird sie von Kapitel zu Kapitel variiert, in einem Kapitel erleben wir die Geschichte aus der Sicht der einen Figur, im nächsten aus der einer anderen. Meist beschränken sich Autoren auf wenige (ca. 4-7) Perspektiven. Es gibt aber auch Romane mit weit mehr Perspektiven (Ein Lied von Eis und Feuer, George R.R. Martin).
Wird die Geschichte in der ersten Person erzählt – „Ich hörte einen Schuss, und rannte los.“ spricht man von der Ich-Perspektive.
 
Perspektive
Die Perspektive legt fest, aus welcher Sicht erzählt wird. Das kann aus der Sicht einer Figur sein (-> personale Perspektive) oder aus der Sicht eines -> allwissenden Erzählers, der sämtliche Ereignisse rund um die Geschichte kennt und je nach Wunsch berichten kann.
 
Pitch
Eine kurze Schilderung einer Geschichte in ein bis drei Sätzen. Sinn des Pitches ist es nicht, die Geschichte komplett zu charakterisieren, sondern ein Gefühl dafür zu geben, um was es sich handelt. Der Pitch dient vor allem dazu, Appetit zu machen, soll den Gegenüber Lust machen, sich näher mit der Geschichte zu befassen
 
Plagiat
Ein Plagiat ist eine Kopie einer Geschichte, ein Text, den der Autor als eigenen ausgibt, den aber jemand anderer geschrieben hat. Plagiate können eine komplette Kopie sein – in diesem Fall lassen sie sich leicht nachweisen – oder Figuren, Szenen, Plots aus anderen Geschichten verwenden. Wer in seinem Roman Donald Duck auftreten lässt, plagiiert, auch wenn er eine eigene Handlung dazu erfindet. Personen aus Romanen sind gesetzlich geschützt, ebenso wie Formulierungen. Ideen selbst können aber nicht durch Copyright geschützt werden.
Je mehr sich ein Autor nur von einer Geschichte „inspiririeren“ lässt, desto weniger handelt es sich um ein Plagiat im juristischen Sinne.
Viele angebliche „Plagiate“ sind keine Kopien im herkömmlichen Sinne. Bestimmte Geschichtsideen werden immer wieder verwendet, ohne dass die Autoren deshalb voneinander abgeschrieben haben.
 
Plot
Der Plot ist die Grundidee einer Geschichte. Er erzählt, wo sie beginnt, wie sie fortgeführt wird und zu welchem Ende sie führt.
 
Plotpoint
Plotpoints sind Wendepunkte einer Geschichte, an denen sich die Richtung ändert, die Geschichte eine Wendung nimmt. Sie heißen deshalb auch Wendepunkt oder Twist. In Filmen, aber auch den meisten Romanen gibt es zwei besonders ausgezeichnete Plotpoints (beschrieben von Syd Field). Plotpoint I ist der Punkt, ab der die Geschichte richtig losgeht. Der Held lebt mit Familie im Reihenhaus, wir erleben sein tägliches Einerlei. Dann taucht eines Abends sein lange vermisster Bruder auf und erpresst ihn. Ab diesem Punkt verlässt die Geschichte das alltägliche Einerlei und nimmt ihren Lauf.
Plotpoint II ist der Wendepunkt, der die Geschichte auf das Ende hinwendet. Der Detektiv hat das entscheidende Detail gefunden, das Indiz, das den Mord in einem völlig neuem Licht erscheinen lässt. Jetzt läuft alles auf die Aufklärung zu.
 
Prämisse
Häufig wird der Begriff „Prämisse“ im Sinne von -> Pitch benutzt.
Daneben gibt es die Prämisse nach Egri/Frey. Die schildert die Geschichte in einem Satz, der Anfang und Ende zusammenfasst und der von dem Roman zu beweisen ist. „Unerlaubte Liebe führt zum Tod“ wäre die Prämisse für Romeo und Julia. Anders als der Pitch ist die Prämisse immer sehr allgemein gehalten und eignet sich nicht Werbung.
 
Prolog
Prolog ist eine Szene oder kurzer Text, der der eigentlichen Geschichte vorangestellt ist. Meist liegt er lange vor dem Beginn der eigentlichen Geschichte, aber erzählt etwas, das für das Verständnis nötig ist. Oft wird die Bedeutung dessen, was im Prolog erzählt wird, erst im Laufe der Geschichte klar.
Zeitweilig galten Prologe bei Verlagen als absolute No-No. Mittlerweile sind sie in manchen Genren (Fantasy, historischer Roman) zu üblichen Erzählmitteln geworden, die in den meisten Romanen des Genres auftauchen.
 
