Hier erkläre ich Fachbegriffe, die häufig verwendet werden und die Autoren kennen sollten.
Stammt aus meinen beiden Büchern:
mehr über die Bücher und eine Leseprobe gibt´s hier:
www.schreibratgeber.de Hans Peter
Actor’s Studio Das Actor’s Studio stammt aus der Schauspielschule. Zwei Personen werden auf die Bühne gebeten, jedem der beiden erklärt der Regisseur ihr Drehbuch, das was sie spielen soll, aber so, dass die jeweils andere Person es nicht hören kann. Dann müssen beide ihre Szene spielen. Da beide Personen mit unterschiedlichen Zielen spielen, die sich in der Regel widersprechen, kommt es sehr schnell zu einem Konflikt zwischen beiden.
Das Actor’s Studio ist eine gute Übung für Autoren, um ihre Szenen Leben und Konflikt einzuhauchen. Machen Sie sich klar, was ihre Figuren wollen, welche Ziele sie haben und vor allem: Worin sich die Wünsche und Ziele unterscheiden. Dann lassen Sie sie los.
Allwissender Erzähler -> auktoriale Perspektive
Antagonist In Geschichten gibt es einen -> Protagonisten (den Helden, die Hauptperson) und einen Antagonisten (den Gegenspieler, den Bösewicht). Der Protagonist ist die Figur, um die es in der Geschichte geht, die etwas will, etwas wünscht, manchmal auch etwas verhindern will.
Der Gegenspieler hat den entgegengesetzten Wunsch. Er will die Pläne des Protagonisten verhindern. Der Kommissar (Protagonist) will einen Mord aufklären, der Mörder (Antagonist) will genau das verhindern. Romeo will seine Julia gewinnen, die Eltern wollen genau das verhindern.
Nicht jeder Antagonist ist menschlich. Wenn Ihr Protagonist den Mount Everest barfuss bezwingen will, ist der Berg der Antagonist. Und er hat eine Menge Mittel, dem Protagonisten die Suppe zu versalzen. Schneebretter, scharfe Eiskanten, Stürme, Temperaturstürze, dünne Luft ...
Aus diesem Kampf zwischen Protagonisten und Antagonisten entwickelt sich die Geschichte und der Plot.
Auktoriale Perspektive Eine Perspektive, die nicht einem der Figuren folgt (personale Perspektive), sondern über allem schwebt, alles weiß (deshalb auch „allwissender Erzähler“ genannt). In einem Roman mit auktorialer Perspektive kann ein Autor alles erzählen. Er kann erzählen, was der Held plant und was der Bösewicht; er kann Landschaften beschreiben und erzählen, was hundert Kilometer entfernt passiert. In der ->personalen Perspektive kann nur erzählt werden, was die Figur weiß, sieht, hört, durch die der Leser die Geschichte erlebt. Romane des neunzehnten Jahrhundert haben oft die auktoriale Perspektive verwendet.
Auch in der auktorialen Perspektive kann der Autor die Gedanken seiner Figuren schildern – und zwar aller Figuren.
Autorenvita Eine Autorenvita umfasst alle Informationen über einen Autor, die für das Schreiben wichtig sind. Dazu gehören Fachkenntnisse und Erfahrungen bezüglich des behandelten Themas, der behandelten Zeit oder des Ortes. Literaturpreise, Veröffentlichungen (aber keine, für die der Autor gezahlt hat!). Die Autorenvita legen Sie bei, wenn Sie sich bei einem Literaturagenten oder Verlag mit einem Projekt bewerben. Ebenfalls kann man dort erwähnen, warum man gerade für dieses Thema der geeignete Autor ist.
Braiden (Verknüpfen) Wenn mehrere Handlungsstränge in einem Roman verknüpft werden, spricht man von Braiden. Der Detektiv löst einerseits einen Mordfall, hat aber andererseits eine unglückliche Beziehung.
