Hallo Ed, hallo Leute,
ich mach heute mal kurz Urlaub vom Urlaub (und willkommen an alle Neuen), weil ich hier was beitragen kann.
Zitat von Ed am 17.06.05 um 00:11:Die Liste meiner Absagen liest sich wie das WHO IS WHO der deutschsprachigen Verlagsszene. Meine Kandidaten sind z.B. Ueberreuter, Schneider, Thienemann, Carlsen, Dachs, Loewe, die Oetinger-Gruppe, Ravensburger, CBJ, Beltz, Jungbrunnen, Hanser…… eigentlich die meisten großen Verlage, quer durch den Gemüsegarten.
Hanser sagt mir zufällig was

und deshalb will ich mal grundsätzlich kommentieren, warum es bei solchen Verlagen so gern zu Absagen kommt und warum vor allem Newcomer hier scheitern.
Hanser gehört zur Crème de la Crème deutscher Verlage, ist zudem ein literarischer Verlag... mit entsprechend hohem Anspruch. Dort ein Buch zu platzieren, ist schon ein Grund, Champagner statt Sekt zu trinken. Ein Jugendbuch dort zu platzieren, ist eine ganz hohe Auszeichnung.
Wie funktioniert das in so einem Verlag?
Obwohl Hanser natürlich auch in zugesandte Manuskripte schaut, kaufen solche Verlage mit Vorliebe und zum Großteil nur noch über Agenten ein. Weil die genau vorsondieren. Sich in so einem Verlag ohne Agent zu präsentieren, schmälert statistisch die Chancen.
Kommt hinzu, dass z.B. Hanser ganz stark auf absolute Professionalität schaut. Und die Kinder- und Jugendmanuskripte sollten schon das Niveau eines Jostein Gaarder haben... um mal eine bekannte Figur zu zitieren (und damit meine ich nicht nur Sophies Welt!)
Dann noch etwas: Man kann es sich leisten, genau auszuwählen. Und so wird selbst mit denen, die man nimmt, hinter den Kulissen noch sehr hart gearbeitet, damit das Buch auch passgenau ins Programm passt.
Deshalb: Warum sich als Anfänger unbedingt frustrieren, indem man ganz oben anfängt? Und zwar so weit oben, wie es nur Ausnahmetalente mit dem ersten Buch schaffen? Die Formabsage ist so programmiert.
Verlage wie Hanser, aber auch die ganz großen Publikumsverlage, haben ganz spezifische, besondere Ansprüche. Die kann man als Newcomer selten erfüllen, vor allem muss man einen Blick, ein Händchen dafür haben. Kommt dazu, dass solche Verlage auch am liebsten Autoren einkaufen, die bereits einen kleinen Namen haben oder in Sachen Karriere für später vielversprechend klingen (also seltener mit Erstling).
Um sich erst mal einen Namen zu schaffen, ist es sinnvoller, sich einen Verlag zu suchen, bei dem das auch annähernd möglich ist. Bei den ganz großen geht man schnell hopps zwischen den ganz großen Namen...
Mein Rat aus eigener Erfahrung (ich habe mich über sieben Jahre langsam "hochgedient"): Nehmt solche Absagen von "Superverlagen" nicht als grundsätzliche Ablehnung. Meist liegt es hier wirklich nur an den besonderen Ansprüchen der Verlage. Schaut euch Verlage aus, die eurem Schreiben eher entsprechen und scheut euch nicht, auch mal weiter unten zu veröffentlichen. Ein kleiner oder mittlerer Verlag kann einen Newcomer manchmal viel besser betreuen!
Ich habe z.B. mit mittleren Verlagen begonnen, die für ihre unbekannten Autoren im Pool sehr viel mehr Finanzen übrig hatten. Im Riesenverlag tobt immer ein Kampf um Gelder, die an die ersten Plätze vergeben werden.
Ansonsten: Die Verlagsprogramme studieren, die Buchhändler bekommen. Genau zwischen den Zeilen lesen, auch in den Werbetexten, was da besonders verkauft und beworben wird, welche Art Bücher geschrieben werden etc. Buchhändler sind immer die beste Adresse, Webseiten reichen nicht.
Viel Glück und schöne Grüße,
Petra