Protagonist
Der Protagonist (Held, Hauptfigur) ist die Person, deren Geschichte erzählt wird. Sie treibt die Handlung voran, in dem sie etwas erreichen möchte, einen Wunsch hat oder auch nur verhindern möchte, dass etwas passiert. Aus dem Charakter des Protagonisten ergibt sich, wie er auf Ereignisse reagiert, was er tut oder nicht tut, wie er seine Wünsche durchzusetzen versucht. Don Quichotte will ein Ritter aus einem Ritterroman werden, deshalb setzt er sich einen Blechnapf auf, sattelt einen alten Klepper und reitet aus, um Abenteuer zu erleben. Kapitän Ahab segelt mit seinem Schiff um die halbe Welt, um sich an dem weißen Wal Moby Dick zu rächen.
Der Protagonist hat einen Gegenspieler, -> Antagonist, der die gegensätzlichen Ziele hat. Er will verhindern, dass der Protagonist seine Ziele erreicht. Der Detektiv (Protagonist) will den Mord aufklären, der Mörder (Antagonist) will genau das verhindern.
 
Rückblende -> Flashback

Säen und Ernten
Wenn scheinbar unwichtige Details en passant im Text erzählt werden, die später eine Bedeutung gewinnen, spricht man von „Säen und Ernten“. Der Autor sät Andeutungen, die er später in Form von Lösungen erntet. Der Leser liest die Andeutung, hält sie nicht für wichtig, erst in dem Moment, wenn sie wieder auftauchen, erkennt er ihre Bedeutung. „Ach ja“, sagt er sich, „das hätte ich wissen können.“ Die Kunst ist es, diese Andeutungen so zu setzen, dass der Leser ihre wahre Bedeutung nicht erkennt, aber später sich dennoch erinnert. Im Krimi ist es das Detail, das jemand neben zahlreichen anderen in der Vernehmung erzählt, das später dazu dient, den Mörder zu überführen.
Säen und Ernten ist ein wenig wie Zaubern. Wir lenken den Blick des Lesers ab, spielen ihm vor, etwas anderes sei jetzt wichtig und während er noch wegschaut – Schwupp, springt das Kaninchen aus dem Hut, den der Leser für unwichtig hielt.
 
Setting (Hintergrund)
Das Setting (der Hintergrund) legt das Umfeld, den Hintergrund der Geschichte fest. Ist es das London des Neunzehnten Jahrhunderts, in dem Jack the Ripper durch die Straßen schleicht? Eine abgelegene Raumstation im Wega-Sektor? Ein Spukschloss oder ein reales Schloss eines Ritters des Mittelalters? Egal, was es ist, es wird Ihre Geschichte prägen. Verweben Sie die Figuren und die Handlung mit dem Setting.
Der Hintergrund einer Geschichte wird oft vernachlässigt, aber durch Zeit und Ort legt er fest, was in der Geschichte passieren kann und auch, wie die Personen denken und handeln. Ein Konsul aus dem alten Rom denkt, agiert anders, als ein Raumfahrer der Zukunft oder ein Kripobeamter aus Wiesbaden.
 
Show, don't tell
„Show, don’t tell“, „Zeigen, nicht behaupten“ ist eine der wichtigsten, wenn nicht gar die wichtigste Regel beim Schreiben. Behaupten Sie nicht, dass ihr Held Angst hat – „Er hatte Angst“ -, zeigen Sie es dem Leser, lassen sie es ihn erleben. Geht er langsamer als sonst? Schaut er sich immer wieder um? Schreiben Sie möglichst konkret, wecken Sie im Leser Bilder. Das geht nicht mit Behauptungen und auch nicht mit allgemeinen, abstrakten Sätzen. Sondern durch anschauliche Schilderungen. Beobachten Sie selbst genau. Nicht „Es war Herbst geworden“, sondern „Der Ahorn vorm Haus hatte die Blätter verloren und sah aus wie ein Mahnmal der Vergänglichkeit.“
Zeigen, nicht behaupten lässt sich auch dadurch erreichen, dass man ->szenisch schreibt. Das ist allerdings keine Bedingung, sie können auch -> narrativ schreiben und doch anschaulich bleiben, statt abstrakt.
 
SOP Sätze
SOP Sätze bestehen nur aus wenigen Worten und keinen Nebensätzen, eben aus Subjekt, Objekt und Prädikat. „Ich (Subjekt) zog(Prädikat) die Pistole(Objekt).“
 
Spannungsbogen
Ein ganzer Roman, aber auch einzelne Szenen haben einen Spannungsbogen. Im Idealfall fängt dieser ruhig an, steigert sich dann, es gibt einen Höhepunkt, auf dem es mehrere Möglichkeiten gibt und es um die wichtigste Frage der Szene oder des Romans geht und danach fällt er ab, meist sehr schnell.
Beim ->Cliffhanger endet der Spannungsbogen auf dem Höhepunkt und zeigt nicht, wie die Szene ausgeht.
 
Subgenre
Das Subgenre ist eine Verfeinerung des Genres. Beim Krimi gibt es zum Beispiel die Subgenres Whodunit, Regiokrimi, historischer Krimi, um nur ein paar zu nennen. Das Subgenre legt auch die -> Zielgruppe eines Romans fest.
 