Beides hat zunächst nichts miteinander zu tun. Wird beides im gleichen Roman geschildert, so werden diese beiden Geschichten miteinander verknüpft. Oder ein alter lettischer Jude erzählt seine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg und gleichzeitig ein junger Österreicher, Sohn eines einflussreichen Politikers die seine (Vaterspiel). Beide Geschichten laufen nebeneinander her und erst ganz am Schluss finden sie zusammen.
Bösewicht -> Antagonist
Cliffhanger Ein Cliffhanger bricht eine Geschichte genau an der spannendesten Stelle ab, führt sie also nicht bis zum Schluss weiter. Der Held flieht im Auto, eine scharfe Kurve, das Auto durchbricht die Leitplanke. Schnitt. Der Leser weiß nicht, wie die Szene endet. Wird er in die Schlucht stürzen? Kann er sich retten? Ein Cliffhanger bricht immer vor dem Ende ab, bevor der Leser weiß, wie es ausgeht.
Der Begriff Cliffhanger stammt von den alten Fortsetzungsfilmen, in denen es sehr beliebt war, den Helden über dem Abgrund baumelnd hängen zu lassen und dann „Fortsetzung folgt nächste Woche in diesem Kino“ einzublenden.
Cliffhanger werden heute gerne zusammen mit wechselnder Perspektive benutzt. Nachdem das Auto des Detektivs die Leitplanke durchbricht, wechselt der Roman in die Perspektive einer anderen Figur, einer anderen Szene. Vielleicht in die der Freundin, die sich überlegt, ob sie sich von dem Detektiv trennen soll? Und plötzlich fliegt die Tür auf und ein Mann mit Pistole stürmt in die Wohnung.
Dialog Dialog ist das Gespräch zweier Figuren. Dialoge sind nicht dazu da, dem Leser nur Informationen zu vermitteln. Gute Dialoge enthalten Konflikte, sie zeigen zwei verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Zielen und Motiven (-> actor’s studio, -> Drehbuch einer Figur). Oft wird das, was wichtig ist, nicht gesagt, sondern nur angedeutet, steht zwischen den Zeilen.
Die Dosis macht das Gift Stil- und Erzählungselemente sollten nie zu häufig verwendet werden. Wer jeden Satz mit „Aber“ beginnt, nervt seine Leser. Aber das heißt natürlich nicht, dass nicht hin und wieder ein Satz mit „Aber“ beginnen kann. Was die richtige Dosis ist, lässt sich oft nur durch Erfahrung, durch Gefühl feststellen. Anfänger überdosieren oft Adjektive, neigen dazu, zu viel zu erklären. Die richtige Dosis seiner erzählerischen Mittel zu kennen, macht einen guten Autor aus.
Distanz -> Kameraeinstellung
Drehbuch der Figuren Jede Figur in einem Roman will etwas, hat einen Wunsch, möchte etwas erreichen. Bei Nebenfiguren ist dieser Wunsch nicht so wichtig, bei Hauptfiguren sollte er dem Autor unbedingt bewusst werden. Denn entsprechend ihrer Wünsche agieren Figuren. Das nennt man das Drehbuch einer Figur. Der Detektiv will den Mörder fangen. Der Mörder will nicht überführt werden. Romeo will seine Julia gewinnen. Kapitän Ahab will sich an dem weißen Wal rächen.
Treffen zwei Figuren mit unterschiedlichem Drehbuch zusammen, kommt es deshalb zum Konflikt. Wer das Drehbuch seiner Figuren gut kennt, kann daraus die -> Szenen und den -> Plot seiner Geschichte entwickeln.
Erzählstimme Jede Geschichte wird auf eine eigene Art erzählt, mit eigenem Stil, Wortwahl, Tempo. Das ist die Erzählstimme. Abgebrüht in Krimis mit einem hard-boiled Detektiv, lyrisch in einer Liebesgeschichte, kindlich-neugierig in einem Kinderbuch, ...