Subjekt-Objekt-Prädikat-Stil
Ein Stil, der nur ->SOP (Subjekt, Objekt, Prädikat)-Sätze benutzt, heißt SOP Stil. Viele Stilratgeber empfehlen diesen Stil (keine Sätze mit mehr als sieben Worten). Vor allem Krimis und Thriller werden gerne in diesem Stil geschrieben. Natürlich kann ein solcher Stil auf Dauer auch langweilig wirken, da er immer im gleichen Ton erzählt.
 
szenisches Erzählen
szenisches Erzählen schildert eine Geschichte in Szenen. Der Autor sagt nicht: „Der Mörder erschoss den einzigen Zeugen“, sondern schildert uns, wie das geschieht:
Jack zog den Perlonstrumpf über das Gesicht. Dann zog er die Pistole. Er hob die linke Faust und donnerte gegen die Tür. „Aufmachen, Polizei“, rief er.
Das Gegenteil vom szenischen Erzählen ist narratives Erzählen. Auch wenn in Romanen meist szenisch erzählt wird, hat so gut wie jeder Roman narrative Erzählelemente. Unwichtige Ereignisse, Nebenhandlungen müssen nicht zu Szenen ausgewalzt werden, sonst werden sie langatmig, lenken den Leser ab und langweilen ihn. „Er holte Zigaretten“ ist völlig ausreichend, da muss nicht erzählt werden, welche Farbe der Automat hat, wie der Held das Geldstück einwirft und welche Marke er wählt.
Aber auch narratives Erzählen sollte möglichst anschaulich sein. Denn auch hier gilt der Satz „Show, don’t tell.“
 
Szenenfolge
Jeder Roman besteht aus Szenen, die in einer bestimmten Anordnung aufeinander folgen. Das muss nicht der tatsächliche Zeitfolge entsprechen. Aber die Folge der Szenen ist wichtig für den Roman.
Deshalb lohnt es sich immer, wenn das Romanprojekt entsprechend weit gediehen ist, diese Szenenfolge schriftlich festzuhalten.
Manche Autoren stellen die Szenenfolge an den Anfang ihrer Arbeit, legen also fest, welche Szenen wann im Roman auftauchen, bevor sie überhaupt ans Schreiben gehen. Umgangssprachlich nennt man diese „Kopfschreiber“ im Gegensatz zu den „Bauchschreibern“, bei denen sich die Struktur und Szenenfolge erst im Laufe des Schreibens entwickelt.
 
Testleser
Viele Autoren geben ihre Texte zuerst Testlesern, auch Betatester genannt. Das sind manchmal Lektoren, manchmal andere Autoren, manchmal die Ehegatten. Diese Testleser geben Rückmeldungen, wo die Geschichte hängt, wo der Autor zu viel oder zu wenig erzählt hat, wo es Logikfehler gibt.
 
Treatment
Ein Treatment ist eine sehr ausführliche Darstellung eines Projekt und wird vor allem im Film für Drehbücher benutzt. Es ist ausführlicher als eine Szenenfolge, weil es einzelne Szenen bereits anreißt.
 
Twist -> Plotpoint

Verknüpfen -> Braiden

Vorausdeutung (Vorahnung)
Vorahnungen ähneln dem „Säen und Ernten“. Sie deuten etwas an, das erst später erzählt wird, dessen Bedeutung erst später dem Leser klar wird.
Die plumpe Form einer Vorahnung geht so: „Das ihn das später noch Jahre lang reuen würde, ahnte er in diesem Moment nicht.“
Der Leser durchschaut das Kunststück, sieht den Zeigefinger des Autors und reagiert wie auf einen Zauberkünstler, der ihm sagt: „Bitte liebes Publikum, schau mal weg von dem Zylinder, weil ich da einen Trick vorbereite“.
Gekonnt gemacht, kann eine Vorausdeutung aber die Spannung erhöhen. Dazu sollte sie wie ein griechisches Orakel mehrdeutig sein, etwas andeuten, aber nicht alles sagen.
 
Wendepunkt -> Plotpoint

Wiederholungen
Wenn sich Elemente wiederholen, kann das den Leser schnell langweilen. Wenn der Detektiv jedes Mal an der Ecke beim Zigarettenautomaten mit der Pistole bedroht wird und jedes Mal taucht genau im richtigen Moment sein Assistent auf, gähnt der Leser beim dritten Mal.
Ähnliches gilt auch für stilistische Wiederholungen. Wer jeden Satz mit „Aber“ beginnt, wer in jeder Zeile das Word „furchtbar“ verwendet, verjagt schnell Leser.
Aber Wiederholungen können auch Mittel sein, um eine besonders eindrückliche Wirkung zu erzeugen.
 
Vita -> Autorenvita
 
Zeigen, nicht behaupten -> Show, don’t tell
 
Zielgruppe
Die Zielgruppe umfasst alle Leser, die für ein bestimmtes Buch in Frage kommen. Genre und Subgenre legen diese Zielgruppe fest. Generationen von Marketingfachleuten haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, wie sich eine klare Voraussage über mögliche Zielgruppen machen lässt, aber bisher keine Ergebnisse erzielt, die über das Genre hinausgehen. Ein Krimi hat die Zielgruppe aller Krimileser, ein Regiokrimi alle Krimileser aus einer bestimmten Region.
« Zuletzt geändert: 10.10.09 um 13:39 von hpr »

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