Die Stimme, die die Geschichte erzählt, nennt man die Erzählstimme.
Exposé Ein Exposé beschreibt eine Geschichte. Exposés sind dazu da, anderen, vornehmlich Verlagen, eine Geschichte vorzustellen. Dabei sollten nur die wesentlichen Elemente im Exposé auftauchen, nur die Figuren, die wirklich nötig sind. Üblicherweise sind das der Protagonist und der Antagonist, aus deren Wünschen und Motiven sich die Geschichte entwickelt. Nebenhandlungen und Nebenfiguren sollten tunlichst weggelassen werden.
"Mein Held stammt aus guter Familie, Vater und Großvater waren berühmte Ärzte, die Mutter ist eine erfolgreiche Schriftstellerin. Er lernt in der Disko eine Studentin kennen, die Tochter türkischer Einwanderer ist. Erst ist es ein One-Night-Stand, doch sie treffen sich immer wieder und schließlich ziehen sie zusammen. Seine Familie ist entsetzt, sie denken an Ehrenmorde und fremde Kultur. Der Vater droht mit Enterbung, die Familie der Frau will von der Tochter nichts mehr wissen ..."
Exposés sind aber auch ein gutes Mittel, die eigene Geschichte zu prüfen. Um was geht es wirklich? Was ist der Kern der Geschichte? Was ist der zentrale Konflikt? Wie wird er aufgelöst? Versöhnen sich die Familien mit dem jungen Paar? Oder müssen beide in einer Großstadt untertauchen und lernen, ein eigenes Leben zu führen?
Ein ausführliches Exposé umfasst ca 1-3 ->Normseiten. Daneben gibt es das -> Kurzexposé
Flashback Ein Flashback (Rückblende) ist ein Zeitsprung in die Vergangenheit. Der Autor verlässt die aktuelle Zeitebene der Geschichte, um etwas zu erzählen, das lange zuvor passiert ist. Dementsprechend sollte das, was in dem Flashback erzählt wird, auch für die Geschichte wichtig sein. Wenn der Held allergisch auf Autoritäten reagiert, erfahren wir in einem Flashback, welche Erlebnisse in seiner Kindheit dazu geführt haben.
Genre Bücher werden in Genres unterteilt, damit der Buchhändler weiß, in welches Regal er das Buch stellen muss. Das Genre legt fest, welche Leser sich für den Roman interessieren könnten, eben alle, die potentielle Leser des Genres sind. Krimi, Thriller, Science Fiction (SF), Fantasy, Kinderbuch, Liebesroman, historischer Roman (HR) sind einige der Genres. Literarische Bücher werden oft nicht als Genre gezählt oder finden sich unter dem Oberbegriff zeitgenössischer Roman wieder. Aber auch diese Bücher gehorchen Genreregeln.
Aber: Nicht alles, was als "Genreregel" kolportiert wird, ist tatsächlich für das Genre notwendig. Und immer wieder gibt es Romane, die die Genregrenzen übertreten, die Genreregeln mißachten und trotzdem (oder gerade deswegen) Erfolg haben.
Held -> Protagonist
Hintergrund -> Setting
Hook Ein Hook (Haken) ist ein Köder, der den Leser in die Geschichte ziehen soll. Das kann ein Mord sein, aber auch ein ungewöhnlicher, allgemeiner Satz wie: „Glückliche Familien sind alle gleich; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ (Tolstoi). Wichtig: Ein Hook muss die Neugier wecken, den Leser reizen, weiterzulesen, um mehr zu erfahren, sollte aber nicht alles verraten.
Ich-Erzähler -> personaler Erzähler
Infodump Infodump ist eine Textstelle, in der Informationen geballt vermittelt werden. Textstellen, die sich wie Lexikoneinträge lesen. „Das römische Reich umfasste 2.583.444 qkm, erstreckte sich über 2333 km Länge von Nord nach Süd und über 5677 km Länge von Ost nach West.“
Infodumps enthalten typischerweise weder Handlung noch Beschreibung, dafür aber weit mehr Informationen, als der Leser an der Stelle wissen muss und wimmeln im schlimmsten Fall von Hilfsverben.
Kameraeinstellung In Filmen gibt es eine Kameraeinstellung, die festlegt, was wir sehen. Die Totale (Rundumblick), die Halbtotale, Nahaufnahme. Auch in Romanen beschreibt ein Autor seine Szene aus verschiedenen Kameraeinstellungen, mit unterschiedlicher Distanz. Die Totale, die den Gesamtüberblick bietet, aber nichts besonders hervorhebt. Die Nahaufnahme, in der wir nur ein Detail sehen (z.B. die Pistole), das aber deutlich.
Kitsch Was Kitsch sei, darüber haben Generationen von Autoren und Literaturwissenschaftler gestritten. Trotzdem hier ein Versuch der Definition: Kitsch behauptet Gefühle, zeigt sie nicht. Die Gefühle sind unecht, sind politisch korrekt, aber unglaubwürdig. Sie passen nicht zu den Figuren, sondern werden diesen vom Autor „angedichtet“. Oft tritt der Kitsch dort auf, wo Autoren ihrer Geschichte und ihren Figuren aus dem Weg gehen.
Klischee Klischee ist 08/15. Das, was wir immer vermuten, was jeder denkt, das, was „üblich“ ist. Der Journalist, der vor nichts Ehrfurcht hat. Die Hure mit dem goldenen Herzen. Der Puritaner, der heimlich Porno liest. Der bestechliche Politiker.
Ein einfaches Mittel gibt es, Klischees zu vermeiden. Überlegen Sie, was ihre Figuren üblicherweise an einer bestimmten Stelle tun würden. Dann lassen Sie sie das Gegenteil tun.
Kurzexposé Ein Kurzexposé unterscheidet sich vom normalen Exposé dadurch, dass es eher einem Klappentext ähnelt, nicht mehr als ein bis drei Absätze (etwa 300 – 800 Anschläge) umfasst und meist nur den Ausgangspunkt der Geschichte schildert, nicht aber das Ende. Hier sollte vor allem das zu finden sein, was das Besondere an der Geschichte ist.
Log-Liner Ein nüchterner -> Pitch, der eine Geschichte zusammenfasst, weniger aufreißerisch als der klassische Pitch.
Narratives Erzählen -> szenisches Erzählen
Nebenplot Das sind alle Plots, Geschichten, die nicht zum Hauptplot, zum Wesentlichen der Geschichte gehören. Dass der Nachbar eine kranke Frau hat, bei der unklar ist, ob sie Krebs hat. Die Liebesgeschichte der Köchin. Nebenplots sind vielleicht nicht so wichtig, sollten aber nicht willkürlich eingeführt werden und, wie der Hauptplot, nicht einfach irgendwo unabgeschlossen liegen bleiben.
Normseite Aus den Zeiten der Schreibmaschine stammt die Normseite. Sie hilft Verlagen und Autoren den Umfang einer Geschichte abzuschätzen.
Eine Normseite hat dreißig Zeilen – Zeilenabstand 1,5 oder 2 – mit je maximal sechzig Anschlägen pro Zeile. Maximal umfasst eine Normseite 1800 Anschläge (inklusive Leerzeichen), in der Praxis sind es meist 1500-1600 Anschläge. Als Schrifttype dient eine Schrift mit fester Zeichenlänge, in der alle Zeichen gleich viel Platz auf dem Papier einnehmen. Standardschrift für Normseiten ist COURIER 12 Punkt.
Da bei einer Normseite reichlich Platz zwischen den Zeilen ist, eignet sie sich gut, Korrekturen und Kommentare einzufügen. Dass dürfte der Grund sein, dass sie sich auch im Computerzeitalter immer noch großer Beliebtheit in Verlagen erfreut.
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